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Tonart | Beitrag vom 05.06.2019

Deutsch-Rapper Kontra KMit Fleiß und Sozialdarwinismus die Charts erobert

Alex Barbian im Gespräch mit Andreas Müller

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Kontra K steht im Lichtspiel auf der Bühne und zeigt den Pokal, eine Glaskugel. (Getty Images / Michael Gottschalk)
Kontra K auf der Bühne: Kein herausragender Musiker, aber ein solider Rapper, urteilt Alex Barbian. (Getty Images / Michael Gottschalk)

"Kontra K" hat mit seinem aktuellen Album die deutschen Charts geknackt. Aber wer ist dieser Musiker? Der Berliner Rapper verherrlicht in seinen Texten Schusswaffen und Gewalt. Warum so viele zuhören, erklärt der Musikjournalist Alex Barbian.

Kennen Sie Kontra K? Wenn nicht, dann fragen Sie mal jüngere Generationen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie Musik von diesem Deutsch-Rapper auf dem Smartphone haben, der gerade mal wieder die deutschen Charts erobert hat. 

Alex Barbian beobachtet als Musikjournalist schon einige Zeit die Rapper-Szene: "Kontra K ist aufgewachsen in Berlin-Charlottenburg und offensichtlich schon mit jungen Jahren mit Kriminalität und Gewalt in Berührung gekommen. Das lässt er regelmäßig durchblitzen, noch bis heute. Er äußert sich aber nie konkret dazu." Seit 2006 mache er regelmäßig Musik - im Mainstream war er aber lange nicht präsent. Sein erstes Album erschien 2010, ein Gangster-Rap-Album mit Referenzen an Kampfsportarten und die Graffiti-Szene.

2014 habe er seinen ersten Vertrag beim Label Form Musik unterschrieben. Das sei ein Tor zu größerer Bekanntheit gewesen, so Barbian weiter. Erstaunlicherweise konnten seine vier letzten Alben schnell in den Charts aufsteigen und sich dort auch halten – hatten also Fans gefunden und nicht nur ein Strohfeuer ausgelöst.

Vom Straßenjungen zum Vorbild

Barbian meint: "In seiner Eigenwahrnehmung hat er sich über die Jahre vom straffälligen Straßenjungen zum Vorbild für die Kids entwickelt." Kontra K sähe seine Aufgabe darin, Werte wie Respekt, Disziplin, Loyalität und Ehrlichkeit zu propagieren. "Das sind die wichtigsten, inhaltlichen Säulen seiner Musik", erklärt Barbian. Abseits der Musik würde Kontra K Kinder im Kickboxen mehrmals in der Woche trainieren, und er versuche, sie zu einem drogenfreien Leben zu motivieren. Er präsentiere sich dabei als "Macher".

Verherrlichung von Gewalt in Videos

Dass in seinen Videos Schusswaffen zu sehen seien, habe verschiedene Gründe. Zum einen zeige er damit seine eigene Vergangenheit, aber er weise auch auf die Zustände in den amerikanischen Gettos hin. Dort habe er auch zuletzt Videos gedreht, berichtet der Musikjournalist. Das sei allerdings üblich in der Rap-Szene. 

Der Rapper steht an einem Pool, trägt Sonnebrille und schaut zur Seite. (Alok Paleri)Cool am Pool: Rapper Kontra K. mit Sonnenbrille (Alok Paleri)
Kontra K war vor einigen Monaten mit Neonazi-Kadern auf einem Foto zu sehen, das in den Medien bekannt gemacht wurde. Hier schränkt Barbian ein, dass aus dem Foto nicht hervorgehen würde, ob diese Personen gemeinsame Zeit miteinander verbracht haben, es sei in einem Club entstanden. "Kontra K hat sich von der rechten Szene distanziert." Er habe in der Folge Videos mit migrantischen Freunden gedreht und veröffentlicht. Allerdings gibt Barbian zu, dass die Texte und Videos des Rappers zunehmend auf sozialdarwinistischen Grundideen basieren würden.

Solide musikalische Qualitäten

"Ich würde sagen, dass er kein herausragender Musiker ist, aber er ist ein solider Rapper", urteilt Barbian. "Er hat eine eigene Aura, einen eigenen Stil, auch wenn er nicht besonders schnell oder komplex rappt. Seine Art zu texten, ist in Deutschland einmalig." Was ihn auszeichne, sei zudem seine angenehme Stimme und sein Talent für eingängige Hoogs, gerade auf dem neuen Album. Barbian wertet: "Für Rapperverhältnisse zeigt er hier sehr gelungene Gesangsparts". 

Gründe für seinen Erfolg

Barbian nennt mehrere Gründe für den Erfolg des Rappers. Kontra K sehe gut aus, sei ein unheimlich smarter Typ, habe sich auch ein sehr gutes Musiknetzwerk aufgebaut und sei ein fleißiger Arbeiter: ein Workaholic. Dabei wirke er sehr authentisch. "Die Leute lieben dieses Pathos, das Hymnenhafte seiner Musik. Ich glaube, dass viele Menschen eine persönliche Motivation daraus ziehen können."

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