Desillusioniert, aber munter
Man kennt sie als blasse Schöne aus Filmen wie "Homo Faber" oder "Before Sunrise". Seit knapp zwei Jahren stellt die Französin Julie Delpy auch ihr musikalisches Talent unter Beweis. Ihre melancholisch düsteren Songs über Liebe und Freundschaft bringt sie zurzeit auf einer Deutschlandtournee zu Gehör. Rebecca Partouche hat mit ihr über Musik, ihre Ansichten und die Männer gesprochen.
Sie heißen Clémentine Célarier, Arielle Lombale - und inzwischen auch Julie Delpy. Schauspielerinnen, die sich im Singen versuchen, sind in Frankreich keine Seltenheit. Ja, mittlerweile greifen sogar die Models zum Mikrophon. Erfolgreich. So gelang es dem Star-Mannequin Carla Bruni vor zwei Jahren, eine CD mit selbst getexteten und komponierten Liedern über eine Million Mal zu verkaufen.
Dass ihre Freundin und Kollegin das Fach wechselte, dafür hat Julie Delpy größtes Verständnis. Auch sie hat es satt, sich als ewige Schaufensterpuppe und Kleiderständer zu fühlen, meint die 34-Jährige von sich selbst:
"Ich singe nicht nur, ich komponiere und schreibe meine Texte selbst. Interpretin zu sein interessiert mich nicht, ich will endlich mein eigenes Inneres ausdrücken. Ich habe es satt, immer nur Interpretin von irgendjemand zu sein. Als Schauspielerin kann man sich nur beschränkt ausdrücken. Die meisten Rollen sind flach und einseitig. Sie geben zu wenig her. Das ist frustrierend. Ich habe mich schon in so vielen Filmen als Model oder so etwas Ähnliches gefühlt. Und außerdem leiden viel zu viele Regisseure an einem Pygmalion-Komplex."
Doch die Delpy hat nicht nur mit eigenwilligen Regisseuren abgeschlossen. Auch mit den Männern sei sie fertig, sagt die junge Frau. Vorläufig jedenfalls. Vorbei die Zugeständnisse, Aufopferungen und Einschränkungen, die Delpy will jetzt endlich mal selbst Regie in ihrem Leben führen. Und zur Selbstverwirklichung gehört Einsamkeit und allenfalls eine Katze:
Delpy: "Es ist doch unmenschlich, ständig mit jemandem zusammen zu hocken, der piep piep piep macht. Das ist unmöglich und monströs. Ich brauche meinen eigenen Raum, und der muss geschützt bleiben. Sobald jemand versucht, dort einzubrechen, ersticke ich. Nur wenn ich allein bin, fühle ich mich richtig wohl. Für mich ist das der reinste Genuss. Dann kann ich malen und schreiben."
Einsamkeit und Unabhängigkeit, Desillusion und Enttäuschung - das sind auch die Themen ihrer autobiografisch gefärbten Songs. Sie alle hat sie selber geschrieben und das vor allem in englischer Sprache - bis auf eine Ausnahme. Je t´aime tant – Ich liebe dich so sehr - ist ein Lied über Demütigung und Unterwerfung in einer sado-masochistischen Beziehung. Inhaltlich hat sich die Delpy von Jacques Brels "Ne me quitte pas" inspirieren lassen: Doch bei ihr klingt das Ganze eher rockig und hat nur wenig mit dem typischen französischen Chanson gemein.
Delpy: " Meine Lieder sind autobiografisch. Aber schließlich ist alles, was man schreibt autobiografisch. Und da ich nun einmal meine Illusionen verloren habe, sind meine Lieder dementsprechend. Ich habe keine Illusionen mehr über den Beruf, die Korruption und überhaupt über die ganze Welt. Und damit lebe ich sehr gut. Ich bin auf Enttäuschungen gefasst und dadurch viel stärker und ganz einfach glücklicher. Ja, keine Illusionen mehr zu haben, ist eine Form von Glück."
Bei all der vorgetragenen Desillusion wirkt die Delpy im Gespräch erstaunlich munter und optimistisch. Und tatsächlich hat die junge Frau noch viel vor. Nach ihrer Konzerttournee steht schon wieder der nächste Film an. Diesmal hat sie selber das Drehbuch geschrieben und wird auch selber Regie führen. Mit ihrem Filmpartner aus "Before Sunrise" und "Before Sunset" Ethan Hawke will sie die Lebensgeschichte der ungarischen "Blutfürstin" Elisabeth Báthory verfilmen.
Doch das ist noch Zukunftsmusik. Für heute hat sich Julie Delpy erst mal etwas ganz Pragmatisches vorgenommen. Um eine klarere Stimme für das Singen zu bekommen, hat sie mit dem Rauchen aufgehört. Und zwar genau vor... einer Stunde.
Dass ihre Freundin und Kollegin das Fach wechselte, dafür hat Julie Delpy größtes Verständnis. Auch sie hat es satt, sich als ewige Schaufensterpuppe und Kleiderständer zu fühlen, meint die 34-Jährige von sich selbst:
"Ich singe nicht nur, ich komponiere und schreibe meine Texte selbst. Interpretin zu sein interessiert mich nicht, ich will endlich mein eigenes Inneres ausdrücken. Ich habe es satt, immer nur Interpretin von irgendjemand zu sein. Als Schauspielerin kann man sich nur beschränkt ausdrücken. Die meisten Rollen sind flach und einseitig. Sie geben zu wenig her. Das ist frustrierend. Ich habe mich schon in so vielen Filmen als Model oder so etwas Ähnliches gefühlt. Und außerdem leiden viel zu viele Regisseure an einem Pygmalion-Komplex."
Doch die Delpy hat nicht nur mit eigenwilligen Regisseuren abgeschlossen. Auch mit den Männern sei sie fertig, sagt die junge Frau. Vorläufig jedenfalls. Vorbei die Zugeständnisse, Aufopferungen und Einschränkungen, die Delpy will jetzt endlich mal selbst Regie in ihrem Leben führen. Und zur Selbstverwirklichung gehört Einsamkeit und allenfalls eine Katze:
Delpy: "Es ist doch unmenschlich, ständig mit jemandem zusammen zu hocken, der piep piep piep macht. Das ist unmöglich und monströs. Ich brauche meinen eigenen Raum, und der muss geschützt bleiben. Sobald jemand versucht, dort einzubrechen, ersticke ich. Nur wenn ich allein bin, fühle ich mich richtig wohl. Für mich ist das der reinste Genuss. Dann kann ich malen und schreiben."
Einsamkeit und Unabhängigkeit, Desillusion und Enttäuschung - das sind auch die Themen ihrer autobiografisch gefärbten Songs. Sie alle hat sie selber geschrieben und das vor allem in englischer Sprache - bis auf eine Ausnahme. Je t´aime tant – Ich liebe dich so sehr - ist ein Lied über Demütigung und Unterwerfung in einer sado-masochistischen Beziehung. Inhaltlich hat sich die Delpy von Jacques Brels "Ne me quitte pas" inspirieren lassen: Doch bei ihr klingt das Ganze eher rockig und hat nur wenig mit dem typischen französischen Chanson gemein.
Delpy: " Meine Lieder sind autobiografisch. Aber schließlich ist alles, was man schreibt autobiografisch. Und da ich nun einmal meine Illusionen verloren habe, sind meine Lieder dementsprechend. Ich habe keine Illusionen mehr über den Beruf, die Korruption und überhaupt über die ganze Welt. Und damit lebe ich sehr gut. Ich bin auf Enttäuschungen gefasst und dadurch viel stärker und ganz einfach glücklicher. Ja, keine Illusionen mehr zu haben, ist eine Form von Glück."
Bei all der vorgetragenen Desillusion wirkt die Delpy im Gespräch erstaunlich munter und optimistisch. Und tatsächlich hat die junge Frau noch viel vor. Nach ihrer Konzerttournee steht schon wieder der nächste Film an. Diesmal hat sie selber das Drehbuch geschrieben und wird auch selber Regie führen. Mit ihrem Filmpartner aus "Before Sunrise" und "Before Sunset" Ethan Hawke will sie die Lebensgeschichte der ungarischen "Blutfürstin" Elisabeth Báthory verfilmen.
Doch das ist noch Zukunftsmusik. Für heute hat sich Julie Delpy erst mal etwas ganz Pragmatisches vorgenommen. Um eine klarere Stimme für das Singen zu bekommen, hat sie mit dem Rauchen aufgehört. Und zwar genau vor... einer Stunde.
