Designer Sebastian Herkner

    "Produkte müssen zu Begleitern werden"

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    Der Tischfuß des Bell Coffee Table von Designer Sebastian Herkner besteht aus mundgeblasenem Glas, der eine Messingkonstruktion trägt.
    Vor zehn Jahren entwickelte Sebastian Herkner den "Bell Table". Der kleine Couchtisch mit farbigem Glasfuß ging schnell als Klassiker in die Designgeschichte ein. © picture alliance / ClassiCon / Mark Seelen
    Moderation: Britta Bürger · 02.09.2021
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    Gerade mal zehn Jahre ist der "Bell Table" alt und schon ein Designklassiker. Entworfen hat den Tisch mit Glasfuß und Messingplatte der Produktentwickler Sebastian Herkner. Seit seinem Durchbruch hat er mit vielen namhaften Firmen gearbeitet.
    Als Produktgestalter hat es Sebastian Herkner mit seinen Landsleuten nicht immer einfach. "In Deutschland wird sehr viel Geld für ein Auto ausgegeben oder eine Vollkaskoversicherung." Aber an vielen anderen Dingen des Alltags werde gespart.
    "Wenn ich nach Skandinavien gehe, nach Dänemark, nach Kopenhagen, egal durch welche Siedlung, ob eine Luxus- oder eine Arbeitersiedlung, überall sehe ich in Form von Leuchten oder Stühlen Designklassiker. Das ist ein ganz anderes Bewusstsein für gute Gestaltung und Qualität. Da müssen wir stark umdenken."

    "Wir haben täglich die Wahl"

    Genau darin sieht Herkner als Gestalter seine Verantwortung, Produkte zu designen, die nicht nur ansprechend aussehen, sondern eine hohe Qualität besitzen und langlebig sind. Hier sei nicht nur er in der Pflicht, sondern alle:
    "Wir haben täglich die Wahl, nicht nur bei der Bundestagswahl. Wir haben täglich die Wahl, was wir kaufen, wo wir kaufen, wie wir konsumieren. Ein Produkt muss auch wertgeschätzt werden, Produkte müssen zu Begleitern werden. Das heißt auch, dass der Hersteller den Service bietet, dass ein Sofa neu gepolstert werden kann. Das ist in den letzten Jahren oft zu kurz gekommen."
    Noch während des Studiums hat Herkner 2006 in Offenbach sein eigenes Designstudio gegründet. Mit vielen Firmen arbeitete er bis heute zusammen. Die Auftraggeber sitzen auf der ganzen Welt verstreut, in Kolumbien, Simbabwe oder auf den Philippinen.
    Wenn möglich, mache er sich vor Ort ein Bild der Produktionsbedingungen. Das gehöre dazu, wenn er von Verantwortung spreche, so der Designer:
    "Ich versuche, mit Unternehmen zu arbeiten, die den Handwerkern einen gewissen Mehrwert geben. So ist es zum Beispiel auf den Philippinen, da gibt es für die Angestellten Hausprojekte. Das heißt, es werden Häuser gebaut, die sie quasi durch ihre Arbeit bezahlen."

    Von der Brille bis zum Tisch

    Mit 40 hat Herkner mittlerweile zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland als bester Newcomer, 2020 den German Design Award. Festgelegt ist der Gestalter nicht. Im Gegenteil. Die Palette seiner Produkte reicht von Möbeln über Raumkonzepte für Restaurants bis hin zu Brillenmodellen.
    Porträt vom Designer Sebastian Herkner.
    Noch während des Studiums hat Herkner 2006 in Offenbach sein eigenes Designstudio gegründet. © Evelyn Dragan
    "Das ist definitiv die Neugierde, etwas neu zu denken, anders zu denken, mit neuen Materialien zu arbeiten. Das ist wirklich die Freiheit, die ich als Designer habe."
    Vor zehn Jahren entwickelte Herkner einen Tisch, der schon heute als Designklassiker gilt. Sein "Bell Table" ist ein kleiner Couchtisch mit farbigem Glasfuß und einer Platte aus schwarzen Kristallglas. Er wird aktuell für vier- bis fünfstellige Summen verkauft. Als ihn Herkner damals auf der Mailänder Möbelmesse präsentiert, "war von den Herstellern gar kein Interesse da, weil er zu ungewöhnlich war".

    "Nur das Volumen einer Christbaumkugel"

    Seit 2011 wird der Tisch nun in einer Manufaktur im Bayerischen Wald gefertigt. Die besondere Herausforderung seien dabei die Glaselemente, denn die werden von Mund geblasen, erzählt Herkner.
    "Ich habe da meinen höchsten Respekt. Die Jungs stehen morgens um fünf in der Glashütte und fertigen die einzelnen Teile. Das ist natürlich auch limitiert, vielleicht 20 am Tag."
    Er selbst habe sich auch schon beim Glasblasen probiert. "Aber da kam nur so ein Volumen von einer Christbaumkugel raus."
    (ful)
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