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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 06.09.2011

Designed wie Fukushima

Das spanische Kernkraftwerk Garoña

Von Reinhard Spiegelhauer

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Regierungschef Zapatero konnte eine Stilllegung des Uraltreaktors nicht durchsetzen (AP)
Regierungschef Zapatero konnte eine Stilllegung des Uraltreaktors nicht durchsetzen (AP)

Das Kernkraftwerk Santa María de Garoña liegt in Nordspanien in der Provinz Burgos. Er ist der älteste Reaktor Spaniens, der noch in Betrieb ist. Das wäre vielleicht noch nicht der Erwähnung wert, aber besonders interessant wurde das AKW vor allem für Umweltschützer nach der Havarie im japanischen Fukushima: Denn es handelt sich um den gleichen Reaktortyp.

Die Ähnlichkeit der Anlage in Santa María de Garoña mit den Fukushima-Kraftwerksblöcken ist verblüffend – aber eigentlich nicht überraschend. Denn das älteste der sechs spanischen Kernkraftwerke hat das gleiche technische Design wie die havarierten Blöcke 1 und 2 der Anlage in Japan. Und es wurde ebenso in den späten 60er-Jahren geplant und gebaut, vom gleichen Hersteller – dem US-Riesen General Electric. Eigentlich hätte der Siedewasserreaktor in Garoña in diesem Jahr vom Netz gehen sollen - nach Ablauf der geplanten Laufzeit von vierzig Jahren.

José Luis Zapatero: "Weltweit gibt es nur eine Anlage, die noch älter ist, in Großbritannien. Außerdem produziert Garoña 50 Prozent mehr hoch radioaktive Abfälle als die restlichen Kraftwerke in Spanien."

2009 noch wollte Ministerpräsident José Luis Zapatero den Uralt-Reaktor tatsächlich stilllegen – aber die Betreiber dagegen hätten den Reaktor gerne weitere zehn Jahre am Netz gelassen. Die spanische Atomaufsichtsbehörde hatte keine Einwände – am Ende entschied die Regierung, die Betriebsgenehmigung für den Uralt-Reaktor bis Juli 2013 zu verlängern.

Und auch nach der Katastrophe in den Schwester-Kraftwerksblöcken in Japan sah Industrieminister Miguel Sebastian keinen Grund zur Besorgnis:

"Die spanischen Atomkraftwerke sind sicher und es gibt für die Bevölkerung keinen Grund zur Beunruhigung."

Tatsächlich gab und gibt es auch in Spanien immer wieder Störfälle in den Atomanlagen. Mehrfach wurde dabei auch Radioaktivität frei. In Garoña gab es sogar einen Vorfall, der unmittelbar an Fukushima erinnert. Der Betreiber von Garoña nennt die spanische Anlage dennoch nicht nur ungewöhnlich produktiv, sondern auch besonders sicher. Er wollte den Meiler gerne bis mindestens 2019 weiter am Netz lassen.

Und Maria Teresa Dominguez, die Präsidentin des spanischen Atomforums, in dem die Betreiber der Kernenergie-Anlagen zusammengeschlossen sind, nahm die Fukushima-Reaktoren gar als Beleg für die Sicherheit von Atomkraftwerken:

"Sie haben das Beben überstanden und sie haben keine schädliche Wirkung nach außen. Ich denke, das sind positive Nachrichten und Argumente für die Kernenergie. Wenn jemand diesen Vorfall instrumentalisiert, dann erweist er der Gesellschaft einen schlechten Dienst."

Die ist in Spanien in Sachen Kernenergie bisher ziemlich uneins. Die einen glauben, dass die Technik beherrschbar ist, und sehen das Arbeitsplatz-Argument. Andere dagegen machen sich Sorgen wegen des Atommülls. Die meisten jedoch bezeichnen sich entweder selbst als uninformiert oder sind unschlüssig. Eine echte Anti-Atom-Bewegung gibt es nicht.

Umweltorganisationen warnen allerdings immer wieder vor Gefahren durch Atomkraftwerke im Allgemeinen und die Anlage in Garoña im Besonderen. Sie haben bei der Audiencia Nacional, einem der höchsten Gerichte Spaniens, eine Beschwerde gegen die Laufzeitverlängerung eingereicht – erfolglos.

Der Chef von Greenpeace Spanien, Juán Lopez de Uralde, kritisiert die Entscheidung, den Reaktor am Netz zu lassen, heftig:

"Zapatero hat sich der Atomlobby gebeugt. Er hat sein Wahlversprechen gebrochen, Atomkraftwerke nach 40 Jahren Betriebszeit stillzulegen."

Linktipp:
Sammelportal "Katastrophen in Japan"

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