"Der Vatikan hüllt sich in Schweigen"
Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst sei im Vatikan so etwas wie "ein kleiner Fisch", meint der Journalist Thomas Migge. Viel mehr Sorgen dürften Papst Franziskus die Skandale um die Vatikanbank und die Immobilienverwaltung des Kirchenstaates machen: Einer der führenden Geistlichen wurde verhaftet.
Philipp Gessler: Unmittelbar vor der Sendung habe ich mit dem Journalisten Thomas Migge in Rom gesprochen. Er beobachtet seit Jahren die Entwicklungen im Vatikan. Wie waren die vergangenen Tage in Rom – und wie geht es nun weiter in der Causa Tebartz-van Elst?
Thomas Migge: Für deutsche Journalisten und die deutschen Mitglieder der katholischen Kirche waren das sehr aufregende Tage. Für die Italiener überhaupt nicht, auch nicht für die italienische Geistlichkeit im Vatikan. Das interessierte die überhaupt nicht. Wie es jetzt weitergeht? Aus dem Vatikan wird überhaupt nichts verlautbart. Es wird nur gesagt, dass sich eine Kommission der Deutschen Bischofskonferenz darum kümmern werde. Wann die denn dann Resultate vorlegen wird, das ist unklar, und der Vatikan hüllt sich vollkommen in Schweigen. Auch auf die Frage, ob Tebartz-van Elst vielleicht ausgewechselt werden sollte, gibt es keine Antwort aus dem Vatikan.
Gessler: Es hat ja Kardinal Woelki hier in Berlin gesagt, die deutsche katholische Kirche sei sehr geschadet worden durch diese ganze Affäre. Offenbar ist man da im Vatikan sehr viel gelassener.
Migge: Im Vatikan ist man sicherlich viel gelassener, weil man im Vatikan inzwischen in diesem Moment oder seit einigen Monaten ganz andere Sorgen hat. Weil Papst Franziskus mit seinen Ankündigungen, richtig aufzuräumen im Vatikan, ja ernst macht. Stichworte sind die Vatikanbank IOR, dann die APSA, das ist die Immobilienverwaltung des Vatikans, die ja einen Immobilienwert von einigen Milliarden Euro zu verwalten hat und wo im Juni einer der führenden Monsignori, die dort arbeiteten, verhaftet worden ist.
Dann arbeiten in beiden Institutionen, also Vatikanbank und Immobilienverwaltung, außervatikanische Unternehmen, die alles Illegale aufdecken sollen. Also, die Geschichte des deutschen Bischofs, der sich eine Residenz hat restaurieren lassen für 31 Millionen Euro, das ist eigentlich ein kleiner Fisch gegenüber all dem, was gerade im Vatikan in Sachen Aufräumen und Personalwechsel und so weiter stattfindet. Deshalb läuft das eigentlich so eher am Rande ab.
Gessler: Was weiß man denn über den Aufenthaltsort von Tebartz-van Elst in Rom? Und gibt es da so eine Art Jagd von Journalisten auf ihn?
Thomas Migge: Für deutsche Journalisten und die deutschen Mitglieder der katholischen Kirche waren das sehr aufregende Tage. Für die Italiener überhaupt nicht, auch nicht für die italienische Geistlichkeit im Vatikan. Das interessierte die überhaupt nicht. Wie es jetzt weitergeht? Aus dem Vatikan wird überhaupt nichts verlautbart. Es wird nur gesagt, dass sich eine Kommission der Deutschen Bischofskonferenz darum kümmern werde. Wann die denn dann Resultate vorlegen wird, das ist unklar, und der Vatikan hüllt sich vollkommen in Schweigen. Auch auf die Frage, ob Tebartz-van Elst vielleicht ausgewechselt werden sollte, gibt es keine Antwort aus dem Vatikan.
Gessler: Es hat ja Kardinal Woelki hier in Berlin gesagt, die deutsche katholische Kirche sei sehr geschadet worden durch diese ganze Affäre. Offenbar ist man da im Vatikan sehr viel gelassener.
Migge: Im Vatikan ist man sicherlich viel gelassener, weil man im Vatikan inzwischen in diesem Moment oder seit einigen Monaten ganz andere Sorgen hat. Weil Papst Franziskus mit seinen Ankündigungen, richtig aufzuräumen im Vatikan, ja ernst macht. Stichworte sind die Vatikanbank IOR, dann die APSA, das ist die Immobilienverwaltung des Vatikans, die ja einen Immobilienwert von einigen Milliarden Euro zu verwalten hat und wo im Juni einer der führenden Monsignori, die dort arbeiteten, verhaftet worden ist.
Dann arbeiten in beiden Institutionen, also Vatikanbank und Immobilienverwaltung, außervatikanische Unternehmen, die alles Illegale aufdecken sollen. Also, die Geschichte des deutschen Bischofs, der sich eine Residenz hat restaurieren lassen für 31 Millionen Euro, das ist eigentlich ein kleiner Fisch gegenüber all dem, was gerade im Vatikan in Sachen Aufräumen und Personalwechsel und so weiter stattfindet. Deshalb läuft das eigentlich so eher am Rande ab.
Gessler: Was weiß man denn über den Aufenthaltsort von Tebartz-van Elst in Rom? Und gibt es da so eine Art Jagd von Journalisten auf ihn?
"Seit er in Rom ist, schottet er sich ab"
Migge: Tja. Alle bemühen sich, ein Foto von ihm zu bekommen, wie er vielleicht mal aus dem Gästehaus der deutschen Nationalkirche, der Anima-Kirche bei der Piazza Navona, rausgeht, um vielleicht einen Cappuccino zu trinken. Aber das letzte Foto von ihm gab es auf dem Hinflug nach Rom in einem Ryan-Air-Billigflieger.
Seit er in Rom ist, schottet er sich ab. Wie es hieß in den ersten Tagen, würde er noch nicht einmal mit den Leuten im Gästehaus der deutschen Nationalkirche verkehren. Und seit Tagen heißt es auch, er wäre woanders abgetaucht. Die Hypothese ist die, die im Moment am wahrscheinlichsten ist, dass er vielleicht in einem römischen Kloster untergekommen sei.
Fakt ist, dass ein deutsches großes Tabloid wohl verschiedene Kollegen positioniert hat an verschiedenen Orten in Rom, in der Hoffnung, dass der Bischof irgendwann mal aus dem Fenster schaut oder das Haus verlässt. Also, bis jetzt gibt es da überhaupt keine ernstzunehmenden Hinweise.
Gessler: Für wie wahrscheinlich halten Sie denn die Lösung, die hier häufiger diskutiert wird, dass er vielleicht einen Diözesanadministrator in Limburg an die Seite gestellt bekommt, der de facto die Arbeit macht, und er selber in Rom bleibt, bis er sich endlich dazu bewegt, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten?
Migge: Das ist eine Hypothese, aber Herr Zollitsch hat ja vor zwei Tagen bei seinem Pressestatement, nachdem er beim Papst gewesen ist, klipp und klar gesagt, dass man abwarten muss, bis die ganze Sache untersucht sei. Das wird sicherlich einige Wochen dauern, es sei denn, Tebartz äußert sich in diesen Tagen oder fragt den Papst, ob er zurücktreten darf. Aber da gibt es auch keine Hinweise. Das heißt also, die Heerscharen deutscher Journalisten, die nur darauf warten, dass da endlich eine Nachricht kommt, die fischen also vollkommen im Trüben. Und es gibt auch gar keine Anhaltspunkte. Und die müssten kommen von Tebartz selbst oder durch die Deutsche Bischofskonferenz.
Gessler: Apropos fischen im Trüben: Man hat ja den Eindruck, dass tatsächlich Tebartz-van Elst wegen seines irrationalen Verhaltens vielleicht auch psychische Störungen haben könnte. Wird das in Rom und im Vatikan ähnlich gesehen?
Seit er in Rom ist, schottet er sich ab. Wie es hieß in den ersten Tagen, würde er noch nicht einmal mit den Leuten im Gästehaus der deutschen Nationalkirche verkehren. Und seit Tagen heißt es auch, er wäre woanders abgetaucht. Die Hypothese ist die, die im Moment am wahrscheinlichsten ist, dass er vielleicht in einem römischen Kloster untergekommen sei.
Fakt ist, dass ein deutsches großes Tabloid wohl verschiedene Kollegen positioniert hat an verschiedenen Orten in Rom, in der Hoffnung, dass der Bischof irgendwann mal aus dem Fenster schaut oder das Haus verlässt. Also, bis jetzt gibt es da überhaupt keine ernstzunehmenden Hinweise.
Gessler: Für wie wahrscheinlich halten Sie denn die Lösung, die hier häufiger diskutiert wird, dass er vielleicht einen Diözesanadministrator in Limburg an die Seite gestellt bekommt, der de facto die Arbeit macht, und er selber in Rom bleibt, bis er sich endlich dazu bewegt, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten?
Migge: Das ist eine Hypothese, aber Herr Zollitsch hat ja vor zwei Tagen bei seinem Pressestatement, nachdem er beim Papst gewesen ist, klipp und klar gesagt, dass man abwarten muss, bis die ganze Sache untersucht sei. Das wird sicherlich einige Wochen dauern, es sei denn, Tebartz äußert sich in diesen Tagen oder fragt den Papst, ob er zurücktreten darf. Aber da gibt es auch keine Hinweise. Das heißt also, die Heerscharen deutscher Journalisten, die nur darauf warten, dass da endlich eine Nachricht kommt, die fischen also vollkommen im Trüben. Und es gibt auch gar keine Anhaltspunkte. Und die müssten kommen von Tebartz selbst oder durch die Deutsche Bischofskonferenz.
Gessler: Apropos fischen im Trüben: Man hat ja den Eindruck, dass tatsächlich Tebartz-van Elst wegen seines irrationalen Verhaltens vielleicht auch psychische Störungen haben könnte. Wird das in Rom und im Vatikan ähnlich gesehen?
"Die Deutsche Bischofskonferenz soll sich darum kümmern"
Migge: Ja, das wird ähnlich gesehen. Ein deutscher katholischer Würdenträger, der namentlich nicht genannt werden möchte, meinte mir gegenüber vor einigen Tagen, dass man vermutet, dass der Bischof unter einer Art autistischen Störung leiden könnte, und es gäbe aber noch keine Hinweise darauf, dass er sich weder in Italien noch in Deutschland in diesem Punkt hat untersuchen lassen. Also auch da muss man vorsichtig sein.
Gessler: Haben Sie denn den Eindruck, dass diese ganze Affäre am Ende vielleicht Papst Franziskus auch schädigen könnte? Weil ausgerechnet er als Papst der Armen mit einem solchen Prunkbischof zu tun hat und ihn offenbar nicht wirklich zur Räson bringen kann?
Migge: Das kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre sicherlich für die Katholiken in Deutschland medienwirksamer gewesen, wenn Franziskus sofort sich dran getan hätte, den Bischof abzusetzen, durch einen anderen zu ersetzen, aber man kann das Ganze auch anders sehen. Man kann das auch sehen als ein Zeichen der Solidarität, der Kollegialität des Papstes den deutschen Bischöfen gegenüber. Es ist ein deutsches Problem, dann soll sich auch die Deutsche Bischofskonferenz darum kümmern. Das heißt also, die Kollegen des Papstes, und das sind ja nun – und des Bischofs von Rom, denn er ist ja Bischof von Rom –, und das sind natürlich dann die deutschen Bischöfe, in deren Verantwortung die Geschichte liegt.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
Gessler: Haben Sie denn den Eindruck, dass diese ganze Affäre am Ende vielleicht Papst Franziskus auch schädigen könnte? Weil ausgerechnet er als Papst der Armen mit einem solchen Prunkbischof zu tun hat und ihn offenbar nicht wirklich zur Räson bringen kann?
Migge: Das kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre sicherlich für die Katholiken in Deutschland medienwirksamer gewesen, wenn Franziskus sofort sich dran getan hätte, den Bischof abzusetzen, durch einen anderen zu ersetzen, aber man kann das Ganze auch anders sehen. Man kann das auch sehen als ein Zeichen der Solidarität, der Kollegialität des Papstes den deutschen Bischöfen gegenüber. Es ist ein deutsches Problem, dann soll sich auch die Deutsche Bischofskonferenz darum kümmern. Das heißt also, die Kollegen des Papstes, und das sind ja nun – und des Bischofs von Rom, denn er ist ja Bischof von Rom –, und das sind natürlich dann die deutschen Bischöfe, in deren Verantwortung die Geschichte liegt.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.