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Im Gespräch | Beitrag vom 19.07.2018

Der Unternehmensberater Reinhard K. SprengerRebell seiner Branche

Moderation: Susanne Führer

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Der Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger (DVA)
Der Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger (DVA)

"Prämien befördern den Egoismus", sagt Reinhard K. Sprenger. Er gilt als Rebell unter den Unternehmensberatern, weil er unkonventionelle Vorstellungen von Führung hat. Er plädiert dafür, dass Mitarbeiter selbst Verantwortung übernehmen.

Viele Unternehmen versuchen, ihre Mitarbeiter zu motivieren, indem sie mit Geld Anreize schaffen. Reinhard Sprenger lehnt das kategorisch ab, auch von Zielvereinbarungsgesprächen hält er nichts. "Viele Unternehmer nehmen ihre Mitarbeiter als Erwachsene nicht ernst", das ist der Kern seiner Philosophie. "Niemand braucht betreutes Arbeiten." Er plädiert dafür, sich selbst und das Gegenüber als selbstbewusst handelndes, eigenverantwortliches Subjekt zu sehen. Damit stellt er nicht nur herkömmliche Konzepte der Mitarbeiterführung in Frage. Sondern er richtet sich mit lebenspraktischen Ratschlägen direkt an die Angestellten.

"Wir können nicht glücklich werden, wenn wir nur im Außen etwas ändern," sagt er. "Und man kann andere Menschen nur dann führen, wenn man sich selbst führen kann." Sprenger  plädiert insbesondere an Führungskräfte, sich in hohem Maße mit sich selbst zu beschäftigen. Die wichtigen Veränderungen finden seiner Erfahrung nach im Inneren statt. Äußere Verhältnisse zögen dann nach.  "Wir glauben leicht , Opfer der Verhältnisse zu sein. Aber wir haben die Freiheit, uns als Handelnde zu sehen – oder uns weiter als Opfer zu betrachten."

Vertrauen statt Zielvereinbarungen

Statt auf Zielvereinbarungsgespräche und Planerfüllungen setzt der promovierte Philosoph, dessen Buch "Mythos Motivation" zu den Bestsellern unter den Wirtschaftsbüchern gehört, auf Vertrauen. Nur dies motiviere Mitarbeiter und sporne sie an, kreativ zu werden und eigene Ideen zu entwickeln. Vertrauen aber dürften Berater nicht mit Vertraulichkeit verwechseln. "Er darf", sagt er, "nicht zu viel persönliche Nähe zum Unternehmen aufbauen, das er betreut. Ein guter Berater hält Distanz. Wie bei einem Bild, das man besser sieht, wenn man etwas zurück tritt."

Wie wichtig seiner Ansicht nach ein neuer Führungsstil ist, erläutert er in seinem Buch "Radikal Digital. Weil der Mensch den Unterschied macht". Die Digitalisierung, argumentiert er, werde als technische Revolution missverstanden. In Wirklichkeit sei sie ein sozialer Wandel: In Zukunft komme der Mensch wieder ins Spiel. "Im Hintergrund werden die Algorithmen rattern  - im Vordergrund haben wir den Vorteil, leisten zu können, was nur Menschen leisten können: Urteilen um Beispiel, oder intuitiv handeln."

Ein ganz neuer Zeitbegriff für die Unternehmer

Seit fast 30 Jahren berät Sprenger große Unternehmen und hat schon mehrere Bestseller für Manager verfasst. Davor bereiste er die Welt und lernte bei American Natives in den USA einen anderen, nicht linearen Zeitbegriff kennen, den er gern auf die Welt der Unternehmer angewendet sähe. Um Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, sei es im Übrigen nicht nötig, in eine Führungsposition aufzusteigen. Auch Mitarbeiter in unteren Positionen könnten eine innere Bindung zu dem aufbauen, was sie schaffen.

"Ich habe in meiner Studienzeit bei BMW am Band gearbeitet und dort sehr viel mehr Verantwortung für das Produkt bei den Mitarbeitern gesehen als später im Management."

Der Vater von vier Kindern lebt abwechselnd in der Schweiz und in New Mexiko. Seine große Leidenschaft ist Musik. Mit seiner Combo "Sprenger – Die Band" tritt er immer wieder auf kleinen Bühnen auf.

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