Seit 23:05 Uhr Fazit
Mittwoch, 20.01.2021
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Länderreport / Archiv | Beitrag vom 28.10.2008

Der Traum von der sauberen Kohle

Brandenburg und Sachsen-Anhalt wollen Vorreiter sein

Von Susanne Arlt und Claudia van Laak

Podcast abonnieren
Blick auf das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Brandenburg. (AP)
Blick auf das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Brandenburg. (AP)

Wollen Politiker die Entwicklung in den neuen Ländern loben, dann reden sie gerne vom "Innovationslabor Ostdeutschland". Das ist mehr Wunschdenken als Wirklichkeit, aber in einem Fall stimmt es wirklich - bei der Entwicklung "grüner" Kohlekraftwerke. Eine 70 Millionen teure Pilotanlage des Energiekonzerns Vattenfall pustet das bei der Braunkohleverbrennung entstehende Kohlendioxid nicht in die Atmosphäre, sondern trennt es ab und presst es in eine unterirdische Lagerstätte.

"Es ist ein fröhlicher Tag, es ist ein glücklicher Tag."
"Also hier wird heute Geschichte geschrieben."
"Heute erleben wir eine Weltpremiere in der Lausitz."
"Das bringt nicht nur Brandenburg, das bringt ganz Deutschland weiter."

Es ist ein Tag der großen Worte. Der Energiekonzern Vattenfall nimmt im September ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb, in Schwarze Pumpe im Süden Brandenburgs. Nicht irgendein Kohlekraftwerk, sondern ein besonders innovatives. Die Forschungsanlage soll zeigen, dass Braun- und Steinkohle nicht mehr Klimakiller Nummer Eins sind, sondern umweltfreundlich verstromt werden können.

"Künftig wird der Name Schwarze Pumpe vor allem für klimafreundliche Hochtechnologie stehen, für eine Technologie, die eine Brücke in die Zukunft baut. Für eine Technologie, mit der sich die Produktion von Energie aus fossilen Brennstoffen erstmals von Kohlendioxidemissionen entkoppeln lässt."

Bevor Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck diese Worte sagt, ist er über einen roten Teppich ins Festzelt geschritten. Drinnen herrscht eine angenehme Temperatur dank einer stromfressenden Klimaanlage. Die etwa 500 Festgäste stoßen an mit sächsischem Sekt der Marke Schloss Wackerbarth, auch das anschließende Buffet und der Jazz sind vom Feinsten.

Nein, der schwedische Energiekonzern Vattenfall lässt sich nicht lumpen an diesem Tag. Schließlich geht es um viel. Zum Beispiel darum, wer die Deutungshoheit in der Klimadebatte besitzt, ob die Braunkohle in der Lausitz eine Zukunft hat und nicht zuletzt um die Frage, ob Vattenfall auch in den nächsten Jahren Rekordgewinne erzielen kann. Im letzten Jahr betrug der Gewinn des schwedischen Staatskonzerns 1,6 Milliarden Euro.

Während im Zelt gefeiert wird, lassen sich Besuchergruppen draußen das innovative neue Kohlekraftwerk erklären. Die kleine Forschungsanlage steht direkt neben dem großen, zehn Jahre alten Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe, das Strom für mehr als 3 Millionen Menschen produziert. Pro Tonne verbrannter Braunkohle pustet das Kraftwerk auch eine Tonne CO2 in den Lausitzer Himmel - 36.000 Tonnen pro Tag.

Das neue Kraftwerk nebenan soll nur noch einen kleinen Teil des beim Verbrennen von Braunkohle entstehenden Kohlendioxids in die Atmosphäre entlassen. Etwa 90 Prozent des CO2 sollen abgetrennt, verflüssigt und dann in Tanks gepumpt werden. C-C-S heißt diese Technologie: "Carbondioxid Capture and Sequestration." Ziel ist es, das flüssige CO2 per LKW in die Altmark zu fahren und dort unterirdisch zu lagern. 70 Millionen Euro hat Vattenfall in diese Forschungsanlage investiert. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ist begeistert.

"Es ist eine Pilotanlage, aber wir sind wirklich vorneweg. Das hat man ja auch heute allenthalben gehört, viele Fachleute und Experten gucken auf diese Anlage, und ich glaube, dass sie ganz neue Türen öffnet."

"Ein Unternehmen, was soviel Geld in die Hand nimmt, um diese Investition zu machen, muss daran glauben. Ich glaube nicht daran."

Elisabeth Schrödter - grüne Europaabgeordnete. Die Braunkohlegegnerin hat soeben eine Ausstellung in der Gemeindevertretung des Lausitzdorfes Kerkwitz eröffnet - Fotos, selbstgemalte Bilder und Collagen, die die drohende Abbaggerung des Dorfes thematisieren.

"Wir sind die Zukunft, hier wollen wir bleiben", steht auf einem Bild des Kindergartens Bienchen. Die Kleinen haben eine Sonne gemalt, Ähren auf das Bild geklebt und ein Foto ihres Kindergartens. Auf einem anderen Bild sieht man einen Braunkohletagebau - dazu die Unterschrift: "Grabkow, Kerkwitz, Atterwasch im Jahr 2025". Nebenan ist zu lesen: "Gott hat die Lausitz erschaffen, der Teufel hat unter sie die Kohle gelegt."

"Können wir die Menschen hier in so einer Hoffnungslosigkeit lassen oder sollen wir nicht jetzt eine Entscheidung fällen, aus den Tagebauen auszusteigen, damit diese Menschen wieder eine Hoffnung haben?"

Der Energiekonzern Vattenfall will in den nächsten Jahren und Jahrzehnten fünf weitere Tagebaue in der Lausitz erschließen, vier davon in Brandenburg, einen in Sachsen. Dafür müssten die Dörfer Grabkow, Kerkwitz und Atterwasch weichen, mindestens 1000 Menschen würden ihre Heimat verlieren.

Noch hat das Genehmigungsverfahren nicht begonnen, aber klar ist schon jetzt: Funktioniert die neue, klimafreundliche Technologie nicht nur in der Forschungsanlage, sondern auch in großem Stil, dürfte einer Genehmigung neuer Braunkohletagebaue nichts im Wege stehen. Dies hat die Brandenburger Landesregierung bereits signalisiert. Die grüne Europaabgeordnete Elisabeth Schrödter argumentiert dagegen:

"Der Wirkungsgrad der Braunkohle sinkt mit dieser Technik um zehn bis 15 Prozent, und das heißt, der Strom wird auf dem Weltmarkt beziehungsweise auf dem europäischen Binnenmarkt gehandelt, und da muss er wirtschaftlich sein. Und er wird mit dieser Technik CCS nicht wirtschaftlich sein, das ist aus meiner Sicht das Hauptargument."

CO2-Abscheidung, Wirkungsgrad, weltweiter Emissionshandel, CCS - für viele Bewohner der von der Abbaggerung bedrohten Lausitz-Dörfer sind dies Fremdwörter. Die Klimaschutzdebatte ist ihnen viel zu abgehoben. Den Dorfbewohnern geht es um ein naheliegendes und existenzielles Anliegen: Sie wollen nicht, dass Braunkohle-bagger ihre Häuser und Gärten, ihr Dorf, ihre Heimat zerstören. Deshalb treffen sie sich nach einer Demonstration zu einem Gottesdienst auf dem Kerkwitzer Sportplatz.

Der evangelische Pfarrer Matthias Berndt - unter anderem zuständig für die Dörfer Grabkow, Atterwasch und Kerkwitz - hat sich klar positioniert. Er unterstützt die Menschen in ihrem Kampf gegen die Braunkohlebagger des Energiekonzerns Vattenfall, zu Deutsch Wasserfall. Pfarrer Matthias Berndt hat die pompöse Eröffnung des CCS-Pilotkraftwerks vor einigen Tagen genau verfolgt - Schwarze Pumpe ist nicht weit. Ein klimafreundliches Kohlekraftwerk gibt es gar nicht, wettert er.

"Das CO2 wird abgespalten und dann irgendwo versteckt, aus den Augen, aus dem Sinn, und dann denkt man sich, wenn es die Leute nicht mehr sehen, dann werden sie schon ruhig bleiben."

Doch der evangelische Pfarrer will und wird nicht ruhig bleiben, er erhebt laut seine Stimme gegen Brandenburgs Landesregierung und den Energiekonzern Vattenfall. Die unterirdische Lagerung des CO2 vergleicht er mit der Lagerung von Atommüll.

"Irgendwo rächt sich die Sünde der Väter an den Kindern und Kindeskindern. Und das ist schlicht und einfach eine Politik, die man unverantwortlich nennen kann, nichts anderes."

Herbstzeit in der Altmark. Die Region liegt im Norden von Sachsen-Anhalt. Im Westen verschwindet gerade die glutrote Sonne hinter einem abgeernteten Rübenfeld, taucht das flache Land in ein blass-blaues Licht. Am Abendhimmel fliegen schnat-ternd Wildgänse Richtung Süden. Die sind auf der Suche nach einem sicheren Rastplatz, sagt Rolf Zeissig und schaut den Vögeln hinterher. Dann wandert sein Blick skeptisch nach unten.

Unter seinen Füßen in 3.600 Metern Tiefe liegt eine der größten Erdgaslagerstätten Westeuropas. Seit 40 Jahren gewinnen die Menschen den Rohstoff aus der Altmark, erzählt Zeissig. Doch das riesige Feld ist nahezu erschöpft. Darum will das Unternehmen Gaz de France den Klimakiller CO2 in die Lagerstätte pressen, um auch den Rest aus den porösen Gesteinsschichten zu quetschen. Rolf Zeissig schüttelt skeptisch den Kopf.

Der 68-jährige Pensionär ist Altmärker aus Überzeugung. Vor acht Jahren hat er Kiel verlassen und ist in Nähe der Baumkuchenstadt Salzwedel gezogen. Maxdorf, das ist für ihn Idylle pur. Fachwerkhäuser umrahmen den Anger der Gemeinde und die alte Kirche aus Stein. In Maxdorf möchte Rolf Zeissig seinen Lebensabend verbringen.

Doch die Idylle hat jetzt einen Knacks bekommen. Der Klimakiller soll nur ein paar 100 Meter von seiner Haustür entfernt in die Erde gepresst werden. Doch was passiert, wenn es zu einem ungewollten Ausbruch kommt, fragt sich Rolf Zeissig. Wer CO2 einatmete, kann daran ersticken.

"Wenn es in der Verpressungsstation passiert - und bei ungünstiger Wetterlage könnte es passieren, dass das sechs bis zehn Meter tiefer gelagerte Maxdorf, etwa 400 bis 600 Meter entfernt, könnte davon betroffen werden. Und wie schnell wird man davon informiert, falls es mal dazu kommen sollte."

Im Moment hat Rolf Zeissig noch mehr Fragen als Antworten. Wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Clausthal-Zellerfeld besagen, dass sich das reaktionsarme Kohlendioxid gut für die Verpressung eigne. Bis zu 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas könnten zusätzlich gewonnen werden. Kein Pappenstiel, doch die Lagerung von CO2 sei bislang noch nie wissenschaftlich untersucht worden, gibt Zeissig zu Bedenken.

Viele Leute aus den Deponiedörfern Maxdorf, Mahlsdorf, Altensalzwedel und Saalfeld fühlen sich seitdem wie Kandidaten in einem Versuchslabor. So auch die 36-jährige Mona Kern, Mutter von vier Kindern. Sie lehnt die Pläne der Energieriesen Vattenfall und Gaz de France ab.

"Wir leben ja schon mit Folgeschäden durch die Förderungen, wie zum Beispiel Quecksilber. Es gibt viele Geschädigte, viele Krebskranke hier in der Region. Ich möchte mich jetzt nicht aufgrund irgendwelcher Energieriesen hier vertreiben lassen oder weil das Land jetzt denkt, man kann uns hier - in Anführungsstrichen - als Müllhalde denunzieren. Ich möchte hier bleiben. Hier bin ich geboren, hier fühle ich mich wohl, und ich möchte, dass meine Kinder auch hierbleiben und die Kindeskinder."

Ganz ähnlich sieht es Wilfried Benecke. Der selbstständige Sanitärheizungsbauer lebt mit seiner sechsköpfigen Familie in Saalfeld. Auch wenn es bislang keine Bürgerinitiative gebe, die Ängste in der Bevölkerung nähmen zu. Ein Grund mag die unzureichende Information durch den Landkreis sein. Auf Veranstaltungen wurde ich vom Ortsbürgermeister einfach abgewatscht, ärgert sich Mona Kern. Auch der frühere Landrat habe nur bedingt Verständnis für unsere Sorgen gezeigt, erinnert sich Wilfried Benecke.

"Auf einer Versammlung sagte der Landrat, es sind schon immer Bürger weggezogen und zugezogen. Und wem das nicht passt, der muss eben wegziehen."

Kreistagsmitglied Hans-Joachim Spohn möchte die Worte des früheren SPD-Landrats lieber nicht kommentieren. Seit 100 Tagen ist sein Parteikollege Michael Ziche im Amt. Doch dürfe die westliche Altmark mit ihren gut 90.000 Einwohnern durch die CO2-Verpressung nicht an Lebensqualität einbüßen.

"Wir haben hier eine Region mit relativ geringer Beschäftigung. Wir haben hier eine Region, die sich sehr reduziert, und wir haben eine Region, die auch von der Alterstruktur her dringend jungen Menschen benötigt. Wir brauchen wieder einen Motivationsschub zur Ansieldung und nicht zur Aussiedlung."

Auch dem CDU-Politiker reichen die Informationen zum Thema Sicherheit nicht aus. Er will die geplante CO2-Lagerung erneut im Kreistag ansprechen. Ob zum Beispiel die verfüllten Bohrlöcher alle dicht seien, will Spohn wissen. Oder ob sich das Grundwasser mit dem verpresste CO2 vermischen kann und dadurch versäuere. Und was passiert im Falle einer Havarie. Und noch etwas brennt dem CDU-Politiker unter den Nägeln.

"Wir leisten hier in dieser Region einen umweltpolitischen Beitrag in einer Größenordnung, die auch honoriert werden sollte. Denn die Erlöse bleiben durch das Emissionsrecht in Brandenburg. Und sie bleiben auch beim Erdgasbetrieb mit Sitz in Lingen, Niedersachsen. Das heißt die Steuereinnahmen gehen uns hier in der Region verloren."

Der neue Landrat Michael Ziche erwartet darum von den beiden Energieriesen Vattenfall und Gaz des France finanzielle Unterstützung. Firmengelder sollen in die Infrastruktur oder in die Kulturförderung der westlichen Altmark fließen. Eine Entlastungsstraße wird gerade gebaut, damit die Lastwagen das flüssige CO2 nicht direkt durch Mahlsdorf kutschieren. In einem Forderungskatalog an das Land hat der der Landrat alle fragwürdigen Punkte aufgelistet. Doch im Endeffekt muss sich Michael Ziche auf das Urteil der Landesbehörde verlassen. Und das werde hoffentlich nicht zum Nachteil der Altmark sein.

"Ich kann nicht ausschließen, dass da auch so ein gewisser Imageschaden entsteht. Wir können hier also nicht als Standort dargestellt werden, der dann vielleicht nur für die CO2 Verpressung geeignet ist, und eine weitere Entwicklung findet dann hier nicht statt. Das darf auf keinen Fall passieren."

Zurück im Pilotkraftwerk Schwarze Pumpe. Das 30-Megawatt-Kraftwerk soll im Dau-erbetrieb Braunkohle verbrennen, Dampf erzeugen und dabei nicht das CO2 durch den Schornstein pusten, sondern abspalten und auffangen. In zwei großen Stahl-tanks auf dem Kraftwerksgelände wird das flüssige Kohlendioxid zwischengelagert.

"Wir haben es zumindest geschafft nachzuweisen, dass all das, was wir vorhatten, funktioniert. Wir haben das CO2 abgeschieden, das hat alles funktioniert, und jetzt zurzeit sind wir dabei, die Anlage zu stabilisieren, also den kompletten Anlagebetrieb so zu stabilisieren, dass man damit ein Großkraftwerk betreiben kann."

Der Wirtschaftsingenieur Daniel Kosel arbeitet seit dreieinhalb Jahren bei Vattenfall. Am Revers seines Jacketts trägt er einen silbernen Anstecker mit dem Firmenlogo. Er identifiziert sich voll und ganz mit seinem Arbeitgeber. "Ich bin stolz auf unsere Arbeit hier", sagt der stämmige 30-jährige.

"Man muss einfach mal sehen, dass es weltweit um die Kohle keinen Umweg geben wird in den nächsten 40, 50 Jahren. Das lässt sich einfach nicht vermeiden, dass man Kohle nutzt. Wenn man dann wirklich etwas gegen den Klimawandel tun will, dann gibt es nur eine Chance: Wir müssen die Kohle klimafreundlich machen. Alles andere führt in die Sackgasse, und wir arbeiten hier ziemlich hart dran, das hinzukriegen."

Vor wenigen Tagen hat ein brandenburg-weites Volksbegehren gegen neue Braunkohletagebaue begonnen. Die Initiatoren wollen in den nächsten vier Monaten 80.000 Unterschriften sammeln. Ihr Ziel ist ein sozialverträglicher Ausstieg aus der Braunkohleförderung und -verstromung. Die laufenden Tagebaue in der Lausitz sollen zu Ende geführt, aber keine neuen erschlossen werden. Daniel Kosel fürchtet um seinen Job, sollte das Volksbegehren Erfolg haben. Er und seine Kollegen sammeln im kleinen Forschungskraftwerk Schwarze Pumpe Erfahrungen für ein größeres, kommerzielles Kraftwerk. Es soll ebenfalls in der Lausitz gebaut werden, in Jänschwalde. Vattenfall hat sich das Ziel gesetzt, seinen CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 zu halbieren.

"Man sagt ja immer, das ist ein Feigenblatt, dass sich die Energieversorger nur ein Feigenblatt vorhalten und so tun, als würden sie etwas tun, aber das kann eigentlich nicht sein. Denn kein Unternehmen gibt 70 Millionen Euro aus, um damit nur ein Feigenblatt vor sich zu halten. Das ist eine Investition, die hier getätigt wurde, um in die Zukunft von Vattenfall zu investieren."

Gut viereinhalb Autostunden von Schwarze Pumpe entfernt befindet sich in der westichen Altmark die Pilotanlage für die Verpressung des Kohlendioxids. Das Werk steht mitten zwischen Maxdorf und Mahlsdorf. Noch müssen Stahlträger zusammengeschweißt und Sonden verlegt werden. Technologieleiter Heinz Wendel hofft, dass Ende März die ersten Lastwagen mit dem flüssigen CO2 angerollt kommen. Auch wenn das Landesamt für Geologie und Bergwesen noch viele Sicherheitsfragen hat.

Heinz Wendel betont, dass es dem französischem Unternehmen Gaz de France in erster Linie um die zusätzliche Gewinnung von Erdgas geht, nicht um die Endlagerung von CO2. Für das Pilotprojekt habe man die 24 Quadratkilometer große Sublagerstätte Altensalzwedel ausgewählt.

"Weil wir sehr genaue Erkenntnisse und Daten darüber haben, dass es sich wirklich um ein separates, abgetrenntes Teilfeld handelt, das mit den übrigen Blöcken der großen Erdgaslagerstätte nicht in Verbindung steht. Das haben wir deshalb getan, um mit den vergleichsweise wenigen Tonnen CO2, die im Verlaufe des Pilotversuches injiziert werden sollen, die Effekte, die wir untersuchen wollen, auch wirklich nachweisen zu können."

Innerhalb von drei Jahren sollen 100.000 Tonnen Kohlendioxid in die Lagerstätte gepresst werden. Die Druckverhältnisse werden sich nicht großartig ändern, beschwichtigt Heinz Wendel. Theoretisch könnten dort 19 Millionen Tonnen CO2 gelagert werden. Die Lagerstätte in der Altmark eigne sich deshalb so gut, weil mehrere 100 Meter dicke Salzschichten über dem eigentlichen Gasfeld liegen. Ein idealer Pfropfen, sagt Wendel.

Im Fall einer Havarie könnten auf der Testanlage ad hoc 600 Kubikmeter CO2 freigesetzt werden. "Wir lassen darum gerade ein unabhängiges Gutachten erstellen, das etwas zu der Ausbreitung des Gases sagen kann", sagt Wendel. Um Ängste abzubauen, will Gaz de France Anfang Dezember eine Ausstellung in Salzwedel zeigen, die Schritt für Schritt das neuartige Verfahren erklärt.

"Wir können unsererseits versichern, dass wir nichts, aber auch gar nichts, unternehmen werden, was in irgendeiner Form sicherheitsrelevant fragwürdig wäre. Wir werden den Pilotversuch so durchführen, dass dabei nichts passieren kann."

Die Wildgänse haben inzwischen einen Schlafplatz auf einem Acker unweit von Maxdorf gefunden. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, möchte der schwedische Energiekonzern Vattenfall dort noch viele Millionen Tonnen Kohlendioxid in das Erdreich pumpen. Die gesamte Lagerstätte aber fasst höchstens die CO2-Emission von anderthalb Kohlekraftwerken. Die Altmark wird das Weltklima darum nicht retten können.

Länderreport

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur