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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 17.10.2019

Der Tag mit Ulrike Guérot und Wolfgang Thierse Europa im Wandel

Moderation: Korbinian Frenzel

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Gegeneinander oder einander zugeneigt? Wofgang Thierse und Ulrike Guérot in der Diskussion. (Deutschlandradio/ David Kohlruss)
Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot sprechen heute über Europa. (Deutschlandradio/ David Kohlruss)

Auch wenn die EU gerade eher geschwächt scheint, setzt die Politologin Ulrike Guérot auf die Entwicklung einer europäischen Nation. Unser zweiter Gast auf der Buchmesse, der SPD-Politiker Wolfgang Thierse, ist da eher skeptisch.

Der Arbeitsalltag der EU ist gerade eher ernüchternd. Das Dauerthema Brexit hält Brüssel weiter in Atem. Auch der Start der neuen Kommission unter Ursula von der Leyen ist um einen Monat auf den 1. Dezember verschoben, weil die Spitze des EU-Parlaments drei designierte Kommissare abgelehnt hat und nun Ersatzkandidaten gesucht werden müssen.

Die Zukunft der EU  

Dennoch glaubt die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot, dass der europäische Integrationsprozess längst ein Prozess des Nation-Buildings und der europäischen Vergesellschaftung ist. Ihr neues Buch "Was ist die Nation?" ist dieser Frage gewidmet. Bis 2050 könnten die europäischen Nationalstaaten zugunsten einer europäischen Nation verschwinden, ist eine von Guérots Thesen. "Ich war gestern in Brüssel und kann berichten, dass sie sich tatsächlich zunehmender Beliebtheit erfreut", sagt Guérot über das Interesse an ihrer Utopie einer Europäischen Republik. Sie habe im Europäischen Parlament mit  dem Präsidenten des EU-Ausschusses der Regionen, Karl-Heinz Lambertz, diskutiert, der ihr mehrere Steilvorlagen geboten habe.  

"Ich bin da etwas skeptischer", sagt der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), der neben der Politologin unser zweiter Gast in der Mittagssendung auf der Buchmesse gewesen ist. "Selbst wenn man den Wunsch teilt, ist der Weg dahin noch sehr weit." Er frage sich auch, ob es überhaupt nötig sei, dass die Nationen überwunden würden. Es komme darauf an, was man darunter verstehe und ob Europa nicht gerade von seiner Verschiedenheit  lebe, zu der nunmal auch nationale und kulturelle Eigenheiten dazu gehörten.

(gem)

Ulrike Guérot ist Politikwissenschaftlerin und Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems. Sie hat zudem den Thinktank "European Democracy Lab" in Berlin gegründet und leitet ihn. Sie hat mehrere Bücher über Europa verfasst. Zur Buchmesse erscheint das neue Werk "Was ist die Nation?" 

Wolfgang Thierse arbeitete beim DDR-Kultusministerium der DDR, bis er wegen Protests gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus dem Staatsdienst entlassen wurde. 1989 engagierte er sich im Neuen Forum, wurde dann Mitglied der SPD der DDR und noch im selben Jahr Abgeordneter der Volkskammer und Vorsitzender der SPD-Fraktion. Von 1998 bis 2005 war er Bundestagspräsident.                                   

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