Seit 05:05 Uhr Studio 9

Mittwoch, 21.11.2018
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 22.05.2008

Der Star des Schlittschuhklubs

Vor hundert Jahren wurde die Eishockey-Legende Gustav Jaenecke in Berlin geboren

Von Eduard Hoffmann

Gustav Jaenecke im Jahr 1941 (Archiv Heinrich Jaenecke)
Gustav Jaenecke im Jahr 1941 (Archiv Heinrich Jaenecke)

Mit ihm gelangte der Eishockeysport in Deutschland während der 1920er und 30er Jahre zu einer ungeahnten Popularität: Gustav Jaenecke spielte im legendären Team des Berliner Schlittschuhklubs. "Justav" - wie der Ausnahmesportler liebevoll genannt wurde - machte nicht nur auf dem Eis eine gute Figur. Er war beim Tanz mondäner Bälle genauso zu Hause wie in der Kneipe von nebenan.

"Jaenecke spielt zu Bethmann, Bethmann zu Jaenecke, Jaenecke stürmt vor, allein …, Schuss, Tor, 2:0, ein wundervoller Angriff der deutschen Verteidigung …"

Olympische Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen. Die deutsche Eishockeyauswahl siegte 2:1 gegen Ungarn, erreichte am Ende aber nur den fünften Platz. Überragender Spieler ist einmal mehr Gustav Jaenecke vom Berliner Schlittschuhclub, kurz BSC. Der Charlottenburger Geschäftsmann galt damals als bester Eishockeyspieler Europas. Selbst mit den Weltklasse-Cracks aus Kanada könne er mithalten, behaupteten viele.

Am 22. Mai 1908 wurde Gustav Jaenecke in Berlin geboren. Mutter Anna war die Tochter und alleinige Erbin des berühmten Berliner Hofschuhmachermeisters Wilhelm Breitsprecher. Der Vater, ein gelernter Bankkaufmann, übernahm die Maßschuhfirma des Schwiegervaters.

"Gustav Jaenecke wuchs in einem großen Wohlstand, in einer großen Behaglichkeit auf. Er war das Nesthäkchen, das heißt das letzte von vier Kindern. Und in allem, was er tat, hatte er immer die Rückendeckung seiner Eltern. Und das erklärt auch, dass er in seiner Eishockeykarriere so unglaublich selbstsicher, dabei aber auch bescheiden war. Also, er war da so eine Art Götterliebling, dem auch alles gelang, was er anpackte","

erklärt der Jaenecke-Biograf Sven Crefeld. Gustav schwamm gern, spielte Fußball und natürlich Eishockey. Er war aber auch ein ausgezeichneter Tennisspieler. Fünfmal stand er im deutschen Daviscup-Team und wurde 1932 sogar Deutscher Einzelmeister.

Mit knapp vier Jahren hatte er seine ersten Schlittschuhe geschenkt bekommen. Schon nach einer Stunde auf den Kufen soll das Eislauftalent seiner älteren Schwester davon gefahren sein. Eishockey spielen lernte der Gymnasiast dann im noblen Berliner Schlittschuhclub.

Anfang 1927 gelang der sportliche Durchbruch. Mit dem deutschen Nationalteam gewann der dribbelstarke Stürmer bei der Europameisterschaft die Bronzemedaille und wurde Torschützenkönig des Turniers. Sven Crefeld:

""Er hat vorher schon in Davos und in Wien auf sich aufmerksam machen können, als er wirklich großen Eindruck machte als ein kräftiger, gewandter, schneller, Stürmer, der einen sehr harten Schuss hat. Also, er galt innerhalb von wenigen Monaten schon als der beste deutsche Spieler."

Ein Erfolg jagte den anderen, sowohl mit der Nationalmannschaft als auch mit dem berühmten BSC, der bis zum zweiten Weltkrieg die Eishockeymannschaft Deutschlands schlechthin war. Gustav Jaenecke erinnerte sich später:

"Wir haben ja von Montag bis Donnerstag trainiert, im Sportpalast. Die Trainingszeiten waren von acht bis viertel nach neun. Und wir haben eine Kondition gehabt, wie sie besser nicht sein konnte. Wenn wir Auswärtsspiele hatten, sind wir mit dem Schlafwagen zurückgekommen, die Sonntagsspiele waren gewöhnlich nachmittags, so dass wir um sieben ungefähr am Anhalter-Bahnhof ankamen, dann schnell frühstücken gegangen sind und dann in unsere Betriebe abgeschwirrt. Es war sehr hart, aber es war so wohl richtig."

Als im Berliner Sportpalast 1925 wieder eine Kunsteisbahn eingerichtet wurde, erfuhr der Eishockeysport einen wahren Boom. Der charmante und weltoffene Jaenecke war schon bald ein großes Idol und ein Frauenschwarm. "Tennisbaron" Gottfried von Cramm zählte genauso zu seinen Freunden wie der Boxer Max Schmeling.

Die nationalsozialistischen Machthaber vereinnahmten den Eishockeystar und benutzten ihn für ihre Propaganda. Biograf Sven Crefeld schildert Jaenecke als Mitläufer, der sich mit dem Regime arrangierte, nicht zuletzt, um seine Sportkarriere fortsetzen zu können. Allerdings:

"Er hat sich sehr für seinen Kameraden Rudi Ball eingesetzt, der als Halbjude eingestuft wurde und 1936 nicht bei den Olympischen Spielen starten sollte. Dort hat Jaenecke, das ist verbürgt, sich für Rudi Ball so stark eingesetzt, dass dieser letztendlich spielen durfte. Jaenecke drohte damit, selber nicht anzutreten. Daraufhin haben die Mannschaftsfunktionäre beschlossen, Ball antreten zu lassen."

Nach dem Krieg ging Jaenecke nach Garmisch-Partenkirchen, wo er noch bis 1950 beim SC Riessersee spielte. Zahlreiche nationale und internationale Titel hat die Eishockey-Legende gesammelt: zwölfmal Deutscher Meister, zweimal Europameister, Vizeweltmeister und drei Olympiateilnahmen mit einer Bronzemedaille 1932 in Lake Placid.

Nach dem Ende der sportlichen Karriere wurde Jaenecke Spielbankdirektor in Bad Neuenahr und 1975 Hauptgesellschafter der Berliner Spielbank, die noch heute seinen Namen trägt. 1985 verstarb Gustav Jaenecke 77-jährig in Bonn.

Kalenderblatt

Flugpionier August Euler "Man hatte Freude an der Gefahr"
SW-Foto von August Eulers Doppeldecker (um 1910). (Picture Alliance / dpa)

August Euler war der erste Deutsche, dem ein offiziell anerkannter Motorflug gelang. Das war 1909 – seitdem entwickelte und testete er mehr als 40 Flugzeugtypen. Seine Leidenschaft beschrieb er im Rückblick so: "Wir haben jetzt mit der Luft zu tun! Die werden wir erobern."Mehr

Gioachino RossiniKomponist mit enormem Arbeitstempo
Gioachino Rossini (1792-1868) (imago/Leemage)

Gioachino Rossini gilt als einer der erfolgreichsten Komponisten der Musikgeschichte. Sein bekanntestes Werk, der "Barbiere di Sevilla", war schon fünf Jahre nach seiner Uraufführung mehr als 1.000 Mal aufgeführt worden. Er starb vor 150 Jahren in Paris.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur