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Tonart | Beitrag vom 16.11.2020

Der Pop und die DrogenVon Charlie Parker bis Cloud Rap

Melanie Ptatscheck im Gespräch mit Oliver Schwesig

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Charlie Parker bei einem Auftritt mit Max Roach und Tommy Potter. (Getty Images / Redferns / William Gottlieb)
Ausgeprägter Drogenkonsum: Charlie Parker bei einem Auftritt mit Max Roach und Tommy Potter um 1940 (Getty Images / Redferns / William Gottlieb)

Viele Musikerbiografien scheinen geradezu zwingend mit dem Drogenkonsum verbunden zu sein. Die Kulturwissenschaftlerin Melanie Ptatscheck hat in den Biografien heroinabhängiger Künstler nach Gründen dafür geforscht.

Getreu dem Motto "Sex & Drugs & Rock'n'Roll" scheint der Konsum von Drogen geradezu prototypisch zum Lifestyle vieler Musiker und Musikerinnen zu gehören.

In ihrer Dissertation "Sucht & Selbstkonzepte" (hier eine Leseprobe als PDF) rekonstruiert Melanie Ptatscheck, Gastprofessorin an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, die Lebensgeschichten heroinabhängiger Musiker und versucht dabei, musikspezifischen Suchtfaktoren auf die Spur zu kommen.

Immenses Talent, erheblicher Drogenkonsum

Ptatscheck verweist zunächst auf den Jazzmusiker Charlie Parker, der nicht nur durch sein herausragendes Talent als Saxophonist, sondern auch durch seinen ausgeprägten Drogenkonsum auffiel und andere damit ansteckte.

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"Was als Fan-Verehrung begonnen hatte, war Ende der 1940er Jahre zu einem regelrechten Kult geworden: Neben den revolutionären Auswirkungen, die Parker auf die Jazzmusik hatte, baute er noch ein weiteres Image auf, nämlich das des heroinabhängigen Jazzmusikers", stellt Ptatscheck fest.

Gefährliche Attraktion von Heroin als Schmerzmittel

"Heroin war für mich deswegen so spannend, weil mich insbesondere die Wirkung interessiert hat", sagt Ptatscheck. Sie selbst sei als Musikerin bisweilen von panikartigen Bühnenängsten geplagt gewesen: "Ich habe mich gefragt, was würde mir denn helfen?" Heroin sei ein Schmerzmittel, mit dem sich Ängste wegschieben ließen.

Im Rap seien Drogen dauerpräsent. "Wenn wir heute beispielsweise in den amerikanischen Rap schauen, Cloud Rap, Trap – da ist vielleicht nicht mehr Heroin die Droge, aber andere Formen wie Fentanyl, Xanac, Codein", so Ptatscheck.

In Musikvideos würden Spritzen offen gezeigt, und das Ritual des Drogenkonsums werde zur Schau gestellt.

(huc)

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