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Fazit | Beitrag vom 23.11.2019

Der Palast von LoméWie ein Kolonialbau zum Ort des Aufbruchs wird

Werner Bloch im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Der Palast von Lomé (Louis Vincent / palaisdelome.com)
Der Palast von Lomé: links der Turm nach deutscher, rechts jener nach orientalischer Bauweise. (Louis Vincent / palaisdelome.com)

Der Palast von Lomé, frühere Residenz des deutschen Gouverneurs in Togo, wird zum Kulturzentrum. Dort finden nun Ausstellungen statt, in denen afrikanisches Design, aktuelle Kunst und viel über die traditionellen Häuptlinge der Region gezeigt wird.

Wie aus einem kolonialen Bauwerk ein Ort des Aufbruchs wird, kann man in Togo beobachten. Der westafrikanische Staat war zwischen 1884 und 1916 eine deutsche Kolonie. Dabei nahm Togo eine Sonderstellung ein: Es sollte eine "Musterkolonie" werden - mit relativ guter schulischer Ausbildung für die Einwohner und einem akzeptablen Gesundheitswesen. Doch davon war Togo weit entfernt.

Im sogenannten Palast von Lomé residierte der Gouverneur dieser deutschen Kolonie. Der Palast war der größte und imposanteste im ganzen deutschen Kolonialreich. Nur 150 Meter vom Meer entfernt, sollte er auch eine Außenwirkung erzielen, die den deutschen Machtanspruch unterstrich. Die Besatzungen vorbeifahrender Schiffe unter französischer und englischer Flagge sollten beim Anblick dieses Prachtbaus ins Staunen geraten.

Und in der Tat hat der Palast etwas Märchenhaftes, wie Werner Bloch, der auf Einladung des Goethe-Instituts in Togo ist, berichtet. Besonders auffallend sind zwei völlig unterschiedliche Türme, die das Schloss zieren, davon erinnert der eine eher an die Architektur einer klassischen deutschen Burg und der andere eher an eine orientalische Bauweise.

Bis vor Kurzem noch eine Ruine

Mit diesem architektonischen Mix habe man eine Vermittlerrolle zwischen Ost und West und den verschiedenen Religionen anzeigen wollen, berichtet Bloch. Zudem wird der Palast von einem 14 Hektar großen Park umgeben.  

Bis vor ein paar Jahren war dieser Gouverneurssitz eine Ruine. 1993 wurde er bis zur Unkenntlichkeit zerstört, nachdem sich der amtierende Premier vor dem Militär dorthin geflüchtet hatte. Es musste also sehr viel Aufbauarbeit geleistet werden, ehe die ehemalige Residenz zu einem Kulturzentrum umgewandelt werden konnte. 

Nun finden im Palast verschiedene Ausstellungen statt, in denen afrikanisches Design, aktuelle Kunst und viel über die traditionellen Häuptlinge der Region gezeigt wird. 

Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit

Der togolesische Künstler Sokey Edorh habe diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart mit seiner ausgestellten Arbeit besonders gut auf den Punkt gebracht, sagt Bloch. Sein Werk zeigt eine bemalte Wand aus 40 bis 50 Vasen. In Togo und Teilen Westafrikas sei der Glaube verbreitet, ein Häuptling könne seinen Geist in solchen Vasen aufbewahren, berichtet Bloch:

"Worum es dem Künstler eigentlich geht: Dass diese verschiedenen Geister von den verschiedenen Häuptlingen zusammenkommen und dass das die Lösung für Afrika wäre, wenn sich die Menschen und auch ihre Geister einfach vereinigen würden, um dann aus der Mühsal, in der sich Afrika befindet, herauszukommen."

Erstaunlich positives Deutschlandbild

Trotz der Kolonialgeschichte gebe es erstaunlich viel Lob für die Deutschen, berichtet Bloch. Ihm hätten mehrere gesagt: "Die Deutschen hätten länger bleiben sollen, dann ginge es uns besser - auch wegen der technischen Leistungen: Brücken und Eisenbahnen. Da besteht ein gewisser Respekt. Andererseits erinnert man sich auch an die drakonischen Strafen."

In Togo wie in vielen Ländern Westafrikas ist eine Aufbruchsstimmung zu spüren, wie Bloch berichtet. Das neu eröffnete Kunstzentrum soll auch Touristen in die Hauptstadt locken.

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