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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.05.2017

Der Maler und sein berühmter SchülerWürdigung eines Übergangenen

Arno Rink und Neo Rauch im Gespräch mit Vladimir Balzer

Arno Rink Atelier II, 2011 Öl auf Leinwand 180 x 140 cm Foto Uwe Walter, Berlin courtesy Galerie Schwind, Leipzig, Frankfurt, Berlin VG Bild-Kunst, Bonn 2017 (Uwe Walter / Galerie Schwind Leipzig / VG Bild-Kunst)
Arno Rink: Atelier II, 2001, Öl auf Leinwand (Uwe Walter / Galerie Schwind Leipzig / VG Bild-Kunst)

Als Maler und Professor hatte Arno Rink die Neue Leipziger Schule maßgeblich geprägt. Mit der Wende sank jedoch der Stern des heute an Krebs erkrankten Künstlers - zu Unrecht, findet dessen berühmtester Schüler Neo Rauch. Der verbeugt sich nun in einer gemeinsamen Ausstellung tief vor seinem Meister.

Es ist ein Treffen der Generationen: Arno Rink, geboren 1940, war als Professor und späterer Rektor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ein Wegbereiter für eine ganze Generation von Malern, und Neo Rauch, geboren 1960, der berühmteste Schüler Rinks und bedeutendster Maler der Neuen Leipziger Schule. Jetzt sind Lehrer und Schüler erstmals in einer großen Ausstellung vereint: Noch bis zum April 2018 sind Arbeiten beider Maler in der der Grafikstiftung Neo Rauch
 in Aschersleben zu sehen. 

Während Neo Rauch für die Ausstellung eigens zwei neue Bilder anfertigte, war es Rink wegen seiner Krebserkrankung nicht mehr möglich, neue Arbeiten anzufertigen. "Ich hätte gerne Zeichungen zu indischen Erlebnissen gemacht", verriet er Vladimir Balzer im Deutschlandfunk Kultur, doch fehlte ihm dazu die Kraft. Zwar suche er das Atelier in letzter Zeit wieder regelmäßiger auf. Für ihn bildet es eine Art "Lebenselixir". Doch der Zeitraum bis zur Ausstellung war für ihn zu knapp bemessen.

Der Schüler würdigt seinen Lehrer

Gezeigt werden somit vor allem Arbeiten aus den 70er und 80er Jahren. Bei der Zusammenstellung war es ihm in erster Linie um Arbeiten gegangen, die ihn "formal überzeugten", erklärte Neo Rauch im direkten Anschluss an Rink. Der Schüler verneigte sich im weiteren Verlauf des Gesprächs tief vor seinem einstigen Meister: "Arno Rink ist und bleibt ein Freund und Lehrer", sagte er. Rinks Arbeiten "entfalten einen eigentümlichen Reiz durch ihren charmanten, aber bezwingenden zeichnerischen Gestus", sagt Rauch.

Der Künstler Neo Rauch steht am 29.05.2015 in der Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben zwischen einem aktuellem farbigen Werk (l) aus seinen Händen und historischen Fotografien (r). (picture alliance / dpa / Foto: Jens Wolf)Im Gespräch: Der Künstler Neo Rauch. (picture alliance / dpa / Foto: Jens Wolf)

Dieser Gestus sei "sehr offen und ist imstande an den richtigen Stellen Bündelungen vorzunehmen. Das ist etwas, was mich an seinem Werk seit langem fasziniert und auf eigene Defizite hinweist: Dieser souveräne Umgang mit Leerstellen und Offenheit. (...) Rink ist einer von denen, die mit der Figur in ihrer ganzen umfänglichen Verfasstheit eine souveräne Setzung vorzunehmen vermögen, die aber nicht linear interpretierbar ist. Das ist das Große, was man als Maler leisten kann und muss, wenn man der Malerei gerecht werden will. Dass man Offenheiten stiftet, dass man Gefühlsrichtungen aufschließt, die bislang vielleicht noch nicht begangen wurden."

Die Ausstellung versteht Rauch als eine "Geste des Dankes", nicht zuletzt auch, da Arno Rink seiner Auffassung nach noch nicht die Beachtung gefunden habe, die ihm gebührt. Schuld daran ist schlicht biografisches Pech: Die Wende kam für Rink "zehn Jahre zu spät", so Rauch. Der damals 50-jährige DDR-Künstler sei damit zwischen die Generationen und somit aus dem Raster gefallen.

"Fünfzig Jahre, das ist ein Alter, in dem sich die West-Kollegen ihre Pfründe bereits gesichert hatten. Die Museen waren schon voll mit ihren Bildern und die Kuratoren waren längst auf ihrer Seite. ... Da gibt es etwas nachzubereiten, richtigzustellen und neu zu gewichten. Das wird die Zeit ohnehin bringen, nur wird das erst in den kommenden Jahrzehnten erfolgen, wenn wir alle schon nicht mehr auf der Erde weilen. Aber es wird auf jeden Fall passieren, es wird sich alles neu sortieren."

Arno Rink - Neo Rauch
noch bis 29. April 2018 in der Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben
weitere Informationen hier

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