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Alte Musik | Beitrag vom 26.02.2020

Der Komponist und Geiger Giuseppe Tartini Ein Pakt mit dem Teufel?

Von Yvonne Petitpierre

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Die Zeichnung zeigt einen Teufel, der dem schlafenden Tartini etwas vorgeigt. (www.imago-images.de)
Jules Boilly zeichnet 1840 an der Teufels-Tartini-Legende im "Magasin pittoresque" mit. (www.imago-images.de)

Die Macht des Teufels über die Musik beschreibt kaum eine Legende so anschaulich, wie die über Giuseppe Tartini. Seine "Teufelstrillersonate" schrieb Musikgeschichte, sein Spiel hatte Feuer und sein Leben war ein Abenteuerroman.

Giuseppe Tartini wird 1692 in einem kleinen Ort nahe Triest geboren. Die Familie will aus dem Sohn einen Priester machen. Und so geht er nach Padua an die berühmte Universität, um zu studieren. In Padua lässt er sich auf ein erstes Abenteuer ein: Er gibt vor, eine junge Schülerin weit unter seinem Stand ehelichen zu wollen. Das bringt ihm eine Klage des Erzbischofs ein, er flieht und versteckt sich jahrlang in einem Kloster. Im Schoß der Kirche entwickelt er sich zum "Teufelsgeiger".

Zeit für Perfektion

Tartini übt drei Jahre wie besessen, er hat Zeit, Muse und Lust, mit dem Geigenspiel seine Umgebung mit verrückten, ja eigentlich unmöglichen Passagen zu reizen, zu provozieren. Er erreicht eine ungekannte Perfektion. Schließlich wird er vom Kardinal begnadigt. Inzwischen hat er auch viele theoretische Musikabhandlungen verfasst, die ihm viel Aufmerksamkeit bescheren.

Blick auf die Statue des Geigers, dessen Geigenbogen zu einer Kirche im Hintergrund weist. (imago images / CHROMORANGE)Giuseppes Denkmal in Piran (Slowenische Rivera) zeigt ihn ohne Teufel, aber mit Geige. (imago images / CHROMORANGE)

So formuliert er zum Beispiel in seinem späteren "Traité des agréments de la musique" aus dem Jahr 1771, dass die Musik nicht in einem "einfachen sinnlichen Vergnügen, sondern dem Erregen, Steigern oder Stillen von Affekten durch Töne" bestehe. Auch teilt er seine Überlegungen zur Verbesserung der Bogenführung und Verzierungskunst mit. Einer der wichtigsten Violinpädagogen der Zeit, Leopold Mozart wird diese in seiner berühmten Violinschule berücksichtigen.

Darüber hinaus findet Tartinis Beobachtung über das Phänomen der Kombinationstöne, festgehalten im "Trattato di musica", noch Jahrzehnte später Eingang in die Harmonielehre von Hugo Riemann.

Kirchenlaufbahn an den Nagel gehängt

Sein Lebensweg widmet er ausschließlich der Musik. In späten Jahren gründet er in Padua eine Schule, die Anziehungspunkt für die junge Künstlergeneration wird. Tartini hat für seine Konzertreisen viele Werke komponiert, vor allem eben für die Violine. Tartini selbst schuf die Legende, der Teufel habe ihm persönlich seine berühmte "Teufelstrillersonate" eingeflüstert.

Und noch Generationen später urteilt man voller Bewunderung über sein Schaffen: "Seine Sonaten sind meist in ziemlich knappen Formen gehalten und ihr großer harmonischer Reichtum, der sich oft in erstaunlichen Wendungen, ja geradezu kapriziösen Einfällen kundgibt", so die Meinung von Josef Moser, musikalischer Assistenten des Brahms-Freundes und Stargeigers des 19. Jahrhunderts Joseph Joachim.

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