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Tonart | Beitrag vom 10.11.2020

"Der Klassik-Kanon"Leichter Einstieg in die klassische Musik

Joachim Mischke im Gespräch mit Mascha Drost

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Autor Joachim Mischke (picture alliance / dpa)
Joachim Mischke ist seit 25 Jahren Musikkritiker. Jetzt hat er einen "Klassik-Kanon" für alle verfasst. (picture alliance / dpa)

Neulinge tun sich oft schwer mit Klassischer Musik. Zu hoch scheinen die Erwartungen an das Vorwissen zu sein. Zu elitär wirkt oft das Publikum. Dass das nicht so sein muss, beweist der Musikjournalist Joachim Mischke mit seinem "Klassik-Kanon".

Wer gerne einen Einstieg in Klassische Musik finden will, hat es eigentlich nicht schwer. In den meisten Buchhandlungen sind reichlich Musikführer zu genau diesem Thema zu finden. Der Haken dabei: Viele Autorinnen und Autoren halten den interessierten Laien oft für einen kompletten Hinterwäldler, den man auf keinen Fall überfordern darf und der ohne Klamauk überhaupt nicht dranbleibt. Dabei muss das gar nicht so sein.

"Der Klassik-Kanon" des Musikwissenschaftlers und "Hamburger Abendblatt"-Redakteurs Joachim Mischke stellt schon im Vorwort klar, was er will: Appetit wecken, einordnen, Genies vorstellen und gute Geschichten erzählen. Und das tut er fundiert und leichtfüßig zugleich – obwohl Legenden Dvořák und Prokofjew ausgelassen wurden.

Kein Platz für Dvořák

Dies sei passiert, weil er unbedingt vermeiden wollte, lexikalisch zu werden, sagt Mischke. Also hat er sich auf 44 Komponistinnen und Komponisten beschränkt:

"Das war eine sehr charmante Aufgabe. Denn zehn wären zu wenig, 300 wären zu viel. Ich wollte einfach mal schauen – und auch mit mir ringen – wer kommt rein, wer kommt raus? Und dann habe ich bei Dvořák oder Janáček für Janáček entschieden, weil ich finde, dass er es verdient hat. Dvořák hätte es auch verdient, aber ist wahrscheinlich noch einen Tick bekannter als Janáček."

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Ein bisschen habe sich Mischke dabei auch an dem Branchen-Spruch "viel schreiben kann jeder" orientiert und sich auf fünf Seiten pro Musikerin und Musiker beschränkt. Bei der Auswahl wer reinkommt und wer nicht, habe er sich von seinem Vierteljahrhundert Erfahrung als Kritiker leiten lassen:

"Ich sitze jetzt seit 25 Jahren in Konzerten rum – meistens sehr erfreut in den letzten Jahren in der Elbphilharmonie. Und dann kommt einem auch wirklich viel vor den Block. Das spiegelt sich dann wieder in der Auswahl der Aspekte bei den jeweiligen Komponisten. Was habe ich womöglich schon mal gehört was ich ganz, ganz toll finde? Und so entstand das."

Die Hürden sind nur imaginär

Das Buch sei dabei für alle gefacht, die sich mit dem Thema befassen wollen. Durch die kurzen Texte hätten Anfänger kein Problem, in das Thema reinzukommen und die Leserinnen und Leser, die schon Vorwissen mitbringen, würden sich freuen, weil sie Vieles wiederfinden, aber auch Neues lernen.

Dabei ist Mischke sich sicher, dass die hohen Einstiegshürden, von denen bei der Klassik immer die Rede ist, so gar nicht existieren:

"Wenn ich in Konzerten oder Opernvorstellungen sitze, dann sind nicht nur Eliten dar. Ich glaube nicht, dass dieses Problem da ist. Das wird nur immer wieder herbeigeredet. Dann heißt es alle drei Jahre: 'Um Himmels Willen, der Silbersee, die ganzen alten Zuschauer im Saal und in zwei Wochen spätestens sind sie alle weggestorben.' Trotzdem sind die Konzerte voll."

Auch in Mischkes Buch selbst sind die Hürden niedrig gehalten: "Dieses Buches ist nicht so angelegt, dass ich jetzt durchanalysiere, wo das zweite Thema in der Durchführung hin ist und wieso ist dieser Akkord da nicht drei Takte später in der Form kommt. Das kann man gerne woanders nachschlagen. Darum geht es hier nicht."

Joachim Mischke, Lucia Götz (Illustrator): "Der Klassik-Kanon"
Hoffmann und Campe 2020
288 Seiten, 25 Euro

(hte)

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