Der Kastrat Venanzio Rauzzini

    Angehimmelt von Mozart und Haydn

    29:54 Minuten
    Ein Sänger mit Perücke, Maske und Rokoko-Mantel steht im Freien und singt.
    Kastraten waren die Superstars unter dem Opernpersonal. © imago / Enters
    Von Richard Schroetter · 27.10.2021
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    Mozart schwärmte von Rauzzinis Stimme, als er in seiner Jugendoper "Lucio Silla" sag. Als der Sänger in England auf Haydn traf, wurden sie Freunde. Haydns skurrilste Widmung: eine Hymne für Rauzzinis verstorbenen Hund "Turk was a faithful dog and not a man".
    Er war der berühmteste Kastrat seiner Zeit: Der Sänger, Komponist und Gesangspädagoge Venanzio Rauzzini aus den italienischen Marken. Die Liste seiner Verehrer ist groß. Nicht nur Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Johann Adolph Hasse und Niccolò Piccinni bewunderten ihn.
    1772 singt er in Mozarts Mailänder Opernuraufführung "Lucio Silla" den Cecilio, den edlen Gegenspieler zum blutrünstigen, römischen Silla. Bei den Vorbereitungen der Oper nimmt der junge Mozart mehr Rücksicht auf Rauzzini als auf die Primadonna und versucht ihm, repräsentativ geläufige Melodieschlenker in die Kehle zu schreiben. Die Mozarts - Sohn wie Vater - sind begeistert. Und so wird dem Sänger gleich noch die Motette "Exultate, jubilate" komponiert und gewidmet.

    Neues Publikum in England

    Seit 1774 lebt Rauzzini in England und tritt im Theater am Haymarket auf. Einige Jahre ist er hier direkter Konkurrent des bis heute berühmten Farinelli.
    Doch nach wenigen Jahren bekommt zu spüren, dass die große Zeit der Kastraten langsam endet. Immer lauter werden die Stimmen im Publikum, die die weichen Höhen aus Männermund abstoßend finden. Rauzzini beendet seine Bühnenkarriere. Doch er etabliert sich danach als gefragter Komponist, Dirigent, Pianist und Leiter einer Gesangsschule.

    Von Tierfreund zu Tierfreund

    Josef Haydn besucht Rauzzini nach seiner Bühnenzeit im englischen Bath, wo sich der Ex-Sänger niedergelassen hat. "Er ist ein sehr guter, hospitaler Mann", heißt es da in seinem Tagebuch. Auf den gerade verstorbenen Hund "Turk" des Sängers komponiert der mitfühlende Tierfreund Haydn, der eine Schwäche für Papageien hatte, einen Kanon. Titel: "Turk was a faithful dog and not a man". Diese Zeile hatte er auf dem Denkmal im Garten Rauzzinis gefunden.
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