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Tonart | Beitrag vom 23.09.2015

Der griechische Musiker Cayetano Ein DJ auf Wanderschaft

Von Thorsten Bednarz

Schallplattenspieler (Turntable) eines Diskjockeys (picture alliance / dpa / Foto: Andreas Lander)
Schallplattenspieler (Turntable) eines Diskjockeys (picture alliance / dpa / Foto: Andreas Lander)

Vor drei Jahren fragten wir den griechischen DJ Cayetano, wie die Musiker in seinem Land mit der Krise umgehen. Damals meinte er, die Situation sei nicht so schlecht und die Griechen würden sich immer noch einen Euro für eine Party abknapsen. Heute sieht er die Dinge anders.

"Es hat sich nichts geändert. Die Leute sind immer noch heiß auf gute Musik, gute Partys und gute Konzerte! Es gab einige Schwierigkeiten vor zwei Monaten, weil wir kein Geld von den Banken abheben konnten. Aber das hat sich jetzt normalisiert. Hoffentlich! Aber vielleicht haben wir uns auch nur an diese Umstände gewöhnt!"

Ein wenig Fatalismus klingt in diesem Statement von Cayetano schon durch. Aber es sind keine Mantra-artigen Durchhalteparolen, mit denen der DJ und Produzent sich die Situation schönreden will. Gerade im vergangenen Sommer war auch er oft genug von der Finanzkrise betroffen.

"Dieser Sommer war geprägt von der Bargeldkontrolle. Es war sehr schwierig, größere Produktionen aufzuziehen. Die Veranstalter konnten kein Geld von der Bank abheben, konnten weder Sound- oder Lichtanlagen bezahlen oder was man sonst braucht. Deswegen wurden viele Festivals abgesagt. Ich selbst war für sechs Festivals gebucht. Gespielt habe ich zwei. Die anderen wurden abgesagt."

Trotz der Absagen seiner Konzerte und Festivalauftritte spricht Cayetano nicht von der Krise. Jedenfalls nicht von einer kreativen. Er kehrt die Umstände um in eine künstlerische Herausforderung, die ihn eher anspornt. Denn trotz des Wegfalls öffentlicher Strukturen und Gelder übernahm die kreative Szene viele nicht genutzte Räume und funktionierte diese in Galerien oder Partylocations um.

"Wir waren gezwungen, aus unserer Komfortzone heraus zu kommen"

"Das letzte Jahr war für Künstler in Griechenland sehr gut. Nicht nur für Musiker, sondern ganz generell für Künstler. Wir waren gezwungen, aus unserer Komfortzone heraus zu kommen. Das macht dich als Künstler ´beweglicher`, wandelbarer. Auch sind die Lebenshaltungskosten dramatisch gesunken. Okay, die Steuern sind gestiegen und es gibt viel mehr Steuern als vorher. Aber die Mieten sind doch auch sehr eingebrochen. Die dinge sind also nicht gerade perfekt, aber gut für eine kreative Grundstimmung. Und auf der anderen Seite sehen wir aus erster Hand das Drama der Flüchtlinge, das Drama der Arbeitslosen. Man hat sein auskommen, kann sich künstlerisch betätigen. Aber wenn man die Augen offen hat, sieht man auch stets die andere Seite, mit der man sich auseinandersetzen muss."

Trotz seines Optimismus betreffs der Überlebensmöglichkeiten der freien Kulturszene, und nur über diese sprach er mit mir, sitzt Cayetano dennoch bereits auf gepackten Koffern. Am 30. September geht sein Flug nach Shenzen in China, wo er die nächsten Jahre leben wird.

"Ehrlich, ich habe mich ein wenig gelangweilt in Europa und Griechenland. Ich habe vorher lange in Spanien gelebt, bin durch Europa gereist und sitze nun seit zehn Jahren in Griechenland. Ich habe ein gutes Auskommen, mein Projekt läuft richtig gut. Ich habe kein einziges Problem und einige sagen, ich sei bescheuert, weil ich nach China gehe. Aber ich hatte ein gutes Angebot, dort nicht nur als DJ und Produzent zu arbeiten, sondern auch als Musiker. Ich weiß absolut nichts über China! Aber ich will es dort für ein paar Jahre versuchen, neue Erfahrungen sammeln, eine andere Kultur kennen lernen. Und wenn ich zurück komme, werde ich einen anderen Blick auf all das hier haben. Ich will etwas Neues machen. Mein nächstes Album wird vielleicht eines aus westlicher Musik mit chinesischen Elementen… Ich weiß es nicht."

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