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Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.11.2018

„Der Faust“-Theaterpreis-Verleihung in RegensburgBarbara Nüsse als beste Schauspielerin ausgezeichnet

Michael Laages im Gespräch mit Britta Bürger

Schauspielerin Barbara Nüsse 2006 als Virginia Woolf im Renaissance-Theater in Berlin (imago stock&people)
Die Schauspielerin Barbara Nüsse bekam "Der Faust" als beste Schauspielerin. (imago stock&people)

Der Komponist Aribert Reimann hat den Theaterpreis "Der Faust" für sein Lebenswerk bekommen. Als beste Schauspielerin wurde Barbara Nüsse geehrt - eigentlich auch eine Art Lebenswerk-Preis, meint unser Theaterkritiker Michael Laages.

"Barbara Nüsse ist seit knapp 40 Jahren Teil des deutschen Schauspielbetriebs in verschiedenen Häusern. Seit fast neun Jahren in Hamburg am Thalia-Theater und sie ist sowas wie der Kern der weiblichen Moderne im Deutschen Theater", sagt der Theaterkritiker Michael Laages. In diesem Jahr erhielt sie den deutschen Theaterpreis "Der Faust", der wichtigste deutsche Theaterpreis, der in diesem Jahr in Regensburg vergeben wurde. Sie habe sich gegen starke Konkurrenz durchgesetzt, sagt Laages. "Das ist sehr angemessen und erfreulich", meint er. Ausgezeichnet wurde Nüsse für ihre Rolle des Prospero in "Der Sturm" am Thalia Theater in Hamburg.

Ineffizienz des Theaters ist wichtig

Freuen konnte sich auch der Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson. Er bekam den Preis in der Kategorie Regie für "Die Edda". In seiner Dankesrede sagte er:

"Der künstlerische Prozess des Theaters ist absolut ineffizient. Und in einer Welt, die durchdrungen ist von ökonomischer Effizienz, das den Menschen fast zum Auslöschen bringt, ist diese Ineffizienz des Theaters das absolut Wichtigste."

In diesem Jahr wurde zum ersten Mal auch der Perspektivpreis vergeben. "Der ist deswegen so wichtig, weil er wirklich aus dem Rahmen dessen fällt, was der Bühnenverein bislang so gefördert hat", meint Laages.

Auf die Situation an Theatern aufmerksam machen 

Den Preis bekam die Aktion "40.000 Theatermitarbeiter treffen ihre Abgeordneten". Es ist der Versuch, dass Menschen, die Kunst produzieren auf Politiker treffen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Politiker sollen so auf die Situation an den Theatern aufmerksam gemacht werden und für das Theater gewonnen werden.

"Der Faust" ist eine undotierte Auszeichnung und wird in acht Kategorien vergeben. Grundlage für die Vergabe des Preises sind Vorschläge der Theater, es ist also ein Preis der Theater für ihre Künstler – ein Theater darf allerdings keine eigene Produktion vorschlagen.

Die "Faust"-Gala wird am 4.11.2018 um 13 Uhr noch mal komplett übertragen im Digital-Kanal "Dokumente und Debatten" von Deutschlandfunk Kultur.

Hier ein Blick auf alle diesjährigen Nominierungen und Gewinner:

Lebenswerk: Aribert Reimann

Regie Schauspiel:

Nominierungen:
Thorleifur Örn Arnarsson: "Die Edda", Staatsschauspiel Hannover
Jo Fabian: "Onkel Wanja", Staatstheater Cottbus
Yael Ronen: "Roma Armee", Maxim Gorki Theater Berlin

Gewonnen hat: Thorleifur Örn Arnarsson mit "Die Edda", Staatsschauspiel Hannover

Darstellerin/Darsteller Schauspiel:

Nominierungen:
Katja Bürkle, Franz Moor in "Die Räuber", Bayerisches Staatsschauspiel München
Wolfram Koch, Richard Herzog von Gloucester, König Richard III. in "Richard III.", Schauspiel Frankfurt
Barbara Nüsse, Prospero in "Der Sturm", Thalia Theater Hamburg

Gewonnen hat: Barbara Nüsse in "Der Sturm", Thalia Theater Hamburg

Regie Musiktheater:

Nominierungen:
Martin G. Berger, "Faust (Margarete)", Theater und Orchester Heidelberg
Stefan Herheim, "Wozzeck", Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg
Tobias Kratzer, "Götterdämmerung", Badisches Staatstheater Karlsruhe

Gewonnen hat: Tobias Kratzer mit "Götterdämmerung", Badisches Staatstheater Karlsruhe

Sängerdarstellerin/Sängerdarsteller Musiktheater:

Nominierungen:
Amira Elmadfa, Clorinde in "Rivale", Staatsoper Berlin, unter Beteiligung des Staatstheaters Braunschweig
Dshamilja Kaiser, Penthesilea in "Penthesilea", Theater Bonn
Matthias Klink, Gustav von Aschenbach in "Tod in Venedig", Oper Stuttgart/Stuttgarter Ballett

Gewonnen hat: Matthias Klink in "Tod in Venedig", Oper Stuttgart/Stuttgarter Ballett

Choreografie:

Nominierungen:
Sidi Larbi Cherkaoui, "Satyagraha", Komische Oper Berlin, Koproduktion mit dem Theater Basel und der Opera Vlaanderen
Sharon Eyal, "Soul Chain", Staatstheater Mainz
Sasha Waltz, "Kreatur", Sasha Waltz & Guests, Koproduktion mit Festspielhaus St. Pölten, Les Théatres de la Ville de Luxembourg und Opéra de Dijon, made in Radialsystem

Gewonnen hat: Sharon Eyal mit "Soul Chain", Staatstheater Mainz

Darstellerin/Darsteller Tanz:

Nominierungen:
Adhonay Soares da Silva, in "Dances at a Gathering" und in "Initialen R.B.M.E." im Rahmen des Zweiteilers "Begegnungen", Stuttgarter Ballett
Ramon A. John, Wanderer in "Eine Winterreise", Hessisches Staatsballett (Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Staatstheater Darmstadt)
Stephanie Troyak, Anna in "Die sieben Todsünden", Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

Gewonnen hat: Ramon A. John, Wanderer in "Eine Winterreise", Hessisches Staatsballett (Hessisches Staatstheater Wiesbaden/Staatstheater Darmstadt)

Regie Kinder- und Jugendtheater:

Nominierungen:
Anselm Dalferth, "Wie klingt Nimmerland?", Junges Theater Münster
Anna Konjetzky, "Running", Theater Heilbronn
Martina van Boxen, "Lindbergh - Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus", Junges Schauspielhaus Bochum

Gewonnen hat: Martina van Boxen mit "Lindbergh - Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus", Junges Schauspielhaus Bochum

Bühne/Kostüm:

Nominierungen:
Alexandre Corazzola, Bühne/Kostüm "Frühlings Erwachen", Schauburg München
Jana Findeklee und Joki Tewes, Kostüme "Wilhelm Tell", Schauspiel Köln. Eine Koproduktion mit dem Theater Basel.
Jo Schramm, Bühne "Medea", Staatsschauspiel Hannover

Gewonnen hat: Jana Findeklee und Joki Tewes für "Wilhelm Tell", Schauspiel Köln. Eine Koproduktion mit dem Theater Basel.

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