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Kompressor | Beitrag vom 17.06.2020

Der Fall Inigo PhilbrickKunst, Crime, Cash

Tobias Timm im Gespräch mit Gesa Ufer

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Zu sehen ist eine Szene bei einer Kunstauktion. (Imago / ZUMA Press)
Ein unregulierter Markt: Bei Auktionen wechseln Kunstwerke den Besitzer - manche werden für Millionen Euro verkauft. (Imago / ZUMA Press)

Der Kunsthändler Inigo Philbrick führte ein glamouröses Leben. Doch dann wurde ruchbar, dass er wohl seine Anleger geprellt hatte. Was steckt hinter der millionenschweren Ganovengeschichte und den "Darkrooms des Kunstmarkts"?

Inigo Philbrick brachte alle Voraussetzung mit, um ein Senkrechtstarter in der Kunsthändlerszene zu werden: Er ist Sohn eines Museumsdirektors aus den USA, er ist gut ausgebildet, arbeitete in Galerien und hat ein ausgewiesen gutes Näschen für den Betrieb.

Vom FBI verhaftet

Doch nun ist der Stern gefallen – genauer gesagt, wurde Philbrick von der US-Bundespolizei FBI auf einer Südseeinsel aufgespürt und verhaftet. Ihm wird Betrug vorgeworfen. Sein System sei gewesen, Bilder – auch mit geliehenem Geld – zu kaufen, um sie später mit Profit wieder zu veräußern.

Als dies bei einem Werk des Künstlers Rudolf Stingel nicht gelang, meldeten sich gleich mehrere Firmen, die angaben, dass Philbrick ihnen das Bild ebenfalls ganz oder teilweise verkauft haben soll, berichtet der Journalist Tobias Timm.

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Solche kriminellen Geschäftsmodelle seien nur möglich, weil Kunstwerke als Anlageobjekte gehandelt würden, sagt Timm. Und dass der Kunstmarkt traditionell einer der unreguliertesten Märkte überhaupt" sei, bei denen "Deals per Handschlag gemacht" würden, dazu trage bei. Zudem sei die Herkunft der Werke nicht dokumentiert wie beispielsweise bei Autos.

Laut Timm gehen derartige Geschäfte in so genannten Freeports über die Bühne: "Das sind riesige Lagerhallen, die wie Tresore gesichert sind. In denen kann man steuerfrei und ohne die Kontrolle staatlicher Organe Deals abwickeln. Das sind dann quasi die Darkrooms des globalen Kunstmarktes."

Nur für den Profit gehandelt

Hinter diesen Geschäften steckten Offshore-Firmen, denen es rein um den Profit gehe, so Timm. "Dadurch geriet auch die Kunst in den Hintergrund",  erklärt der Co-Autor des soeben erschienen Buches "Kunst und Verbrechen". "Die Kunstwerke verschwinden in Depots und können nicht mehr von uns Betrachterinnen und Betrachtern angeschaut werden. Insofern schaden diese betrügerischen Deals auch der Kunst und uns Betrachtern."

Begünstigt würden solche Geschäft durch eine weitere Tendenz auf dem internationalen Kunstmarkt: Dort seien die Werke von den Künstlern am teuersten, die viel produziert hätten – wie Pablo Picasso oder Andy Warhol. Deren Werke würden wie Aktien gehandelt, führt Timm aus. Dadurch, dass einzelne Bilder dieser Künstler zu hohen Preisen bei Auktionen oder Kunstmessen gehandelt würden, steige auch der Preis der anderen Werke dieser Künstler – eine Aufwärtsspirale also.

(rzr)

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