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Nachspiel | Beitrag vom 07.07.2019

Der deutsche FrauenfußballUnter Ausschluss der Öffentlichkeit

Ein Einwurf von Günter Herkel

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Frauen-Fußball-Bundesliga: Turbine Potsdam spielt gegen den MSV Duisburg - Blick aus der Froschperspektive vom Tor aufs Spielfeld mit den Spielerinnen. (imago images / Jan Huebner)
Turbine Potsdam gegen den MSV Duisburg - der Frauenfußball braucht mehr Rückhalt durch den DFB. (imago images / Jan Huebner)

In vielen europäischen Ländern boomt der Frauenfußball. Nur in Deutschland spielen die Liga-Teams weitgehend vor halbleeren Rängen. Und der DFB? Tut viel zu wenig, um für die kickenden Frauen besser zu werben und sie zu unterstützen.

Die gute Nachricht zuerst: Der Frauenfußball entwickelt sich prächtig. Dynamische US-Girls, kreative Japanerinnen, kämpferische Niederländerinnen. Das allgemeine Spielniveau ist beachtlich gestiegen. Technisch und taktisch sind viele Mannschaften, anders als noch vor zehn Jahren, auf der Höhe des Balls.

Die schlechte Nachricht: An den deutschen Damen sind diese Fortschritte weitgehend vorbei gegangen. Nach leichten Siegen über zweitklassige Gegnerinnen folgte das Aus gegen eine schwedische Mannschaft, die rein spieltechnisch auch nicht eben furchterregend auftrat. Was nun? Angesichts der verpassten Olympiateilnahme ist kurzfristig kaum auf Besserung zu hoffen. Nach knapp acht Millionen TV-Zuschauerinnen und Zuschauer beim sang- und klanglosen Aus dürfte das Interesse für Frauenfußball jetzt wieder gegen Null gehen.

Das Problem sind nicht Mangel an Talenten

Der kurzfristige Hype, künstlich aufgeblasen von ARD und ZDF mit einem im Vergleich zur sonstigen Ignoranz irgendwie unangemessenen Berichterstattungs-Overkill, kann eines nicht verdecken: Frauenfußball interessiert hierzulande vor allem ein Event-Publikum. Der Bundesliga-Alltag dürfte dagegen erneut unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Wo sich ein paar hundert Unentwegte in die Stadien verirren, bleiben auch die Reporter weg. Auch, weil die öffentlich-rechtlichen Anstalten hier zu Recht miserable Quoten fürchten.

Was tun? Das Problem sind nicht Mangel an Talenten, schlechte Nachwuchsarbeit oder Trainerversagen. Nötig erscheint vor allem eine gründliche Professionalisierung der Strukturen. Immerhin stammen bereits zwei Drittel der Teams in der höchsten Spielklasse der Frauen aus Vereinen der Ersten Männer-Bundesliga.

Dass die Frankfurter Eintracht die bisher im 1.FFC organisierten Frauen integriert, dürfte den Ligabetrieb weiter beleben. Andere Erstliga-Vereine könnten folgen. Warum sollte die Berliner Hertha nicht zum Beispiel die Frauen von Turbine Potsdam unter ihre Fittiche nehmen? Derzeit wird der Traditionsclub aus Babelsberg von den übermächtigen Bayern und Wolfsburgerinnen als Talente-Reservoir benutzt.

Vamos, DFB!

Wo bleibt die ganzjährige Werbe- und Vermarktungskampagne des DFB? Eine attraktivere, weil wettbewerbsfähige Frauen-Bundesliga zöge vermutlich mehr Zuschauer, Sponsoren und – ja, vielleicht auch mehr TV-Kameras an. Und zwar nachhaltig - nicht nur alle zwei oder vier Jahre bei einem Großereignis. Der Boom des Frauenfußballs in Frankreich, England und Spanien belegt: Es funktioniert. Das Spitzenspiel zwischen Atletico Madrid und dem FC Barcelona im März dieses Jahres wurde von mehr als 60.000 Zuschauer und Zuschauerinnen im Stadion verfolgt. Vamos, DFB!

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