Der Aufstieg kommt vor dem Fall

Im mittelalterlichen Rom herrschen anarchische Zustände. Zwei Patrizierfamilien befehden sich. Der in päpstlichen Diensten stehende Rienzi, dessen Schwester entführt werden soll, verspricht dem Volk Befreiung vom adligen Joch und erhebt sich selbst zum Volkstribun. Während er siegreich ins Capitol einzieht, haben die Gegner schon den Plan zu seiner Vernichtung geschmiedet.
Was wäre eine Oper, wenn sich innerhalb dieser machtpolitischen Auseinandersetzungen nicht eine echte Liebesgeschichte alla Romeo und Julia abspielen würde? Hier heißen die beiden Irene, die Schwester Rienzis, und Adriano, Sohn einer der verfeindeten Adelsfamilien.
Die grandiose Uraufführung von "Rienzi, der Letzte der Tribunen" 1842 in Dresden brachte Richard Wagner die Position des Hofkapellmeisters ein. Zu seinen Lebzeiten wurde die Oper häufig gespielt. Heute kennt man nur noch die wirkungsvolle Ouvertüre. Aber inzwischen hat das Werk wieder an Interesse gewonnen, vielleicht weil es für Wagner untypisch ist insofern, als er hiermit eines der letzten Beispiele im Sinne der französischen Grand Opéra schuf. Ballettmusiken, ausladende Ensembles, gewaltige Chorszenen und groß angelegte Finali charakterisieren die Partitur des "Rienzi”. Gerade dieser ausgeuferten Form der Gattung Oper stand Wagner ja später äußerst kritisch gegenüber und hat sie mit seinen musikdramatischen Neuerungen in den Hintergrund gedrängt. Aber bei "Rienzi" korrespondiert sie durchaus mit dem Inhalt. Wird der Letzte der Tribunen doch schließlich selbst zum Anachronismus.


Euroradio-Opernsaison 2007/08
Opernhaus Leipzig
Aufzeichnung vom 21.11.2007

Richard Wagner
”Rienzi, der Letzte der Tribunen”, große tragische Oper in fünf Akten
Libretto: Richard Wagner nach Edward Bulwer-Lytton

Stefan Vinke, Tenor - Cola Rienzi
Marika Schönberg, Sopran - Irene
Pavel Kudinov, Bass - Steffano Colonna
Elena Zhidkova, Mezzosopran - Adriano
Jürgen Kurth, Bass - Paolo Orsini
Christopher Robertson, Bass - Raimondo
Martin Petzold, Tenor - Baroncelli
Thomas Oertel-Gormanns, Bass - Cecco del Vecchio
Gabriela Scherer, Sopran - Bote
Chor der Oper Leipzig
Gewandhausorchester Leipzig
Leitung: Axel Kober

nach dem 2. Akt ca. 20:55 Uhr Konzertpause mit Nachrichten