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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 02.03.2012

Den Bock zum Gärtner gemacht

Mitri Raheb und der Deutsche Medienpreis

Ein Kommentar von Thomas Klatt

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Der palästinensische Pfarrer Mitri Raheb erhielt 2008 bereits den Aachener Friedenspreis. (picture alliance / dpa/Oliver Berg)
Der palästinensische Pfarrer Mitri Raheb erhielt 2008 bereits den Aachener Friedenspreis. (picture alliance / dpa/Oliver Berg)

Sanft ist seine Erscheinung, sanft ist seine Stimme und schön seine Botschaft: Der Pfarrer der Bethlehemer Weihnachtskirche Mitri Raheb predigt Frieden für den Nahen Osten. Und der soll durch Bildung und im Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden erreicht werden.

In der Tat, zu nennen ist etwa die evangelische Schule Talitha Kumi in Bethlehem. Mitri Raheb ist Gründer und Präsident der Dar al-Kalima Hochschule, die Diplome für Porzellan- und Glasgestaltung wie auch für moderne Kunst, Theater und Filmgestaltung vergibt. Für seine soziale Arbeit ist der palästinensische Pfarrer jetzt von Altbundespräsident Roman Herzog mit dem "Deutschen Medienpreis" ausgezeichnet worden.

Doch nicht jeder ist von der Ehrung Mitri Rahebs beglückt. Sowohl die Deutsch-Israelische Gesellschaft als auch der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit, immerhin Dachverband von gut 80 jüdisch-christlichen Dialoggruppen, protestierten vehement: Mitri Raheb sei alles andere als ein Friedensstifter, sondern ein ausgemachter Antisemit. Raheb würde die biblische Verheißung Gottes an Israel durch Palästina ersetzen. In seinen Predigten würde er sogar behaupten, Jesus sei Palästinenser und kein Jude gewesen.

Raheb ist führender Kopf und Initiator des sogenannten Kairo-Palästina-Dokumentes, das seit 2009 mithilfe des Ökumenischen Rates der Kirchen weltweit verbreitet wird. Auch wenn die Christen nur zwei bis drei Prozent in Palästina ausmachen, so ruft Raheb das ganze palästinensische Volk zur Gegenwehr auf, gewaltfrei versteht sich. Wie damals die südafrikanischen Christen in den 1980er-Jahren gegen den Apartheidsstaat aufbegehrten und in ihrem Kairopapier zum Widerstand aufriefen, so gelte Ähnliches jetzt auch beim Kairos-Palästina-Dokument.

Die Palästinenser werden von den Juden unterdrückt, und das müsse eben klar benannt werden. Israel wird praktisch als Apartheidsstaat abgestempelt. So wie die Buren sich einst als von Gott auserwähltes weißes Volk über die Schwarzen stellten, so würden es heute die Juden gegenüber den Palästinensern tun.

So direkt sagt Raheb das in Deutschland nun nicht, aber der amerikanische Autor Mark Bravermann schreibt es in seinem letzten Buch. Mitri Raheb schrieb dazu ein wohlwollendes Vorwort: Mark Bravermann sei mit seinen Ansichten über Israel ein gern gesehener Gast in Bethlehem, schreibt Raheb.

Der Pfarrer aus Palästina ruft zum Boykott gegen Waren auf, die in den jüdischen Siedlungen hergestellt werden. So wie es damals hieß: "Kauft keine Früchte der Apartheid!" so sollen die deutschen Christen jetzt keine Produkte von Juden aus den Siedlungsgebieten kaufen. Der in Deutschland studierte Theologe weiß, was er dem deutschen Publikum zumuten kann. So würde er niemals dazu aufrufen: "Kauft nicht bei Juden!" Aber für hiesige Kunden ist zwischen Produkten aus Israel und Siedlerprodukten kaum zu unterscheiden. Faktisch kommt der Aufruf des Pfarrers aus Bethlehem einem Israelboykott gleich.

Abstrus wird es aber, wenn Mitri Raheb über Rassen spricht: Nicht die Juden, die aus Osteuropa nach Palästina kamen und heute etwa in Person eines Benjamin Netanjahu die Regierung stellen, seien genetisch mit Jesus verwandt, sondern Mitri Raheb und sein palästinensisches Volk, die immer schon die Ureinwohner zwischen der Negevwüste und dem Karmelgebirge waren. Diesen DNA-Beweis, wem denn nun das Heilige Land wirklich gehört, führt Raheb mit seiner sanften Stimme natürlich nicht vor deutschen Kameras und Mikrofonen. So etwas habe er nie gesagt und sei eine infame Lüge "rechtsradikaler christlicher Zionisten." Letzte Worte sagt der Pfarrer dann doch in deutsche Mikrofone.

Ob der sanfte Pfarrer Mitri Raheb auch in Bethlehem friedlich predigt, das darf zumindest bezweifelt werden. Den "Deutschen Medienpreis" hat er jetzt bekommen. Ob ihm bei seiner Zwiespältigkeit auch ein Friedenspreis zusteht, darf bei kritischer Betrachtung bezweifelt werden.

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