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Fazit | Beitrag vom 18.08.2019

Demokratiebewegung demonstriert seit WochenWie Kunst den Protest in Hongkong stärkt

Almuth Meyer-Zollitsch im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Zwie Frauen schreiben auf Post-its an einer "Lennon Wall" in Hongkong, einer Wand, an der bereits zahlreiche Notizen und Zeichnungen hängen. (Imago / Vernon Yuen)
An "Lennon Walls" heften Menschen Botschaften zu ihren Hoffnungen und Anliegen, die die seit Wochen andauernden Demonstrationen betreffen. (Imago / Vernon Yuen)

Seit Monaten gehen die Einwohner Hongkongs auf die Straße. Sie demonstrieren gegen den zunehmenden Einfluss Chinas und für mehr Demokratie. Die Kunstszene spiele eine wichtige Rolle, berichtet die Leiterin des Goethe-Instituts in Hongkong.

Im Zentrum von Hongkong sind am Sonntag erneut hunderttausende Anhänger der Demokratiebewegung auf die Straße gegangen. Das Bündnis "Civil Human Rights Front" sprach von mehr als 1,7 Millionen Menschen. Die Kundgebung richtete sich gegen den zunehmenden Einfluss der Pekinger Staatsregierung in der chinesischen Sonderverwaltungszone. Die Demonstrationen dauern nun schon mehr als zweieinhalb Monate an.

Filmemacher dokumentieren Polizeigewalt

Almuth Meyer-Zollitsch leitet das Goethe-Institut in Hongkong und verfolgt die Ereignisse, erlebt sie hautnah. Die Hongkonger Kunstszene sei ein wesentlicher Teil der Bewegung, erklärt sie im Deutschlandfunk Kultur:

"Künstler und Kreative haben sich von Anfang an in dieser Bewegung engagiert, denn sie wissen ganz genau, was auf dem Spiel steht, wenn Hongkong seine letzten Freiheiten verliert und unter das Diktat der kommunistischen Partei kommt. Täglich erscheinen Kurzfilme im Internet, die professionell geschnitten sind - mit Untertiteln und Kommentaren. Filmemacher sind von morgens bis abends mit der Protestbewegung unterwegs, um die stark gestiegene Polizeigewalt zu dokumentieren."

Demonstranten schützen sich am 18.8.2019 mit Schirmen vor dem anhaltenden Regen, die gleichzeitig ein Symbol des Protests sind. (picture alliance/Gregor Fischer/dpa)Die Veranstalter sprechen von bis zu 1,7 Millionen Menschen, die an der Großdemonstration am Sonntag teilgenommen hätten. (picture alliance/Gregor Fischer/dpa)

Im Unterschied zur sogenannten Regenschirmbewegung von 2014 – damals ging es um den Beschluss des Nationalen Volkskongresses in Peking, die Kandidaten zur Wahl des Hongkonger Verwaltungschefs zukünftig von einem chinesischen Komitee festlegen zu lassen - gebe es diesmal nicht vier oder fünf prägende Gesichter, sagt Meyer-Zollitsch.

Aus Schwarmintelligenz wird Schwarmkreativität

Es handle sich eher um eine Schwarmintelligenz, aus der schließlich eine Art Schwarmkreativität entstehe. So gebe es beispielsweise in allen Stadtteilen Hongkongs sogenannte "Lennon Walls", benannt nach der Friedensikone John Lennon.

Öffentliche Wände würden mit hunderttausenden Post-its, die Parolen, Wünsche und Hoffnungen enthielten, aber auch mit Fotos und Zeitungsausschnitten beklebt. Diese stellten eine Art Gedächtnis der Bürgerbewegung dar. "Diese Stadt hat eine sehr starke Zivilgesellschaft, was sie fundamental von China unterscheidet."

Die Leiterin des Goethe-Instituts in Hongkong Almuth Meyer-Zollitsch (Almuth Meyer-Zollitsch)Almuth Meyer-Zollitsch leitet das Goethe-Institut in Hongkong und erlebt die aktuellen Proteste hautnah mit. (Almuth Meyer-Zollitsch)

In dieser dezentralen Bewegung stecke eine enorme Energie, so Meyer-Zollitsch. Sie reagiere direkt und mit vielfältigen Protestformen spielerisch auf Stellungnahmen der Regierung und der Polizei.

"Rücksichtnahme gehört zu Hongkonger Identität"

Zur Hongkonger Identität gehöre Rücksichtnahme auf andere, eine gewisse Selbstdisziplin, die aber darauf ausgerichtet sei, das Zusammenleben für alle besser zu machen. Dieser Grundzug der Hongkonger Identität komme hier sehr stark zum Tragen, erklärt Meyer-Zollitsch:

"Was mich auch immer frappiert, ist, mit welcher Umsicht und mit welchem Common Sense die Protestbewegung da unterwegs ist. Freiwilligen Helfern, die Gasmasken und Wasserflaschen verteilen, wird Platz gemacht. Jemandem, der vorbeigeht, wird gesagt: 'Passen Sie auf, seien Sie vorsichtig, stay safe.' Demonstranten nehmen enorm viel Rücksicht aufeinander und auch auf die anderen Menschen, die um sie herum sind."

(ckr)

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