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Fazit | Beitrag vom 04.11.2020

Debatte um Theater-LockdownNicht system-, sondern lebensrelevant

Stephan Märki im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Leerer Zuschauerraum im Staatstheater Cottbus. Die Sitzreihen sind mit rotem Tuch bedeckt. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Leerer Zuschauerraum im Staatstheater Cottbus: Vier Premieren mussten dort nun abgesagt werden. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

In der Theaterwelt herrscht Empörung über die neuen Schließungen. Die Maßnahmen werden vielerorts als unverhältnismäßig verurteilt. Stephan Märki, Intendant in Cottbus, vertraut darauf, dass Theater kreative Lösungen finden und bald wieder öffnen können.

Die erneuten Schließungen der Theater und Opern seien falsch, unverhältnismäßig drakonisch und keineswegs hilfreich für die Pandemiebekämpfung, heißt es bei vielen Kulturschaffenden. Die Theater seien sehr sichere Orte des öffentlichen Lebens. 

In der aktuellen Debatte hatte Thomas Ostermeier von der Schaubühne Berlin vorgeschlagen, die Theater über den Winter geschlossen zu halten, um dafür den ganzen Sommer über zu spielen.

Theater und Oper trotz Corona ermöglichen 

Dieser Vorschlag sei vielleicht für die Schaubühne und die Stadt Berlin nachvollziehbar, sagt Stephan Märki, Intendant des Staatstheaters Cottbus. "Aber ich habe da eine ganz andere Haltung, weil ich finde, Theater sollten immer versuchen, das Unmögliche möglich zu machen. Und das ist ja in diesem Fall: Nähe in der Distanz herzustellen, also Theater oder große Opern auch unter Coronabedingungen auf die Bühne zu bringen."

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Er sei sich bewusst, dass alles, was er momentan sage, in einer Woche oder in einem Monat anders sein könne. "Aber solange es möglich ist, wollen wir versuchen, mit dieser Situation achtsam und sorgsam umzugehen und trotzdem Theater zu ermöglichen."

Die vielen künstlerischen Mitarbeiter in einem hochkomplexen Betrieb mit vier Sparten wie dem Staatstheater Cottbus müssten schließlich alle in einem kontinuierlichen Training bleiben. "Die kann man nicht einfach nach Hause schicken und dann in einem halben Jahr wieder da anfangen, wo wir aufgehört haben. Es geht ja auch um Motivation und Sinnhaftigkeit des Tuns. Denn die meisten Menschen brauchen Arbeit für ein sinnhaftes Leben, und die Künstler sind da nicht anders."

Einschränkungen als Ideen für Inszenierungen nutzen

Man versuche täglich, gemeinsam Lösungen zu finden, und habe entschieden, die Planungen, wo immer möglich, beizubehalten und anzupassen, um die aktuellen Bedingungen als Aufführungskriterien zu verstehen. Bei der Oper "Mazeppa" von Pjotr I. Tschaikowski habe man beispielsweise den Chor in den ersten Rang gesetzt, was ein "unglaubliches Klangerlebnis" gewesen sei.

"Auf so eine Idee kann man ja sonst gar nicht kommen, weil da normalerweise Zuschauer sitzen müssten. Mit den begrenzten Zuschauerzahlen hat man dann diese Möglichkeit und kommt zu künstlerischen Lösungen, die man außerhalb von Corona nie gehabt hätte."

Theater seien nicht systemrelevant, sondern lebensrelevant, sagt Stephan Märki. Sie seien zwar nicht existenziell, aber das gelte auch für die Liebe, die man nicht zum Überleben brauche. "Und trotzdem möchte niemand ohne sie leben. So sehe ich auch die Theater und überhaupt die Kunst."

(rja)

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