Seit 13:05 Uhr Länderreport
Dienstag, 18.05.2021
 
Seit 13:05 Uhr Länderreport

Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.01.2019

Debatte um Redefreiheit an der Uni SiegenWo liegt die Grenze?

Dieter Schönecker im Gespräch mit Vladimir Balzer

Thilo Sarrazin, Autor und ehemaliger SPD-Politiker, signiert sein neues Buch "Feindliche Uebernahme", am Weltwoche-Event "Gipfeltreffen der freien Rede" in der Samsung Hall, am Donnerstag, 4. Oktober 2018, in Zuerich. Thilo Sarrazin hat mit "Deutschland schafft sich ab" einen umstrittenen Bestseller ueber den Islam und Europa geschrieben. (KEYSTONE/Patrick Huerlimann) | (Patrick Huerlimann/dpa)
Thilo Sarrazin, hier bei einer Veranstaltung in Zürich im Oktober 2018, war einer der Redner der Seminarreihe "Denken und Denken lassen" an der Universität Siegen. (Patrick Huerlimann/dpa)

Wegen der Beiträge rechtsgerichteter Redner wie Thilo Sarrazin und Marc Jongen war die Seminarreihe "Denken und Denken lassen" an der Universität Siegen umstritten. Dieter Schönecker findet, dass man sich diese anhören und was daraus lernen kann.

Es habe "vehemente Versuche" gegeben, den Auftritt von Thilo Sarrazin bei einer Seminarreihe der Universität Siegen zu verhindern, sagte Dieter Schönecker, Veranstalter der Reihe und Professor an der Philosophischen Fakultät. Der Rektor sei noch vor ein paar Tagen aufgefordert worden, den Besuch des umstrittenen Autors zu verbieten. Außerdem seien ihm Finanzmittel gestrichen worden.

Universität als Echoraum immer gleicher Positionen

Ein anderer umstrittener Redner war der AfD-Politiker Marc Jongen. Auch hier findet Schönecker, dass "wir die Universität nicht verschließen dürfen gewissermaßen." Die Universität sei ein Echoraum geworden, in dem immer wieder die gleichen Positionen auftauchen. Es könne auch nicht schaden, wenn man sich beschäftigt mit Positionen, die üblicherweise nicht vertreten werden. 

Von Positionen wie Rassimus, meint Schönecker, "sind Leute wie Jongen und Sarrazin Welten entfernt". Die "grundsätzliche politische Auffassung" von jemandem wie Jongen sei zwar nicht seine. Aber die Frage sei, "ob das so schlimm ist und so verwerflich, dass man nicht darüber diskutieren kann. Dass man sich so etwas nicht anhören darf. Und da würde ich sagen, 'Nein, auf keinen Fall'. Das kann man sich anhören. Daraus kann man viellleicht sogar etwas lernen." Bei den Grenzen der Redefreiheit müsse man "im Einzelfall gucken". "Wenn es überhaupt Grenzen gibt", erklärt Schönecker, "dann liegen sie sehr, sehr weit, also so, dass man sie kaum sehen kann."

Mehr zum Thema

Debatte um Meinungsfreiheit an der Uni Siegen - "Es geht letztendlich um Propaganda"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 09.01.2019)

Partei-Auschluss von Sarrazin - Für die SPD eine Frage der Glaubwürdigkeit
(Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 18.12.2018)

Zur Debatte um rechte Literatur - Darf man neben Rechten lesen?
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 06.11.2018)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWie die Stadtflucht gelingt
Bei einem Dorffest sitzen viele Menschen auf Bierbanken. (imago images / Becker&Bredel)

Aus Jaffa meldet sich ein tapferer Historiker zu Wort."Klatschen reicht nicht" zu sagen, reicht nicht, findet die "taz". Frankreich freut sich auf kulturelles Remmidemmi. Und die „Welt“ erläutert, wie der Umzug von der Stadt aufs Dorf gelingen kann.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur