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Interview | Beitrag vom 12.07.2018

Debatte um Pro und Contra zur Seenotrettung"Es ist eine Frage von Humanität und Menschenwürde, Leben zu retten"

Moderation: Nicole Dittmer

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Ausschnitt einer Seite aus "Die Zeit" mit der Überschrift "Oder soll man es lassen" (Die Zeit / Foto Deutschlandradio)
Pro und Contra in "Die Zeit": "Oder soll man es lassen" (Die Zeit / Foto Deutschlandradio)

Der Journalistik-Professor Klaus-Dieter Altmeppen attackiert die "Zeit" für ihr Pro und Contra zur Seenotrettung. Dass die Zeitung hier mit Narrativen statt mit Fakten arbeite, sei der Sache und der Debatte nicht dienlich.

Die Seenotrettung im Mittelmeer wird in Politik, Diplomatie und in den Medien kontrovers diskutiert. "Die Zeit" hat sich nun versucht in einer Art Gegenüberstellung der Positionen und präsentiert in ihrer aktuellen Ausgabe ein "Pro" und ein "Contra", ob Schiffbrüchige gerettet werden dürfen. Dafür allerdings erntet das Blatt viel Kritik. Auch der Journalistik-Professor Klaus-Dieter Altmeppen sieht die von der "Zeit" gewählte Form kritisch: "Man kann diese Frage natürlich stellen, aber dann muss sich die 'Zeit' auch die Frage gefallen lassen, was das denn soll, diese Frage zu stellen." Es sei ganz einfach eine Frage von Humanität und Menschenwürde, Leben zu retten, kommentiert Altmeppen im Deutschlandfunk Kultur. Und da gebe es kein Contra.

Selbst die Provokation ist hier misslungen

Wenn es das Anliegen der "Zeit" gewesen sei, mit dieser bewusst provokativen Fragestellung auf die Not der Menschen aufmerksam machen zu wollen, dann sei dies misslungen, argumentiert Altmeppen. "Man kann das nicht auf diese Art und Weise tun, weil die Mechanismen der Mediengesellschaft so nicht laufen." Die Argumentation etwa für einen Stopp der Seenotrettung sei "schlichter Populismus". Vor allem kritisiert Altmeppen etwa die Argumentation in der das, was "dort auf dem Mittelmeer passiert mit Wohnungseinbrüchen und Überfällen in Deutschland" verglichen werde. Wichtig sei hier die Einordnung durch die Medien.

Die Debatte braucht Sachlichkeit

Und die Debatte um die Seenotrettung brauche beides, also Empathie und Sachlichkeit, erklärt Altmeppen. "Wir haben vom Zentrum Flucht und Migration der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt vor zwei Wochen einen Aufruf auf den Weg gebracht, wo wir Leute bitten zu unterzeichnen. Und bei diesem Aufruf geht es darum, mehr Anstand, mehr Respekt und mehr Wahrhaftigkeit in diese Diskussion zu bringen, und wir haben diesen Aufruf ganz bewusst an die Eliten aus Wissenschaft, Politik, Journalismus und Medien gerichtet, weil dort mittlerweile eine ganz verhängnisvolle Kette in Gang gesetzt wird: Dass aus Wahrheit immer mehr Unwahrheit und Lügen werden, und das führt dazu, dass aus Sicherheit Unsicherheit wird, und das führt wiederum dazu, dass aus Vertrauen Misstrauen wird. Und das ist eine verhängnisvolle Spirale." Altmeppen empfiehlt hier der "Zeit": "Ein Beitrag, der das Pro und Contra der Daten und Fakten präsentiert hätte, der wäre sinnvoll gewesen." Doch hier nun mit Narrativen statt mit Fakten zu arbeiten, sei der Sache und der Debatte überhaupt nicht dienlich.

(sru)

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