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Fazit | Beitrag vom 18.04.2019

Debatte um Notre-Dame-RestaurierungPlädoyer gegen ein Metalldach

Jan Raue im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Man sieht ein teilweise durch die Hitze verbogenes großes Baugerüst, die verkohlten Überreste des Dachs und ein großes Loch. (Gigarama.ru / AP / dpa)
Ein Luftbild zeigt die Schäden am Dach der französischen Kathedrale Notre-Dame in Paris nach dem Brand vom 15.4. (Gigarama.ru / AP / dpa)

Nach dem Brand der Kathedrale Notre-Dame wird ein Architektenwettbewerb für den Wiederaufbau ausgeschrieben werden. Der Restaurator Jan Raue erläutert, was vorher analysiert werden muss und wünscht sich wieder einen Dachstuhl aus Holz.

Nach dem Brand müsse man die Kathedrale Notre-Dame in Paris, so schockierend das auch sei, als Ruine betrachten, sagt Jan Raue, Professor für Restaurierung an der Fachhochschule Potsdam und Präsident des Verbandes der Restauratoren.

"Als erstes muss das Gebäude nun gesichert werden. Dazu gehört die Errichtung eines Notdachs, damit das Innere nicht wegen des Wetters weiteren Schaden nimmt. Dazu muss man natürlich das Baugerüst entfernen. Es werden aber insgesamt viele Aufgaben in Angriff genommen werden müssen, für die es kein Rezept gibt. Das ist typisch bei Brandkatastrophen, die laufen nicht nach irgendwelchen Regeln ab."

Ausmaß des Schadens noch unklar

Deswegen stelle man erst bei der Arbeit fest, wie schlimm es tatsächlich ist. "Neben dem Feuer fügt das Löschwasser weitere Schäden hinzu. Der Kalkstein wurde partiell hoch erhitzt. Das Wasser, das dann auf ihn traf, kann zu explosionsartigen Reaktionen auf der Oberfläche geführt haben und Risse können enstanden sein, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Statiker müssen feststellen, was die Pfeiler und Gewölbe noch aushalten." 

Der größte Verlust sei der Dachstuhl, sagt Raue. "Er soll aus 1300 normannischen Eichen gebaut worden sein und verkörpert, wenn man die Wachstumszeit der Bäume mit einberechnet 1000 Jahre Geschichte und hat alle Revolutionen und alle Kriege überstanden. Wenn man diesen Dachstuhl, wie von einem Experten vorgeschlagen, aus Metall neu baut, würde ich das als fürchterlichen Verlust empfinden. Hoffentlich kommt man im Laufe der Diskussion zum Schluss, dass man das aus Holz rekonstruiert. Die historischen Techniken, zum Beispiel die damaligen Holzverbindungen kann man ja analysieren. Und es werden sich bestimmt genügend Zimmerleute finden, die ihre Hilfe und Erfahrungen einbringen wollen."

Eine Lösung aus Stahl wäre zu hässlich und allenfalls eine Notlösung. 

Mit einem Dachstuhl aus Holz die Geschichte weitererzählen

Der emotionale und geschichtliche Verlust lasse sich nicht wiederherstellen, aber man könne an die Geschichte "anknüpfen und sie weitererzählen. Es wird aber nie so sein wie zuvor und deswegen kann es auch nicht schöner werden als zuvor, wie der französische Präsident Emmanuel Macron es versprochen hat."

Er freue sich aber sehr darüber, dass Geld offenbar keine Rolle spiele. Es seien bisher 900 Millionen an Spenden zusammengekomen. Das sei so nicht zu erwarten gewesen. Er hoffe aber, das dadurch keine übereilten Entscheidungen getroffen werden. 

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