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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.10.2016

Debatte um Erinnerung und GeschichteHambach - umgedeutet von der AfD

Moderation: Hans-Joachim Wiese und Liane von Billerbeck

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Luftaufnahme des Hambacher Schlosses, wo 1832 das Hambacher Fest stattfand (dpa / Thomas Muncke)
Hambacher Schloss (dpa / Thomas Muncke)

Der Historiker Jörn Leonhard hält Hambach als nützlichen Erinnerungsort für AfD ungeeignet. Bei genauer Betrachtung des dort gefeierten Hambacher Festes finden sich wenige Gründe für die AfD, ausgerechnet hier ihre Idee vom "Nationalstaatlichen Gehäuse" zu feiern.

Für den Historiker Jörn Leonhard ist die Tagung, welche die rheinland-pfälzische AfD-Landtagsfraktion am Freitag auf dem Hambacher Schloss abhält, ein schlichter Versuch, an "eine Art nationalpatriotische Tradition in der deutschen Geschichte anzuknüpfen". Dabei werde klar gestellt, dass man hier "anschließe an die anti-napoleonischen Befreiungskriege 1813, über das Hambacher Fest zur Revolution 1848", sagte der Geschichtswissenschaftler im Deutschlandradio Kultur.

Hier versuche die Partei "geschichtspolitisch aus dieser Traditionslinie Kapital zu schlagen". Allerdings könne man genau an diesem Beispiel auch erkennen, wie "schief es gehen muss, wenn man einfache Botschaften mit Funden aus dem Steinbruch der Geschichte versucht zu legitimieren", sagte Leonhard.

Hambach - Feier der demokratischen Solidarität in ganz Europa

Der Wissenschaftler wies darauf hin, dass beim Hambacher Fest eine Vielzahl von Forderungen verhandelt wurde. "Da geht es auch um Presse- und Meinungs- und Versammlungsfreiheit, aber da werden gerade von [den beiden Mitinitiatoren des 1832 veranstalteten Hambacher Festes -, Johann Georg August - d.R.] Wirth und [Philipp Jakob - d.R.] Siebenpfeiffer vor allen Dingen die anderen demokratisch-verfassten Völker in Europa hochgefeiert: Polen, aber auch Griechen, da geht es um die Feier der demokratischen Solidarität in ganz Europa." Und diese passe "eigentlich nicht zu dieser dauerhaften Betonung des Nationalstaatlichen Gehäuses, wie wir es bei der AfD finden", betonte Leonhard.

"Man benutzt dieses Signum, diesen symbolischen Erinnerungsort Hambach, um eigene politische Agenden provozierend vorzutragen aber für eine einfache Traditionsstiftung eignet sich dieser Ort für die AfD aus der Sicht eines Historikers jedenfalls nicht", sagte Leonhard. 

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