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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 06.08.2018

Debatte über zivile Dienstpflicht"Das ist natürlich eine Art Freiheitsentzug"

Margarete van Ackeren im Gespräch mit Marcus Pindur

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Der Bundesfreiwilligendienstleistende Jannik-Lasse Brandt öffnet für eine alte Frau einen Briefkasten. (imago / photothek)
Bundesfreiwilligendienstleistender Jannik-Lasse Brandt bei der Arbeit. (imago / photothek)

Sollen jungen Menschen für soziale Tätigkeiten dienstverpflichtet werden? Diese Frage wird kontrovers diskutiert. Die Focus-Journalistin Margarete van Ackeren glaubt, dass sich eine solche "Dienstpflicht" nur schwer begründen lässt - und setzt auf einen anderen Vorschlag.

Neben einer Wiedereinführung der Wehrpflicht wird derzeit auch eine allgemeine zivile Dienstverpflichtung für junge Frauen und Männer diskutiert. Diese hat in allen Parteien Skeptiker, aber auch Befürworter.

Unser Studiogast Margarete van Ackeren nannte es aber "gefährlich", wenn junge Leute gleichsam als "Lückenbüßer" zur Arbeit herangezogen werden würden. 

"Als Lückenbüßer zu fungieren, ist überhaupt kein Grund"

Niemand möchte vermutlich in seinem angestammten Job Kolleginnen oder Kollegen haben, die zu der Tätigkeit mehr oder weniger gezwungen würden, sagte die Chefreporterin von Focus Online in unserem Programm. Auch die Begründung für die dazu notwendige Verfassungsänderung dürfte schwerfallen, meinte sie.

"Das ist natürlich eine Art Freiheitsentzug, wenn ich jemanden wirklich zwinge, ein Jahr für den Staat in die Waagschale zu legen. Dann muss es dafür wirklich gute Gründe geben. Und einfach als Lückenbüßer zu fungieren, ist überhaupt kein Grund, weil der Staat auf einem normalen – ganz normalen Wege – Profis einsetzen muss, die auf den entscheidenden Feldern, ob das jetzt Feuerwehr ist oder Gesundheit, ihre Arbeit leisten."

Was stärkt die Gesellschaft?

Andererseits sei es eine Überlegung wert, ob ein solches Dienstjahr, beispielsweise in der Pflege oder in sozialen Berufen, die Verbindung zum eigenen Land stärke und auch integrative Kraft habe.

Hier verwies van Ackeren auf die ohnehin - mit 39.000 jungen Menschen im Bundesfreiwilligendienst - nicht geringe Zahl an sozial Engagierten. Ein Kompromiss könne es sein, den Bundesfreiwilligendienst attraktiver zu machen, um noch mehr junge Menschen dafür zu interessieren. So könnten etwa für ein solches Engagement Punkte für einen Medizinstudienplatz vergeben werden.

(huc)

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