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Fazit | Beitrag vom 19.12.2020

Debatte über BDS-Bewegung"Antizionisten interessieren sich nicht für Palästinenser"

Mirna Funk im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Die Bewegung BDS beim Radical Queer March in Berlin 2019. (imago images / Christian Mang)
Die Bewegung BDS ist ungemein vielfältig. Hier nehmen Aktivisten am Radical Queer March 2019 in Berlin teil. (imago images / Christian Mang)

Für die deutsch-jüdische Schriftstellerin Mirna Funk ist die Bewegung BDS "zutiefst antisemitisch". Dass sich gerade viele Deutsche für den BDS stark machen, sei dem deutschen Wunsch geschuldet, "aus dieser Rolle des Nazi-Enkels herauszukommen".

"Selbstverständlich lassen sich die Deutschen ihre Kritik an Israel nicht verbieten", sagt die deutsch-jüdische Schriftstellerin Mirna Funk über die "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit", die sich gegen einen Bundestagsbeschluss aus dem Jahr 2019 wendet. 

"Aber noch schlimmer wird es für sie offensichtlich, wenn sie für diese Kritik nicht mehr bezahlt werden, denn darum geht es ja eigentlich in dem Bundestagsbeschluss", so Funk weiter.

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In dem Bundestagsbeschluss werden die Ziele und Methoden der Bewegung BDS (Boycott, Divestment and Sanction) als grundsätzlich antisemitisch eingestuft. Kommunen und Institutionen wurden in dem Beschluss aufgefordert, Veranstaltungen mit Bezug zu der Initiative keine öffentlichen Gelder und Räume zur Verfügung zu stellen. 

Auch für Funk ist BDS "zutiefst antisemitisch, völlig ohne Einschränkung", wie sie sagt. Dafür reiche schon ein Blick in deren Charta.

Leid der Palästinenser ist nur ein Vorwand

Die "Initiative GG 5.3" wurde zuletzt von Hunderten Künstlern, Schriftstellerinnen und Forschenden aus der ganzen Welt unterstützt, darunter auch israelische Wissenschaftler wie Moshe Zuckermann. Diese haben sich nun auch in einem offenen Brief zu Wort gemeldet. 

Dass die Initiative GG 5.3 in der Bundestagsentscheidung eine "Einengung des Diskursraums" sieht, kann Funk indes nicht nachvollziehen:

"Sie können alles sagen, was sie wollen. Das machen sie seit Jahren, sie schreiben darüber. Wo ist denn da die Meinungsfreiheit in Gefahr?", wirft Funk ein. Man dürfe zwar niemanden mehr mit staatlichen Fördergeldern bezahlen, der das Existenzrecht Israels abspricht, das sei aber für Deutschland absolut legitim. 

Das vermeintliche Eintreten für die Sache der Palästinenser sei nur ein Vorwand, so Funk: "Deutsche Antizionisten interessieren sich nicht für das Leid der Palästinenser."

Innerhalb Israels werde mit heftigen Worten über die politische Situation diskutiert, sagt die Schriftstellerin: "Es braucht wirklich niemanden, der Israel dazu auffordert, die eigene Politik zu hinterfragen."

Deutsche Obsession mit Israel

Dass nun so heftig über BDS diskutiert wird, hängt nach Funks Ansicht damit zusammen, "dass die Antisemitismusdebatte in den letzten Jahren enorm ins Zentrum gerückt ist". Nun müsse sich "jeder Einzelne mit seinem eigenen Antisemitismus auseinandersetzen" und zwar "das erste Mal in seinem Leben", sagt Funk. "Dazu gehört auch diese unsägliche Obsession mit einem Land, das gerade einmal so groß wie Hessen ist", sagt Funk.

Diese Identifikation mit dem "vermeintlichen Leid der Palästinenser" sei dem deutschen Wunsch geschuldet, "aus dieser Rolle des Nazi-Enkels herauszukommen". Doch daraus gebe es kein Entkommen, "weil das keine Rolle ist", so Funk.

Warum gibt es nicht mehr Engagement gegen Antisemitismus?

Dabei gebe es in Deutschland durchaus innenpolitische Probleme, die Juden beträfen, die man angehen müsste, erklärt die Schriftstellerin. Gemeint ist die Zunahme an antisemitischen Vorfällen und Übergriffen in den vergangenen Jahren. Eine aktuelle Umfrage ergebe zudem, so Funk, dass "81 Prozent der Deutschen glauben, ihre Großeltern und Urgroßeltern hätten nichts von der Judenvernichtung gewusst – und das interessiert offensichtlich niemanden in diesen hohen Positionen".

Denen sei es wichtiger, den einzigen Zufluchtsort für die übrig gebliebenen Juden auf dieser Welt zu kritisieren und dafür dann auch noch Geld zu bekommen, sagt Funk. "Das verstehe ich nicht."

(ckr)

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