Debatte über Autonomie der Kunst in Sachsen-Anhalt

    Arne Semsrott im Deutschlandfunk Kultur Studio 9.
    Arne Semsrott im Deutschlandfunk Kultur Studio 9. © Deutschlandradio
    In Sachsen Anhalts Hauptstadt Magdeburg sorgt eine Veranstaltung mit dem Journalisten und Demokratie-Aktivisten Arne Semsrott für eine Debatte über die Autonomie der Kultur. Eigentlich hätte Semsrott Anfang Juni in der Stadtbibliothek aus seinem neuen Buch über die "Macht der Zivilgesellschaft" lesen sollen, doch dann wurde er wieder ausgeladen. Aus politischen Gründen, um Kritik der AfD zuvorzukommen, vermutet der Autor, der das Rechercheportal "FragDenStaat" leitet, das unter anderem für die Veröffentlichung der NSU-Akten des Verfassungschutzes gesorgt hat. Die Stadt Magdeburg weist den Vorwurf zurück. Die Lesung sei nicht abgesagt, sondern lediglich verlegt worden. Sie findet jetzt an einem privaten Veranstaltungsort, im Kulturhof Moritzhof, statt. Semsrott hat bei der Stadt einen Antrag auf Akteneinsicht nach dem Informationsfreiheitsgesetz gestellt. Heute Mittag will sich die Oberbürgermeisterin Simone Borris öffentlich äußern. Für die Schriftstellervereinigung PEN wirft der Vorfall kein gutes Licht auf Magdeburg. Es sei, als ob die politisch Verantwortlichen aus Angst vor der AfD quasi deren Kulturpolitik übernähmen, hieß es. PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel bezeichnete den Vorfall als "einen Akt von Feigheit". Gestern war in Sachsen Anhalt die Unterstützung von Kunst und Kultur als Staatsziel erstmals in Form eines Gesetzes verankert worden.