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Tonart | Beitrag vom 07.11.2019

DDR-Jugendsender DT64Ostradio, das ein bisschen nach Westen klang

Olaf Leitner im Gespräch mit Oliver Schwesig

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Ein DJ an Plattentellern im Studio von DT64 (picture-alliance/dpa-Zentralbild/Jan Bauer)
Im Jahr 1991 demonstrierten Hörer dafür, dass das Jugendradio DT64 erhalten wird und weiter sendet. (picture-alliance/dpa-Zentralbild/Jan Bauer)

Fast 30 Jahre lang versorgte der Radiosender DT64 die Jugend der DDR mit Popmusik – aus dem Osten wie aus dem Westen. Der Musikjournalist Olaf Leitner erzählt, wie dabei getrickst wurde und wie die Musik geklungen hat.

Ob es denn wirklich nötig sei, jeden Dreck, der vom Westen rüberkomme, zu kopieren, fragte in den 60er-Jahren Walter Ulbricht, doch gerade im Hinblick auf die "Monotonie des Je-Je-Je" lautete die Antwort der Jugend ganz klar: Ja. Eine wichtige Institution, um dieses Bedürfnis nach Musik zu befriedigen, war der Jugendsender DT64, gegründet zum Deutschlandtreffen der Jugend im Jahr 1964, daher auch der Name. Der Sender blieb bis nach der Wende erhalten und ging dann in Sputnik vom MDR auf.

Warum wurde DT64 so erfolgreich? "Weil sie was geliefert haben, was vorher im Rundfunk der DDR nicht war, nämlich Populärmusik", sagt der Musikjournalist Olaf Leitner. "Und da hat man durchaus auch eigene Anteile gehabt. Da gab es genauso viele gute Musiker wie bei uns. Da hat man sich Musiker ausgesucht, die ein bisschen nach Westen klangen. Und man hat Dichter rangekarrt und gesagt: Pass mal auf, ihr dürft da diese komische Musik machen, aber ihr müsst wenigstens Deutsch singen." Später hätten die Musiker ihre eigenen Texte geschrieben. "Und da sind fantastische Sachen rausgekommen."

Ost-Musik von guter Qualität

Doch zunächst war DT64 eine von oben gelenkte Gründung. Man habe zwar Platten aus dem Westen spielen, aber nicht anschaffen dürfen. "Da haben sie einfach den RIAS mitgeschnitten und viele Titel selber gesendet", sagt Leitner.

Politik habe nur indirekt eine Rolle gespielt, sei aber später durch progressive Bands ins Programm getragen worden, die sich getraut haben, Kritik anzuwenden. Später wurden auch Themen wie Republikflucht zur Sprache gebracht.

Die Popmusik der DDR habe ähnlich geklungen wie im Westen, auch da habe es eine Art Neue Deutsche Welle mit Punk-Einflüssen gegeben. "Auf allen Gebieten war gute Qualität in den Songs zu hören", sagt Leitner. Es seien sogar außergewöhnlich gute Talente zu hören gewesen.

(leg)

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