Seit 19:05 Uhr Oper
Samstag, 25.09.2021
 
Seit 19:05 Uhr Oper

Kompressor | Beitrag vom 10.10.2016

David Schalko zum Rechtspopulismus "Wir leben in einer Neidgesellschaft"

David Schalko im Gespräch mit Christiane Watty

Der Regisseur, Autor und Filmproduzent David Schalko (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)
Der Regisseur, Autor und Filmproduzent David Schalko (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)

In ganz Europa herrsche eine "seltsam latente Unzufriedenheit", sagt der österreichische Regisseur David Schalko über das Phänomen das Rechtspopulismus. Sorgen und Ängste der Menschen seien auch auf Enttäuschungen über das Leben im "Extrem-Kapitalismus" zurückzuführen.

Der MDR hat heute über eine Umfrage zu den Beschimpfungen und Ausschreitungen während der Proteste am Tag der Deutschen Einheit in Dresden vorgestellt: Danach fanden 80 Prozent der Deutschen dieses Verhalten nicht angemessen, 15 Prozent fanden es richtig - und dem Rest ist alles egal.

Im Ost-West-Vergleich zeigen sich Unterschiede: Im Osten beurteilten 22 Prozent der Befragten diese Form der Proteste als nicht so schlimm; im Westen waren es nur 13 Prozent. Woher kommt diese Stimmung speziell im Osten Deutschlands? Woher kommt die latent ausländerfeindliche Haltung von bestimmten Gruppen?

Probleme für Psychologen, nicht für Politologen

Der österreichische Regisseur David Schalko hat sich gerade auf einer Konferenz in Dresden zu den Themen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus geäußert:

"Ich glaube, das ist in ganz Europa ähnlich. Es gibt so eine seltsam latente Unzufriedenheit, die nicht ganz genau zuordnungsbar ist. Man hat das Gefühl, dass es sich um Probleme handelt, die nicht für Politologen gedacht sind, sondern für Psychologen. Weil es eigentlich eine Zeit ist, in der es den Leuten tendenziell besser geht als vor 20 Jahren."

Seiner Meinung nach habe dieses Phänomen auch mit dem "Extrem-Kapitalismus" zu tun, mit Enttäuschungen über damit zusammenhängende, uneingelöste Verheißungen:

"Dass wir in einer Neidgesellschaft leben, die sich in einer sehr schnellen Spirale selbst befruchtet. Und der Neid wird eigentlich ständig erhöht. Und dass das dann solche Systeme, solche Befindlichkeiten einfach hervorruft."

"Die DDR-Kultur ist aus dem Osten rausgelöscht worden"

Mit solchen Themen hat sich Schalko etwa in seinen Serien "Braunschlag" oder "Altes Geld" befasst. Eine Stimmung der Sorge und Angst - besonders in Ostdeutschland - hänge auch mit einer bestimmten Frustration zusammen:

"Das ständige Gefühl, dass man gedemütigt wird, hat sehr viel mit dieser Neidgesellschaft zu tun. Wenn man in einer Gesellschaft lebt, in der man dem anderen ständig vorgaukeln muss, dass man das bessere Leben hat als der andere hat, dann spielt das eine riesige Rolle. Man muss sich aber gleichzeitig fragen: Warum ist das im Osten stärker als im Westen? Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass man die DDR-Kultur auch aus dem Osten so rausgelöscht hat – dieses Gefühl, dass einem eine Kultur abhanden kommt und sie keine Daseinsberechtigung mehr hat."

Mehr zum Thema

Berichten über Rechtspopulismus - Wie umgehen mit der AfD?
(Deutschlandradio Kultur, Redaktionsgespräch, 24.09.2016)

Fremdenhass - "Wo die Menschen mitgenommen werden, passiert so was gar nicht"
(Deutschlandfunk, Interview, 21.09.2016)

Interview der Woche - Oettinger fordert gemeinsame Stimme für EU
(Deutschlandfunk, Interview der Woche, 18.09.2016)

Mein Klassiker - David Schalko über "Achteinhalb" von Federico Fellini
(Deutschlandfunk, Corso, 16.02.2016)

David Schalkos "Kimberly" in Köln - Singspiel mit Pseudotiefsinn
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 11.12.2015)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Fazit

50. Art BaselEin nachgeholtes Jubiläum und mehr Ruhe
Auf zwei Holzbooten sind übergroße schwarz-weiß Porträts angebracht. (Art Basel)

Die 50. Art Basel hätte eigentlich letztes Jahr stattfinden sollen. Nun läuft sie, und immer noch ist Corona ein Thema: Nur wenige Sammler aus Amerika und Asien sind zugegen. Die Messe fühle sich an wie vor 15 Jahren, so die Kritikerin Elke Buhr.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur