Montag, 14.10.2019
 

Fazit | Beitrag vom 19.06.2019

David Mamets Stück "Bitter Wheat" Nichts Neues über Harvey Weinstein

Marten Hahn im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Das Foto zeigt den US-Schauspieler John Malkovich im Anzug in der Rolle des Filmmoguls Barney Fein. Er beugt sich zu einer jungen Schauspielerin, die vor ihm auf einem Sofa sitzt. Es ist die Schauspielerin Ioanna Kimbrook in der Rolle der Yung Kim Li. Es ist eine Szene aus dem Stück "Bitter Wheat" von David Mamet. Das Stück wird am Garrick Theatre in London aufgeführt.  (picture alliance /dpa/Justin Ng/Retna/Avalon/Photoshot)
Fies wie das Vorbild Harvey Weinstein: John Malkovich als Barney Fein in David Mamets "Bitter Wheat". Daneben Schauspielerin Ioanna Kimbrook als Yung Kim Li. (picture alliance /dpa/Justin Ng/Retna/Avalon/Photoshot)

Theaterautor David Mamet hat die #MeToo-Debatte um Harvey Weinstein auf die Bühne gebracht. John Malkovich spielt in "Bitter Wheat" das sexsüchtige Raubtier so böse wie komisch. Dennoch enttäusche die konventionelle Inszenierung, meint unser Kritiker.

Er heißt auf der Bühne Barney Fein – ist aber unschwer als Harvey Weinstein zu erkennen: Der amerikanische Dramatiker und Regisseur David Mamet hat die #MeToo-Debatte in seinem neuesten Stück "Bitter Wheat" verarbeitet, das ebenfalls in der Filmbranche spielt. Zu sehen ist die Inszenierung jetzt im Londoner Garrick Theatre.

Der Dramatiker David Mamet, 2018 bei einer Podiumsdiskussion in Los Angeles. Mamet hat graues Haar und trägt über seinem weißen Hemd ein Sakko. Er sitzt auf einem Stuhl. (imago stock&people/ZUMA Wire)Verarbeitete die #MeToo-Debatte in "Bitter Wheat":der Dramatiker David Mamet. (imago stock&people/ZUMA Wire)

Starschauspieler John Malkovich spielt diesen Filmmogul Barney Fein "als Machtmensch und Arschloch" – sehr unterhaltsam und witzig aufgezogen: "Jeder zweite Satz ist eine Beleidigung, jeder dritte eine Pointe", sagt Theaterkritiker Marten Hahn. Das Stück füge jedoch dem, was die Öffentlichkeit über Harvey Weinstein schon wisse oder zu wissen glaube, nichts Neues oder Überraschendes hinzu, bedauert Hahn.

Zu konventionell erzählt

Das aus Hahns Sicht größte Problem: "Das Stück ist sehr konventionell erzählt." Als sehr unglücklich empfindet der Kritiker zudem, dass ausgerechnet in einem Stück, das die sexuelle Belästigung von Frauen thematisiere, die männliche Hauptrolle alle Lacher kassiere, während die weiblichen Darstellerinnen (Ioanna Kimbrook, Doon Mackichan) "nur Stichwortgeber sind".

Hahns Fazit: "Ich glaube schon, dass Malkovichs Talent abgefordert und auch eingebracht wurde – Malkovich hat ja eine enorme Bühnenpräsenz. Aber ich hätte einfach ein bisschen mehr Komplexität erwartet. Zwei Stunden zu lachen über sexuellen Missbrauch, ist mir an der Stelle zu wenig."

(mkn)

Weitere Aufführungen im Londoner Garrick Theatre bis zum 14. September 2019.

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