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Kompressor | Beitrag vom 22.01.2020

David Lynchs "What did Jack do?"Ein des Mordes verdächtiges Äffchen

Patrick Wellinski im Gespräch mit Shanli Anwar

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Porträt eines Affen im Anzug (Netflix / Jack Cruz)
Ein Äffchen, das mit der Stimme des Regisseurs David Lynch spricht. (Netflix / Jack Cruz)

Ein Äffchen wird verhört: Hat es einen Mord begangen? Der Kommissar: Regisseur David Lynch selbst. Sein 2016 entstandener Kurzfilm "What did Jack do?" wurde nun bei Netflix veröffentlicht. Absurd und surreal, meint Filmkritiker Patrick Wellinski.

Ein Affe ist des Mordes verdächtig und wird verhört. Das putzige Kapuzineräffchen soll aus Eifersucht einen Hahn ermordet haben. Der Kommissar am Verhörtisch gegenüber wird von Regisseur David Lynch gespielt. Zu sehen ist dieser 17-minütige Kurzfilm "What did Jack do?" von David Lynch selbst nun auf der Plattform Netflix.

Eine "surreale Situation", meint Filmkritiker Patrick Wellinski, die durch den Dialog zwischen Kommissar und Affe noch vertieft werde. "Denn der Affe antwortet in zusammenhanglosen Sentenzen, die auf mysteriöse Weise zu nichts führen, witziger Weise."

Referenz an "Twin Peaks"

Der Charakter des Kommissars erinnere an Gordon Cole, den Vorgesetzten von FBI-Agent Cooper in der Kultserie "Twin Peaks" von Lynch: eine Art Drahtzieher und Schattenfigur im Hintergrund. "Er ist schwerhörig, weswegen er immer sehr laut spricht, und missversteht immer alles, was man ihm sagt, was zu absurden Dialogen führt."

Das Absurde werde aber sowohl in der Serie als auch in diesem neuen Kurzfilm nie thematisiert, so Wellinski. "Und für mich war der ganze Kurzfilm so eine Art Traum von Gordon Cole, wo er quasi sich selbst den Dialog dem Affen in den Mund legt."

Denn wer bei dem Film genau hinsieht, erkennt: Der Mund des Affen wurde digital bearbeitet, sodass er mit dem Mund (und auch der Stimme) David Lynchs spricht. Der Regisseur spricht in dem Kurzfilm also letztendlich mit sich selbst.

Ist eine Netflix-Kooperation mit David Lynch geplant?

Der Kurzfilm ist nicht neu, sondern wurde bereits 2017 veröffentlicht. Dass er jetzt auf Netflix zu sehen ist, führt zu Spekulationen in der Filmwelt: "Es wird schon länger gemutmaßt, dass Netflix daran interessiert ist, mit David Lynch zusammenzuarbeiten", sagt Wellinski. Auch die Tatsache, dass der Kurzfilm an Lynch Geburtstag (am 20. Januar) veröffentlicht worden ist, lasse viele vermuten, Lynch plane ein großes Projekt mit Netflix.

"Vielleicht ja sein legendäres, unverfilmtes Drehbuch mit dem Titel 'Antilope rennt nicht mehr', wo es um Außerirdische und einen bedrängten Musiker in Los Angeles geht", mutmaßt Wellinski.

(lkn)

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