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Fazit / Archiv | Beitrag vom 21.07.2010

Dauerprovisorium an der Spree

Ausstellung "Einblicke" der Stiftung Berliner Schloss

Von Claudia van Laak

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Die Fassade des Stadtschlosses in Berlin im Jahr 1950 (AP Archiv)
Die Fassade des Stadtschlosses in Berlin im Jahr 1950 (AP Archiv)

Geliebt, gehasst, verschoben: Nach den Sparbeschlüssen der Regierung verzögert sich der umstrittene Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Eine Ausstellung gibt nun immerhin einen Vorgeschmack auf das geplante Humboldtforum in der barocken Hülle.

Bloß keine Zweifel aufkommen lassen - diesem Zweck dient die kleine Ausstellung im Kronprinzenpalais neben der grünen Stadtschloss-Wiese. Bloß keine Zweifel aufkommen lassen - diesem Zweck diente auch der Auftritt von Architekt Franco Stella gemeinsam mit künftigen Nutzern des Humboldtforums im Schloss und Vertretern der Bundesregierung. "Wir stehen ohne Wenn und Aber zum Schloss", sagt Rainer Bomba, CDU-Staatssekretär im Bundesbauministerium.

"Wir werden in dieser Legislaturperiode mit dem Bau des Schlosses beginnen... schönes Schloss mit Barockfassade und natürlich auch mit einer Kuppel."

Nach dem Sparbeschluss der Bundesregierung hieß es: Baubeginn 2014, jetzt verkündet das Bundesbauministerium: Beginn 2013. Und bereits 2012 soll mit der Befestigung des Untergrunds begonnen werden, Geld dafür sei bereits im Bundeshaushalt eingestellt. Welchem Zweck dient dann eigentlich der Beschluss der Bundesregierung, wenn erstens kein Geld eingespart wird - die Kosten werden nur in die Zukunft verlagert - und zweitens jetzt doch schon 2012 mit Vorarbeiten begonnen werden soll? Die Antwort ist klar: Der Sparbeschluss ist reine Symbolpolitik. "Wer das Elterngeld kürzt, kann jetzt kein Schloss bauen" - das hat Angela Merkel erkannt - und auch der beauftragte Schloss-Architekt Franco Stella.

"Die Nachricht hat mich nicht besonders erfreut, aber in diesem Zusammenhang macht das Sinn, hat eine symbolische Bedeutung, die auch für die Politik wichtig ist."

Die kleine Verzögerung ist wichtig für die Politik, aber nicht für die Bauplanung und den Ablauf, sagt Franco Stella, der bei der Ausstellungseröffnung mit den künftigen Nutzern plaudert, sich die Kopie einer Maori-Keule aus dem 19.Jahrhundert erklären lässt und die Modelle von indianischen Totempfählen - Stücke aus den außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die nach Fertigstellung des Berliner Stadtschlosses einen Teil des Humboldtforums bilden. Weitere Nutzer werden die Humboldt-Universität und Berlins Zentral- und Landesbibliothek sein - im so genannten Humboldtforum sollen die Bereiche Kunst, Musik und Film untergebracht werden sowie die Kinder- und Jugendbibliothek.

Bislang hatte nur die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Bauverzögerung beklagt: Die außereuropäischen Sammlungen sind derzeit in stark sanierungsbedürftigen Gebäuden im Südwesten Berlins untergebracht. Weder die Lage noch der Zustand der dortigen Museen entsprechen der Bedeutung dieser Sammlungen. Heute wurde klar: Auch die Bibliothek wartet dringend auf den Umzug in das Humboldtforum. Claudia Lux, Generaldirektorin der Zentral- und Landesbibliothek:

"Wenn Sie mal bei uns vorbeikommen, können wir Ihnen das gleiche zeigen, wo das Wasser wieder reinkommt, ... die Probleme sind bei uns mindestens so groß, wir machen nur Notmaßnahmen."

Ein Problem für die Bauherrin, die Stiftung Berliner Schloss: Das bürgerschaftliche Engagement für den barocken Bau geht derzeit gegen Null - und damit sinkt die sowie nur geringe gesellschaftliche Akzeptanz für das Schloss weiter ab. Wer spendet schon für den Wiederaufbau eines barocken Schlosses, wenn selbst die Bauherren einen schnellen Baubeginn für nicht wichtig halten und damit Zweifel nähren, ob überhaupt jemals gebaut wird. Mit der demonstrativen Verkündung: "Wir bauen auf jeden Fall" und mit der heute eröffneten Ausstellung über Sinn und Zweck des Humboldtforums will Manfred Rettig, Sprecher des Vorstands der Stiftung Berliner Schloss, die Spendenbereitschaft wieder ankurbeln.

"Der erste Beschluss hat dazu geführt, dass man sich Zahlungen überlegt hat, die Zeiten sind jetzt vorbei, weil jetzt klar ist, dass gebaut wird, ... ich gehe davon aus, dass dieses bürgerliche Engagement wieder massiv entstehen wird."

Und das ist auch nötig, damit das Schloss kein profanes Flachdach erhält, sondern die ursprüngliche barocke Kuppel. Die dafür benötigten 16 Millionen Euro müssen von privaten Spendern aufgebracht werden.

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Symbolischer Aktionismus
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Nichts gespart

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