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Im Gespräch | Beitrag vom 23.11.2019

Dauerbaustelle PflegeWie ist gute Pflege möglich?

Christel Bienstein und Frank Schumann im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Einblicke in die häusliche Pflege von Angehörigen in der eigenen Familie bei einer Demenzerkrankung. Ein Frau wäscht mit einem Lappen die Hand von einem älteren Mann. (imago/Martin Wagner)
Einblicke in die häusliche Pflege von Angehörigen in der eigenen Familie bei einer Demenzerkrankung. (imago/Martin Wagner)

3,5 Millionen Menschen sind hierzulande pflegebedürftig. Zwei Drittel werden zu Hause betreut, meist von Angehörigen. Oft belastet die Situation die Familien stark. Wie ist gute Pflege für alle Beteiligten möglich? Diskutieren Sie mit!

Nur nicht ins Heim! Das ist die Angst vieler, wenn sie ans Alter denken. Aber wie werden die vielen Babyboomer dereinst betreut? Schon heute ist jeder Fünfte in Deutschland über 65 Jahre, 2060 könnte es jeder Dritte sein. Und damit steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Von den derzeit 3,5 Millionen werden Zwei Drittel zu Hause gepflegt, die Hälfte von ihnen ausschließlich von Angehörigen.  

Hilfe vom Angehörigenbeauftragten

"Angehörige sind der größte Pflegedienst in diesem Land", sagt Frank Schumann. Leiter der Fachstelle für pflegende Angehörige im Diakonischen Werk Berlin. Sie ist deutschlandweit die einzige Stabsstelle in diesem Bereich. Er ist zudem im Vorstand der Interessenvertretung "wir pflegen e.V.". Der ehemalige Krankenpfleger sieht sich als "Angehörigenbeauftragter". Seine Erfahrung: "Häufig ist das Problem, dass weder die Pflegebedürftigen noch die Angehörigen wissen, was ihnen zusteht und wo sie Hilfe bekommen können."

Es gebe zwar eine ganze Palette an Unterstützungsangeboten; diese seien aber oft mit hohen bürokratischen Hürden verbunden oder für Laien schwer durchschaubar. Frank Schumann weiß aus eigener Erfahrung, wie zermürbend die Auseinandersetzungen um Pflegeleistungen sein kann; gemeinsam mit seiner Frau hat er seinen Schwiegervater mehrere Jahre gepflegt. Seine Mahnung: Nicht selten geraten Angehörige in die soziale Isolation, sind erschöpft, vom Burnout bedroht. "Überspitzt gesagt, sind überforderte Helferinnen und Helfer die Pflegebedürftigen von morgen."

Pflege am Limit

"Pflege muss endlich wieder zu einem Beruf werden, den man aus voller Überzeugung empfehlen kann", sagt Prof. Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe. "Die zunehmende Arbeitsverdichtung und der mit einhergehende Stress, den Unterbesetzung in Altenheimen und Kliniken mit sich bringen, führt dazu, dass sich immer mehr zurückziehen." Schon heute fehlen je nach Schätzung 35.000 bis 100.000 Fachkräfte. In den Altenheimen liegt der Anteil der Teilzeit bei 70 Prozent, in den Krankenhäusern sind es 50 Prozent. Viele arbeiten ständig am Limit, die psychische Belastung steigt. Die Folge: Pflege im Minutentakt, die Klagen über Missstände in den Heimen reißen nicht ab.

Wie ist gute Pflege möglich?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer am Sonnabend von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Christel Bienstein und Frank Schumann. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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