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Interview | Beitrag vom 12.10.2020

Datingshow "Prince Charming"Schwules Leben sichtbar machen

Markus Ulrich im Gespräch mit Ute Welty

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Alexander Schäfer steht im Anzug auf dem Rand eines Pools, im Hintergrund die Berge (TVNOW / Arya Shirazi)
"Prince Charming" Alexander Schäfer sucht in der neuen Staffel der Datingshow seinen Mr. Right. (TVNOW / Arya Shirazi)

Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland begrüßt den Start der zweiten Staffel der Gay-Datingshow "Prince Charming". Es gehe um die Sichtbarkeit schwuler Sexualität in der Gesellschaft, sagt er - auch mit Blick auf Friedrich Merz.

Mit einem Grimme-Preis wurde die erste Staffel der schwulen Datingshow "Prince Charming" ausgezeichnet, jetzt gibt es eine Fortsetzung: Ab Montag geht "Prince Charming" Alexander Schäfer in Kreta auf die Suche nach seinem Mr. Right. Zur Auswahl stehen 20 Single-Männer, und zu sehen ist das Ganze ab Montag beim RTL-Streamingdienst TVnow und ab 26.10. dann auch auf Vox.

Natürlich bilde ein solches Reality-TV-Format die Vielfalt schwuler Lebenswirklichkeit nur beschränkt ab, räumt Markus Ulrich ein, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD). 

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Gleichwohl begrüßt er, dass es mit "Prince Charming" weitergeht, denn bei aller Kritik an solchen TV-Formaten gehe es hierbei auch um "schwule Sichtbarkeit, auch um eine Sichtbarkeit von schwuler Sexualität. Und das ist gar nicht so alltäglich."

Friedrich Merz' Äußerungen "extrem schwierig"

Und vielleicht ist es auch nicht unbedingt gewünscht? Mit Blick auf die jüngsten Äußerungen von Kanzlerkandidatenaspirant Friedrich Merz (CDU) zu Homosexualität, die sexuelle Orientierung sei kein Thema für die öffentliche Diskussion - sofern sie sich im Rahmen der Gesetze bewege, sagt Ulrich: Dahinter stehe eine Idee davon, mit Homosexualität möglichst nicht öffentlich belästigt zu werden. Das finde er "extrem schwierig, wenn so eine Person durchaus reelle Chancen hat, neuer Kanzler zu werden".

Umgekehrt sei Heterosexualität ständig öffentlich sichtbar: "Es ist allgegenwärtig, und heterosexuelle Menschen outen sich auch in einer Tour, wenn sie an der Wursttheke erzählen, dass sie noch für ihren Mann 100 Gramm Bierschinken kaufen wollen, weil es dem so schmeckt, oder bei der Floristin gesagt wird: Oh, da wird sich Ihre Freundin aber freuen!", so der LSVD-Sprecher.

"Das sind alles Momente, wo man über Sexualität redet, nämlich über Heterosexualität, und die ist extrem öffentlich."

(uko)

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