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Plus Eins | Beitrag vom 15.09.2019

Dating-Portale, ein Sauerteig und die Sharing EconomyAuch Hefepilze haben ihre Geschichte

Moderation: Caro Korneli

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Ein Paar bereitet gemeinsam den Teig für ein Gebäckstück vor. (Eyeem / Jenna Hidinger)
Backen, dazu nett plaudern und ein Glas Wein. (Eyeem / Jenna Hidinger)

Hermann ist der Name eines Sauerteigs, der auf einer langen Reise durch deutsche Küchen ist. „Plus Eins“ begleitet ihn auf seinem Weg. Außerdem in dieser Woche: eine Geschichte über Liebe und Illusion im Zeitalter digitaler Partnerbörsen.

Es beginnt mit einem rätselhaften Paket, das in Berlin vor der Haustür einer Familie liegt. Sind es die Zutaten für einen Teig? "Wir backen das jetzt", entscheidet der Vater. Die Kinder sind nicht einverstanden: "Aber es lebt." Was jetzt? Die Kinder haben eine Idee: "Wir bewahren ein Stück davon auf und geben es Marie. Die hat Liebe für Tiere."

Hermann ist kein Tier, sondern ein lebender Teig

Hermann ist kein Tier, aber er ist auch nicht einfach nur ganz gewöhnlicher Teig. Es ist ein Sauerteig mit Hefepilzen, lebenden Kulturen also, die gefüttert werden müssen - und die man vermehren und wie einen Kettenbrief weiterreichen kann.

In den achtziger Jahren - es war die Zeit der Friedensbewegung und der Umweltaktivisten - war Hermann in Deutschland als "Glückskuchen" oder "Glücksbrot" ziemlich erfolgreich. Dann war es eine Zeit lang still um ihn, und jetzt erlebt er in Folge der "sharing economy"-Welle ein kleines Revival.

Stella Luncke und Josef Maria Schäfers haben Hermann und die Hefepilze für "Plus Eins" auf eine Reise geschickt: "Die Menschen sind durch den Teig miteinander verbunden, nicht nur durch's gemeinsame Backen. Da jeder Hermann füttert, trägt auch jeder etwas zum Inhalt des Pilzes bei, und auch die Verantwortung für das Lebewesen wird weitergereicht."

Er hing schließlich allen zum Hals raus

Von Marie aus ist Hermann zunächst zur Großmutter ins Sauerland gewandert, die sich beim Backen mit ihrer Freundin plötzlich im Zweiten Weltkrieg wiederfindet.

Und jetzt - Folge 3 von "Hermann" in der aktuellen Ausgabe von "Plus Eins" - ist der Teig im Wallfahrtsort Werl bei Anette angekommen, die um die sechzig ist, im Kloster arbeitet und Hermann schon von früher kennt: "Hing aber schließlich allen zum Hals raus."

Sie versucht es trotzdem noch einmal, mit ihrer Enkelin Hanna und ihrem achtzigjährigen Vater, der sich noch an die Zeiten erinnern kann, als Teilen normal war: "Früher haben die Bauern auf dem Dorf alle ihr Brot selbst gebacken, aus Sauerteig. Das war ein riesiger Holztrog voll mit Teig, und vor dem Backen wurde eine Portion an den Nachbarn weitergegeben."
 
Alles verändert sich, auch die Liebe. Das ist - zumindest  auf den ersten Blick - in dieser Woche das Thema der langen Geschichte: Heike, Anfang 40 und alleinerziehend, lernt über ein Dating-Portal im Netz Matthias kennen.

Sie ist zunächst ganz froh darüber, dass Matthias im Gegensatz zu den meisten anderen Männern, die sich bei ihr gemeldet haben, nicht sofort auf ein Treffen drängt: "Das war mein erstes halbes Jahr allein, ich war natürlich voller Angst, wie mein Leben weitergeht mit zwei Kindern."

Wer verbirgt sich hinter dem Social-Media-Profil?

Die beiden schreiben sich, schicken Fotos. Heike ist bald richtig verliebt - und eigentlich würde sie Matthias jetzt doch gern einmal treffen. Aber der findet immer wieder neue Ausreden, und wenn sie zu oft nachhakt, bricht er für kurze Zeit den Kontakt ab.

Irgendwann kommen ihr erste Zweifel, und Heike fragt sich, wer sich eigentlich hinter Matthias' Social-Media-Profil wirklich verbirgt. Irgendwann steht das Wort "Fake" im Raum - aber verliebt ist Heike trotzdem: "Ich hab' immer wieder gesagt: Ich glaub' dir nicht. Gib mir ein Zeichen. Mensch, wenn dir wirklich so viel an mir liegt, dann schick mir einen stichfesten Beweis. Ich muss einen Beweis haben, damit ich weiterleben kann."

Und erst damit fängt es an, so richtig kompliziert zu werden.

Die Geschichte von Heike und Matthias ist eine Geschichte über Nähe und Distanz im digitalen Zeitalter - aber sie geht auch weit darüber hinaus. Am Ende geht um eine Frage, die sehr viel älter ist als das Internet und seine Dating-Platformen: Warum entscheiden wir uns, wenn es um die Liebe geht, lieber für eine Illusion als für eine Enttäuschung?

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