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Interview / Archiv | Beitrag vom 21.03.2019

Das Werk des Autors Michael EndeWarum wir die "Unendliche Geschichte" lieben

Julia Voss im Gespräch mit Julius Stucke

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Die Verfilmung der Unendlichen Geschichte, Teil 2, von 1990. Auf dem Szenenfoto sind die Schauspieler Kenny Morrison und Jonathan Brandis  zu sehen. Entsetzt sieht Bastian (Jonathan Brandis,r), dass sein Freund Atreju (Kenny Morrison) verletzt ist. Regie: George Miller (picture alliance/dpa/United Archives/IFTN)
"Die unendliche Geschichte" bot Stoff für mehrere Verfilmungen - hier eine Version von 1990. Natürlich durfte der Glücksdrache Fuchur nicht fehlen. (picture alliance/dpa/United Archives/IFTN)

Vor 40 Jahren erschien Michael Endes "Die unendliche Geschichte". Der Roman bringt bis heute Millionen Leser zum Träumen. Endes Erfolgsrezept: Sympathische Anti-Helden, die über sich selbst hinauswachsen, sagt Literaturjournalistin Julia Voss.

Generationen von Kindern haben sich mit dem einsamen Bastian Balthasar Bux auf den Dachboden geflüchtet und sind in die fantastische Welt eines wunderbaren, dicken Buches abgetaucht: Vor 40 Jahren erschien Michael Endes († 1995) Roman "Die unendliche Geschichte" und wurde sofort ein großer Erfolg.

Dieser Tage wurde Endes Geschichte über Tapferkeit, Freundschaft und den Mut für seine Träume zu kämpfen wieder Thema in der Öffentlichkeit: Das Oberlandesgericht München hat den Erben des Autors das alleinige Recht an dem Buch und dessen Verwertung zugesprochen – inklusive der immer noch sprudelnden Einnahmequelle der Merchandisingprodukte. Fuchur, der  sprechende Glücksdrache als Plüschtier – das verkauft sich offenbar immer noch gut.

Der Kinderbuchautor Michael Ende (u.a. "Momo"; "Die unendliche Geschichte"), aufgenommen auf der Buchmesse in Frankfurt am Main im Oktober 1982.  (picture alliance / dpa / Jörg Schmitt)Der Kinderbuchautor Michael Ende (1929 - 1995). (picture alliance / dpa / Jörg Schmitt)

Der Charme der Anti-Helden

Was macht den großen Charme der "Unendlichen Geschichte" und anderer Romane des Autors bis heute aus – und zwar international? So gab es gerade eine Neuübersetzung ins Englische von "Momo". Literaturjournalistin und Ende-Expertin Julia Voss sagte im Deutschlandfunk Kultur, Michael Ende habe es wunderbar verstanden, einfach strukturierte, dennoch tiefgründige und zeitlose Geschichte über Anti-Helden zu schreiben. "Seine Geschichten sind Umkehrgeschichten mit ganz ungewöhnlichen Helden, die immer große Verantwortung  bekommen. Und am Ende gelingt es ihnen, gegen das Böse, das Materialistische,  gegen das Vereinfachende zu siegen."

Julia Voss sagte weiter, wie Astrid Lindgren habe in Endes Kinder- und Jugendbüchern neben dem Heiteren auch immer das Traurige Platz. Kindheit sei für den Autor, der selbst keine glückliche Kindheit hatte, durchaus eine ernst Angelegenheit gewesen. Das mache seine Bücher bis heute auch für Erwachsene so lesenswert.

Auch die Figur des traurigen, von seinen Mitschülern gemobbten Bastian, der seine Angst überwinde, besondere Fähigkeiten entwickle und über sich selbst hinaus wachse, passe in unsere Zeit: "Im Grunde sind Michael Endes Geschichten so ein bisschen verwandt mit den Superhelden-Geschichten und zwar mit den dunklen Superhelden-Geschichten von Marvel." Anders als bei Marvel gehe es aber bei Michael Ende nicht um physische Überlegenheit, sondern um geistige.

(mkn)

Michael Ende, "Die unendliche Geschichte"
Thienemann Verlag, Auflage von 2004
480 Seiten, 20 Euro

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