Das Web lernt sprechen
Das Internet ist bis heute weitgehend stumm. Die Seiten bestehen in der Regel aus Text und Bildern. Damit sich das ändert, hat eine Berliner Firma eine Technik entwickelt, mit der Webseiten sprechen lernen. Was und wie sie erzählen, kann jeder Nutzer selber bestimmen.
"Hello and welcome. Would like to be addressed in English, German or Japanese? Please select the language of your choice.”
"Herzlich willkommen. Dürfen wir sie auf Englisch, Deutsch oder Japanisch ansprechen? Bitte wählen sie ihren Sprachwunsch."
Deutsch wäre gut. Ein Klick auf die deutsche Flagge im Kaste oben links.
"Vielen Dank für Ihre Auswahl. Ich freue mich, dass ich sie durch unsere Website begleiten darf. Wenn sie dazu etwas Musik hören möchten, kann ich ihnen Ambient, Pop oder klassische Musik anbieten. Führen sie ihren Mauszeiger bitte über die Notenzeichen, hören sie kurz rein und klicken sie dann die Melodie an, die ihnen gefällt."
Hier ist ein merkwürdiges Foto - fährt man mit dem Mauszeiger darüber…
"Über diesen oder einen anderen Gegenstand könnte ich ihnen hier viel und lange erzählen. Wir hätten keine Eile. Nur ihre Neugier und ihr Interesse bestimmen, wie lange ich zu ihnen spreche …"
"Die prototypische Anwendung wäre Online-E-Learning."
Reginald Grünenberg, Chef der Berliner Audiantis und einer der Erfinder der individuellen Webseitenvertonung.
"80 Prozent der Leute steigen aus E-learning-Projekten aus, weil die langweilig sind, weil das alles auf visueller Kommunikation aufbaut. Aber um etwas zu lernen, muss man noch den Hörsinn mit einbauen, das Gehirn arbeitet einfach besser dann. Und ich als Nutzer steuere zu jedem Zeitpunkt die Zusammensetzung und profitiere ganz anders von zum Beispiel so einer E-learning-Sitzung."
Aber Reginald Grünenberg will seine Technik auf Webseiten einsetzen, die komplizierte Produkte verkaufen, die ausführlich erklärt werden müssen: Online-Zertifikate, Finanzdienstleistungen. Statt viel Text zu lesen, fährt der Nutzer mit der Maus über eine Grafik.
"Man muss nicht nur das verdoppeln, was auf der Website steht, sondern man kriegt eine zusätzliche und viel emotionalere Informationsebene. Es ist nicht unser Ziel, das vorlesen zu lassen, was auf der Website steht."
Bis heute ist nur eine Demo-Website mit Audiantis-Technik online. Denn wenn Internet-Seiten das Sprechen beizubringen ist technisch anspruchsvoll.
"Hier möchte ich ihnen einen Text vorlesen. Bitte markieren sie diesen Textblock!"
Bisher liefern Internet-Server an alle Besucher einer Seite die gleichen Audiodatei.
Mit der Audiantis-Technik kann sich jeder Besucher seine hörbaren Informationen selber zusammenklicken. Für jeden Benutzer muss also ein eigener Audiostrom errechnet werden - viel arbeit für die Server. Bis heute kann Audiantis gleichzeitig nicht mehr als 1000 Nutzer versorgen.
Wenn jedoch japanische Internet-Portale vertont werden sollen, müssen bis zu 50.000 verschiedene Audioströme berechnet und gleichzeitig ausgeliefert werden.
Sechs Jahre arbeitet Reginald Grünenberg an dem Projekt. Sein größtes Problem war nicht die Technik. Sondern:
"Finanzierung, Finanzierung, Finanzierung."
Der hysterische Internethype Anfang des Jahrhunderts hat viel Geld vernichtet. Deutsche Risikokapitalisten scheuen bis heute das Risiko. Geld bekam Audiantis von der staatlichen Berliner Investitionsbank. 600.000 Euro hat es bisher gekostet, das Web zum Sprechen zu bringen - ein Schnäppchenpreis, sagt Reginald Grünenberg.
"Das ist ein Projekt, was nur in Berlin entstehen konnte. Es wäre in München doppelt so teuer geworden. Das geht hin bis zu den Übersetzungen auf Japanisch, das kriege ich für Stundenhonorare - das würde in München niemand machen. Auch die Mitarbeiter: hoch qualifizierte Leute, die für sehr wenig Geld arbeiten, das ist so wenig Geld, davon könnte man in München kaum leben. Wir haben Berlin gebraucht, um das machen zu können."
Nicht nur Berlin Geld investiert, auch Brandenburg. Karlheinz Brandenburg, Professor am Fraunhofer Institut für angewandte Medientechnik in Ilmenau und Erfinder des epochalen Audioformats MP3. Der Technikvisionär hat mit privatem Vermögen geholfen, die Patente zu sichern.
"Ich fand das so eine pfiffige Idee, dass es einfach mal wieder völlig daneben wäre, wenn so eine Firma kaputt geht und nicht die Chance hat, ihre Produkte auf den Markt zu kriegen."
MP3-Erfinder Brandenburg gefällt vor allem: Websites lernen sprechen, ohne dass die Nutzer neuste Technik kaufen und Software installieren müssen. Besonders reizvoll sei die Audiantis-Technik deshalb für mobile Geräte: Umfangreiche Webseiten, die mit kleinen Displays nicht zu genießen sind, kann uns das rechenschwache Handy einfach vorlesen.
Computeranimierte Stimme: "Computerstimmen sind jedoch nicht jedermanns Sache. Viele wollen manchmal auch einfach nur ihre Ruhe haben und lautlos surfen. Professor Brandenburg zum Beispiel."
"Es gibt ja nicht nur den Schalter, um die Sprache zu wechseln oder sich Mann oder Frau auszusuchen, die mir etwas vorliest, sondern auch den, um den Ton abzuschalten."
"Herzlich willkommen. Dürfen wir sie auf Englisch, Deutsch oder Japanisch ansprechen? Bitte wählen sie ihren Sprachwunsch."
Deutsch wäre gut. Ein Klick auf die deutsche Flagge im Kaste oben links.
"Vielen Dank für Ihre Auswahl. Ich freue mich, dass ich sie durch unsere Website begleiten darf. Wenn sie dazu etwas Musik hören möchten, kann ich ihnen Ambient, Pop oder klassische Musik anbieten. Führen sie ihren Mauszeiger bitte über die Notenzeichen, hören sie kurz rein und klicken sie dann die Melodie an, die ihnen gefällt."
Hier ist ein merkwürdiges Foto - fährt man mit dem Mauszeiger darüber…
"Über diesen oder einen anderen Gegenstand könnte ich ihnen hier viel und lange erzählen. Wir hätten keine Eile. Nur ihre Neugier und ihr Interesse bestimmen, wie lange ich zu ihnen spreche …"
"Die prototypische Anwendung wäre Online-E-Learning."
Reginald Grünenberg, Chef der Berliner Audiantis und einer der Erfinder der individuellen Webseitenvertonung.
"80 Prozent der Leute steigen aus E-learning-Projekten aus, weil die langweilig sind, weil das alles auf visueller Kommunikation aufbaut. Aber um etwas zu lernen, muss man noch den Hörsinn mit einbauen, das Gehirn arbeitet einfach besser dann. Und ich als Nutzer steuere zu jedem Zeitpunkt die Zusammensetzung und profitiere ganz anders von zum Beispiel so einer E-learning-Sitzung."
Aber Reginald Grünenberg will seine Technik auf Webseiten einsetzen, die komplizierte Produkte verkaufen, die ausführlich erklärt werden müssen: Online-Zertifikate, Finanzdienstleistungen. Statt viel Text zu lesen, fährt der Nutzer mit der Maus über eine Grafik.
"Man muss nicht nur das verdoppeln, was auf der Website steht, sondern man kriegt eine zusätzliche und viel emotionalere Informationsebene. Es ist nicht unser Ziel, das vorlesen zu lassen, was auf der Website steht."
Bis heute ist nur eine Demo-Website mit Audiantis-Technik online. Denn wenn Internet-Seiten das Sprechen beizubringen ist technisch anspruchsvoll.
"Hier möchte ich ihnen einen Text vorlesen. Bitte markieren sie diesen Textblock!"
Bisher liefern Internet-Server an alle Besucher einer Seite die gleichen Audiodatei.
Mit der Audiantis-Technik kann sich jeder Besucher seine hörbaren Informationen selber zusammenklicken. Für jeden Benutzer muss also ein eigener Audiostrom errechnet werden - viel arbeit für die Server. Bis heute kann Audiantis gleichzeitig nicht mehr als 1000 Nutzer versorgen.
Wenn jedoch japanische Internet-Portale vertont werden sollen, müssen bis zu 50.000 verschiedene Audioströme berechnet und gleichzeitig ausgeliefert werden.
Sechs Jahre arbeitet Reginald Grünenberg an dem Projekt. Sein größtes Problem war nicht die Technik. Sondern:
"Finanzierung, Finanzierung, Finanzierung."
Der hysterische Internethype Anfang des Jahrhunderts hat viel Geld vernichtet. Deutsche Risikokapitalisten scheuen bis heute das Risiko. Geld bekam Audiantis von der staatlichen Berliner Investitionsbank. 600.000 Euro hat es bisher gekostet, das Web zum Sprechen zu bringen - ein Schnäppchenpreis, sagt Reginald Grünenberg.
"Das ist ein Projekt, was nur in Berlin entstehen konnte. Es wäre in München doppelt so teuer geworden. Das geht hin bis zu den Übersetzungen auf Japanisch, das kriege ich für Stundenhonorare - das würde in München niemand machen. Auch die Mitarbeiter: hoch qualifizierte Leute, die für sehr wenig Geld arbeiten, das ist so wenig Geld, davon könnte man in München kaum leben. Wir haben Berlin gebraucht, um das machen zu können."
Nicht nur Berlin Geld investiert, auch Brandenburg. Karlheinz Brandenburg, Professor am Fraunhofer Institut für angewandte Medientechnik in Ilmenau und Erfinder des epochalen Audioformats MP3. Der Technikvisionär hat mit privatem Vermögen geholfen, die Patente zu sichern.
"Ich fand das so eine pfiffige Idee, dass es einfach mal wieder völlig daneben wäre, wenn so eine Firma kaputt geht und nicht die Chance hat, ihre Produkte auf den Markt zu kriegen."
MP3-Erfinder Brandenburg gefällt vor allem: Websites lernen sprechen, ohne dass die Nutzer neuste Technik kaufen und Software installieren müssen. Besonders reizvoll sei die Audiantis-Technik deshalb für mobile Geräte: Umfangreiche Webseiten, die mit kleinen Displays nicht zu genießen sind, kann uns das rechenschwache Handy einfach vorlesen.
Computeranimierte Stimme: "Computerstimmen sind jedoch nicht jedermanns Sache. Viele wollen manchmal auch einfach nur ihre Ruhe haben und lautlos surfen. Professor Brandenburg zum Beispiel."
"Es gibt ja nicht nur den Schalter, um die Sprache zu wechseln oder sich Mann oder Frau auszusuchen, die mir etwas vorliest, sondern auch den, um den Ton abzuschalten."