Das Rätsel um die kranken Kinder
In Nigeria starben Anfang des Jahres Kinder, für Eltern und Angehörige völlig überraschend. Zunächst vermuteten die Menschen Malaria als Todesursache. Dann wurde bekannt, dass durch illegale Goldminen freigesetztes Blei die Kinder vergiftet hat.
Jetzt kann sie endlich wieder mit den anderen Kindern durch die Straßen toben: Kulu Ummaru ist ein kleines Mädchen aus einem Dorf in der Nähe von Anka im Bundesstaat Zamfara. Noch vor ein paar Wochen war sie zu schwach dafür. Sie war krank, erzählt ihre Mutter Hauwa. Schwer krank, wie so viele Kinder:
"Die Kinder haben sich das beim Spielen auf der Straße geholt. Sie mussten sich übergeben, viele sind gestorben."
Hauwa brachte ihre Tochter zu einem traditionellen Heiler. Ohne Erfolg. Und auch die Ärzte im Krankenhaus hatten keine Ahnung, woran das Mädchen erkrankt war. Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" stellten schließlich fest: Kulu Ummaru und die anderen Kinder leiden an einer Bleivergiftung. Mit speziellen Medikamenten versuchen die Ärzte derzeit, das Blei aus den Körpern der Patienten zu schwemmen. Über 500 Menschen wurden bereits behandelt, darunter auch stillende Mütter. Elshofie Mohamed von "Ärzte ohne Grenzen":
"Wir behandeln in mehreren Runden, eine dauert 19 Tage. Anschließend wird wieder getestet. Ist das Ergebnis höher als 65 Mikrogramm per Deziliter, geht es in die nächste Runde. Niemals zuvor haben wir Bleivergiftungen in so einem Ausmaß erlebt."
Das Schwermetall stammt aus dem Bleierz der illegalen Goldminen. Bergarbeiter hatten die Steine mit nach Hause gebraucht, um sie dort zu zerkleinern. Der Bleistaub gelangte in die Atemluft, in den Boden, ins Grundwasser. Für viele Kleinkinder bedeutete das den Tod – denn sie reagieren auf das Blei besonders empfindlich. Expertenteams der Vereinten Nationen entnehmen in der Region derzeit Bodenproben und sanieren einige verseuchte Flächen. Matthew Conway leitet das UN-Team. Auch er ist betroffen:
"Wir haben einige Kinder gesehen, die stark beeinträchtigt sind. Erschreckend ist das. Wie wird ihr zukünftiges Leben aussehen? Wie werden sie das nur schaffen?"
Die Helfer haben ein großes Problem. Denn viele Bewohner glauben aber nicht, dass das Blei am Tod ihrer Kinder schuld ist. Oder besser: Sie wollen es nicht glauben. Denn sie befürchten, dass dann mit dem Bergbau in der Region ein für alle Mal Schluss ist. Der Bergbau ist hier für die Menschen eine wichtige Einkommensquelle. Zuletzt ging manch ein Bauer lieber unter Tage als aufs Feld – denn mit Gold konnte er viel mehr Geld verdienen als mit Hirse. Nun sind die Minen geschlossen – sehr zum Ärger von Bergarbeiter Babangida Shehu:
"Wir wollen, dass der Bergbau hier legalisiert wird, denn das ist die einzige Möglichkeit, zu überleben. Wir haben uns in einer Gruppe zusammengetan, damit die Regierung uns hilft. Wenn nicht beim Bergbau, dann eben auf andere Weise."
Eine hehre Hoffnung. Denn der Staat glänzt hier im Norden Nigerias bisher vor allem durch Abwesenheit.
"Die Kinder haben sich das beim Spielen auf der Straße geholt. Sie mussten sich übergeben, viele sind gestorben."
Hauwa brachte ihre Tochter zu einem traditionellen Heiler. Ohne Erfolg. Und auch die Ärzte im Krankenhaus hatten keine Ahnung, woran das Mädchen erkrankt war. Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" stellten schließlich fest: Kulu Ummaru und die anderen Kinder leiden an einer Bleivergiftung. Mit speziellen Medikamenten versuchen die Ärzte derzeit, das Blei aus den Körpern der Patienten zu schwemmen. Über 500 Menschen wurden bereits behandelt, darunter auch stillende Mütter. Elshofie Mohamed von "Ärzte ohne Grenzen":
"Wir behandeln in mehreren Runden, eine dauert 19 Tage. Anschließend wird wieder getestet. Ist das Ergebnis höher als 65 Mikrogramm per Deziliter, geht es in die nächste Runde. Niemals zuvor haben wir Bleivergiftungen in so einem Ausmaß erlebt."
Das Schwermetall stammt aus dem Bleierz der illegalen Goldminen. Bergarbeiter hatten die Steine mit nach Hause gebraucht, um sie dort zu zerkleinern. Der Bleistaub gelangte in die Atemluft, in den Boden, ins Grundwasser. Für viele Kleinkinder bedeutete das den Tod – denn sie reagieren auf das Blei besonders empfindlich. Expertenteams der Vereinten Nationen entnehmen in der Region derzeit Bodenproben und sanieren einige verseuchte Flächen. Matthew Conway leitet das UN-Team. Auch er ist betroffen:
"Wir haben einige Kinder gesehen, die stark beeinträchtigt sind. Erschreckend ist das. Wie wird ihr zukünftiges Leben aussehen? Wie werden sie das nur schaffen?"
Die Helfer haben ein großes Problem. Denn viele Bewohner glauben aber nicht, dass das Blei am Tod ihrer Kinder schuld ist. Oder besser: Sie wollen es nicht glauben. Denn sie befürchten, dass dann mit dem Bergbau in der Region ein für alle Mal Schluss ist. Der Bergbau ist hier für die Menschen eine wichtige Einkommensquelle. Zuletzt ging manch ein Bauer lieber unter Tage als aufs Feld – denn mit Gold konnte er viel mehr Geld verdienen als mit Hirse. Nun sind die Minen geschlossen – sehr zum Ärger von Bergarbeiter Babangida Shehu:
"Wir wollen, dass der Bergbau hier legalisiert wird, denn das ist die einzige Möglichkeit, zu überleben. Wir haben uns in einer Gruppe zusammengetan, damit die Regierung uns hilft. Wenn nicht beim Bergbau, dann eben auf andere Weise."
Eine hehre Hoffnung. Denn der Staat glänzt hier im Norden Nigerias bisher vor allem durch Abwesenheit.
