Das Phänomen der "Import-Imame"

Merkez-Moschee in Duisburg: Das Personal stammt meistens aus der Türkei. © AP
Von Anne Francoise Weber · 22.09.2010
Über 90 Prozent der rund 2000 Imame in Deutschland kommen nicht aus Deutschland, sondern aus der Türkei, Nordafrika oder aus Ex-Jugoslawien. Die größte Gruppe unter ihnen sind türkische Beamte, die von der Religionsbehörde Diyanet für meist vier Jahre hierher geschickt werden.
Im Gepäck haben sie eine Imam-Ausbildung, ein gutes Gehalt aus der Türkei, große Kenntnisse des Koran und der islamischen Theologie – aber kaum deutsche Sprachkenntnisse und viel zu wenig Wissen über das Land, in dem ihre künftigen Gemeindeglieder oft schon seit mehreren Generationen leben. Geschweige denn, dass sie zu einem europäischen Islam mit deutschem Vokabular beitragen könnten, wie ihn seit den Anschlägen vom 11. September 2001 die deutschen Behörden händeringend voranzubringen suchen.

Zwar gibt es Bemühungen, die "Import-Imame" schon in der Türkei ein wenig auf ihren Einsatz vorzubereiten oder hierzulande kurze Weiterbildungskurse anzubieten. Doch das reicht kaum aus - vor allem nicht, um muslimische Jugendliche hier anzusprechen.

Nur einige islamische Organisationen bieten in privaten Bildungszentren in Deutschland eine Ausbildung zum Imam an, die in eine langfristige Anstellung bei dieser Organisation münden kann. Doch zahlreiche Imame werden direkt von Moscheegemeinden beschäftigt und hängen von den Spenden der Gemeindeglieder ab. Ihre Kenntnisse beschränken sich oft auf ein Selbststudium oder den Besuch einer religiösen Schule in ihrer Heimat.

Nur wenige Imame sind hier geboren und haben dann ein Studium in der Türkei oder einem arabischen Land absolviert. Wenn sie zurück nach Deutschland kommen, bleibt es ihnen selbst überlassen, ihre hiesige Lebenserfahrung mit den Inhalten ihres – oft traditionell-konservativen - Islam-Studiums zusammen zu bringen. Zudem arbeiten sie in einem unsicheren Beschäftigungsverhältnis mit geringem Gehalt – 1000 Euro im Monat sind keine Seltenheit. Denn die Verbände und Moscheegemeinden verfügen in der Regel über keine großen finanziellen Mittel.
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