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Musikfeuilleton | Beitrag vom 21.04.2019

‚Das müssen wir alles miterleben‘Ein Schubert-Workshop mit dem Bariton Thomas Hampson

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Der US-amerikanische Sänger Thomas Hampson spricht am 31.03.2015 in Heidelberg (Baden-Württemberg) in der Stadthalle während der Veranstaltung "Lied Akademie". (dpa /  Uwe Anspach)
Der US-amerikanische Sänger Thomas Hampson (dpa / Uwe Anspach)

Franz Schubert hat in seinem kurzen Leben ungefähr 600 Lieder komponiert. Als im März 2017 in Berlin der Pierre Boulez Saal eröffnet wurde, nahm man sich vor, diese Lieder alle aufzuführen. Ein Höhepunkt dieser Entdeckungsreise war die Schubert-Woche im Januar, in der auch ein Schubert-Workshop mit dem Bariton Thomas Hampson stattfand.

"Es gibt kein Lied von Schubert, aus dem man nicht etwas lernen kann" – so hat sich Johannes Brahms über seinen großen Vorgänger im Genre Lied geäußert. Franz Schubert komponierte über 600  Lieder, das erste mit 13 Jahren. Auf den internationalen Konzertpodien wird nur ein Bruchteil dieser Lieder präsentiert; auch deshalb gibt es nun die musikalische Entdeckungsreise im Boulez Saal Berlin.

"Das Lied hat die ganze Landschaft der Gattung nicht nur geändert, sondern neu erdacht", sagt der weltberühmte Bariton Thomas Hampson. Nicht nur als Sänger bekennt er sich leidenschaftlich zu dieser Kunstform, sondern auch als Förderer mit seiner Hampson Foundation ist er unermüdlich für das Lied unterwegs; hier unterstützt und unterrichtet er vor allem junge SängerInnen am Anfang ihrer Karriere. In Zusammenarbeit mit der Festival Akademie des Heidelberger Frühlings entstand die Idee, immer im Januar einen Schubert-Workshop in Berlin durchzuführen. Acht SängerInnen wurden 2019 von Thomas Hampson in den Boulez Saal eingeladen. Einen interessanten Blick in die Werkstatt ermöglichte der öffentliche Workshop.

"Lieder sind die Landkarte der menschlichen Seele", hier werden die existenziellen Fragen des menschlichen Daseins in einem kurzen Moment der Zeitlosigkeit gestellt, es wird von Hoffnung und Trauer erzählt, von menschlichen Tragödien, von Verlust oder Einsamkeit, kurzum von Seelenzuständen, die keinem fremd sein dürften. Doch diese "Tagebücher des Daseins", wie sie Thomas Hampson auch nennt, fordern von den Künstlern alles. Was auf dem Podium so leicht klingt, ist auf einem langen Weg harter künstlerischer Arbeit entstanden und gewachsen, es ist die Summe aus hunderten Details.

"Die Muskulatur ist geankert", "Ich finde es verdammt mutig, dass Du das singst", "Darf ich Dich für den Rest Deiner Karriere erlösen?" … Im öffentlichen Workshop im Pierre Boulez Saal kam das Publikum den jungen SängerInnen und auch dem Bariton Thomas Hampson sehr nah. Einen ganzen Nachmittag lang wurden in der Arena des Saales Lieder erarbeitet, probiert und diskutiert. Kein noch so kleines Detail entging dem Maestro. Das Musikfeuilleton war bei diesem Workshop dabei und hat mit Thomas Hampson und Workshop-Teilnehmern über Franz Schubert und die Welt der Lieder gesprochen und es gibt Ausschnitte aus dem Abschlusskonzert.

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