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Zeitfragen | Beitrag vom 27.01.2020

Das Leiden der AngehörigenWie Alkoholsucht Familien zerstört

Von Christina Rubarth

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Eine Frau und ein Mann sitzen in einer schmerzhafen Situation nebeneinander auf dem Sofa. (Unsplash / Ben White)
Sich die Sucht eines Angehörigen einzugestehen, ist die wohl größte Hürde für Betroffene. (Unsplash / Ben White)

Kinder, Ehe- oder Lebenspartner: Wenn es um Alkoholismus geht, werden Angehörige selten gehört. Meist steht die Sucht und damit der Süchtige im Mittelpunkt. Hier soll es andersherum sein: Die, deren Leiden oft übersehen wird, bekommen eine Stimme.

Alkoholabhängigkeit ist mittlerweile ein Thema, das gehört wird. Meistens dann, wenn wieder eine Studie zeigt, dass Alkoholsucht eine deutsche Volkskrankheit ist. Fast zwei Millionen Menschen sind hierzulande alkoholabhängig. Oft steht die Sucht und damit der Süchtige im Fokus. Viel zu selten aber finden die Gehör, die oft am stärksten unter der Abhängigkeit leiden: nicht die Abhängigen selbst, sondern ihre Angehörigen – ihre Partner, Eltern, Kinder. Und das sind viele, die Zahlen erschreckend.

"Jemand, der an Krebs erkrankt, mit dem hat man Mitleid, da bedauert man auch die Angehörigen. Jemand, der alkoholkrank ist, um den macht man einen großen Bogen. Und auch um seine Familie macht man einen großen Bogen. Damit will man einfach nichts zu tun haben - und das ist schade, das ist verlogen."

Leben unter dem Eindruck der Abhängigkeit

Knapp drei Millionen Kinder haben alkoholsüchtige Eltern. Dazu kommen weitere Millionen Ehe- und Lebenspartner. Fast alle verfolgt die Abhängigkeit ihr Leben lang, macht sie anfällig, selbst süchtig zu werden, psychisch zu erkranken - und nur wenige Kinder aus Suchtfamilien können ihr Leben ganz ohne Beeinträchtigungen weiterführen.

"Mein Vater war Alkoholiker, ist vor einigen Jahren gestorben. Und ich habe immer gedacht, ich habe das ganz gut überwunden. Ich habe auch nach seinem Tod eine Therapie dazu gemacht. Ich merke aber jetzt, seitdem meine Tochter auf der Welt ist, wie sehr mich das wohl beeinflusst hat."

Alkoholsucht bleibt oft im Verborgenen. Lange verdrängen Angehörige die Krankheit. Dabei sollten sie besonders auf sich achten, um nicht selbst zu erkranken bei dem Versuch, einen heilen Alltag nach außen zu vermitteln, den es mit einem Suchtkranken nicht mehr gibt. Den Abhängigen zu verlassen, ist meist ein Schritt zur eigenen Rettung – davor aber muss die Erkenntnis stehen, diesen Menschen nicht heilen zu können.

"Als Nächster bin ich dran"

Kinder haben es noch schwerer: Sie können sich nicht entziehen, haben oft niemanden, dem sie sich anvertrauen können. Oft merken sie erst Jahrzehnte später, dass bei ihnen zu Hause etwas schieflief. Weil sie nicht wussten, wie ein normales Familienleben aussieht.

"Die eindrücklichen Bilder, die ich habe, sind, dass ich nach wie vor sehe, wie meine Mutter uns misshandelt hat, wenn sie betrunken war. Vor allem wie sie meine beiden älteren Geschwister misshandelt hat. Und ich habe immer gewusst: Als Nächster bin ich dran."

Für viele Angehörige sind dann erst Selbsthilfegruppen ein Ort des Rückhalts, wenn ihnen dort Verständnis entgegengebracht wird. Die wohl größte Hürde für alle aber ist, sich die Sucht des Angehörigen einzugestehen.

Ein Feature, in dem Menschen eine Stimme bekommen, die oft unsichtbar bleiben, deren Leiden oft übersehen wird. Name, Alter, Orte spielen dabei keine Rolle, denn es gibt sie überall.

Autorin: Christina Rubarth
Regie: Cordula Dickmeiß
Technik: Alexander Brennecke
Redaktion: Carsten Burtke


Al-Anon Familiengruppen - Selbsthilfegruppen für Angehörige und Freunde von Alkoholikern
Kreuzbund e.V. - Selbsthilfe und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige
Guttempler in Deutschland - Hilfe für Suchtkranke und ihre Angehörigen
Blaues Kreuz in Deutschland e.V. - Wege aus der Sucht

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