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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 08.04.2018

Das Klaviertrio von Peter Tschaikowsky"À la mémoire d'un grand artiste"

Moderation: Johannes Jansen

Büste am Grab Peter Tschaikowskys auf dem Tichwiner Friedhof im Alexander-Newski-Kloster in St. Petersburg (imago / INSADCO)
Der Komponist als Denkmal: Peter Tschaikowsky (imago / INSADCO)

Klaviertrios mochte er nicht, aber eines schrieb er doch. Es wurde zu einem Hauptwerk von Peter Tschaikowsky – ausgedehnt, intensiv, rätselhaft. Ein Requiem ohne Worte.

"Sie fragen mich, warum ich kein Trio komponiere? Verzeihen Sie, meine liebe Freundin, so gern würde ich Ihren Wunsch erfüllen, doch das übersteigt meine Kräfte. Wohl infolge der Beschaffenheit meiner Hörorgane vertrage ich die Verbindung von Klavier, Geige und Cello nicht. Mir scheint, dass diese Klangfarben nicht miteinander harmonieren, und ich versichere Ihnen, dass es für mich eine Qual ist, ein Trio oder eine Sonate mit Geige und Cello zu hören. Diese physiologische Tatsache kann ich nicht erklären und stelle sie nur fest."

Zwischen Selbstüberwindung und Koketterie

Erstaunlich, dass diese Zeilen von Peter Tschaikowsky stammen! Er schrieb sie an seine Gönnerin Nadeshda von Meck, und diese Briefstelle ist durchaus geeignet, das Staunen über ein ohnedies schon staunenswertes Werk noch zu erhöhen. Augenscheinlich verdankt sich Tschaikowskys Opus 50 einem Akt beinahe heroischer Selbstüberwindung. Oder kokettierte der Komponist nur mit einer tiefsitzenden inneren Abneigung, damit das Ergebnis umso strahlender erschien? Auch der Untertitel irritiert: "Dem Andenken eines großen Künstlers". Ohne Namensnennung. Das klingt geheimnisvoll, pathetisch – und auch ein wenig so, als wolle sich da jemand selbst ein Denkmal setzen. Wie auch immer man es betrachtet: Eine gehörige Portion Ehrgeiz steckt in diesem Werk; sogar eine Fuge hat Tschaikowsky mit hineingepackt.

An der Entstehung des Klaviertrios hatte Tschaikowskys diskrete Mäzenin Nadeshda von Meck zweifellos großen Anteil, auch wenn Tschaikowsky es nicht ihr, sondern dem Andenken eines gemeinsamen Freundes widmete: Nikolai Rubinstein. Der Pianist – Bruder des heute bekannteren Anton Rubinstein – hatte seinerzeit den ersten Kontakt zwischen Tschaikowsky und seiner späteren Gönnerin hergestellt. Ihm gilt der Zusatz "à la mémoire d'un grand artiste".

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