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Interpretationen | Beitrag vom 20.10.2019

Das Klavierkonzert von Edvard GriegLicht aus dem Norden

Gast: Tomi Mäkelä, Musikwissenschaftler; Moderation: Olaf Wilhelmer

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Der norwegische Komponist Edvard Grieg (1843-1907) (picture-alliance / Mary Evans Picture Library)
Virtuose Grüße vom Fjord: Der norwegische Komponist Edvard Grieg (1843-1907) (picture-alliance / Mary Evans Picture Library)

Musikalische Momentaufnahmen waren seine Spezialität, aber berühmt wurde dieser Meister der kleinen Form auch mit einem großen Virtuosenwerk. Edvard Griegs Klavierkonzert ist ein unverwüstlicher Bestandteil des romantischen Repertoires.

Im Zeitalter der Vinyl-Renaissance kann man es ruhig sagen: Hier handelt es sich um eine klassische B-Seite. Auf immer und ewig scheint das Klavierkonzert a-Moll op. 16 von Edvard Grieg an das in gleicher Tonart stehende Klavierkonzert von Robert Schumann gekettet zu sein. Und ja, Grieg bewunderte Schumann; und ja, beide Werke werden mit vergleichbaren Gesten eröffnet.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Ein epigonaler Anhang, gar Abklatsch, ist Griegs Klavierkonzert deswegen allerdings nicht, auch wenn es – zumal in Deutschland – gelegentlich als zweitrangiges Werk abgetan wird. Vielmehr lassen sich von diesem abwechslungsreichen, bisweilen unterhaltsamen, manchmal kuriosen Stück Linien zu Franz Liszt – der Griegs Opus 16 schätzte –, zu Maurice Ravel und zu George Gershwin ziehen.

Aufregendes Werk

Der Norweger Grieg hatte das Konzert, das erst sein drittes Orchesterwerk war, 1868 in einem idyllischen Ort in der Nähe von Kopenhagen geschrieben, wobei er sich seiner Sache so unsicher war, dass er den ersten Aufführungen 1869 fernblieb. Zu Unrecht: Der Erfolg war so groß, dass das Publikum nicht nur zwischen, sondern nach brillanten Passagen sogar in den Sätzen applaudierte. Trotzdem: Nachdem Grieg sein Konzert selbst gespielt hatte, sah er von weiteren Aufführungen ab, denn "es regt mich zu sehr auf. Und es gehört auch eine Kraft ersten Ranges dazu, um das Werk zur Geltung zu bringen."

In der Tat haben sich viele erstklassige Pianisten mit diesem virtuosen Glücksgriff befasst, darunter in der Frühzeit der Tonaufnahme bereits Percy Grainger, der mit Grieg noch bis zu dessen Tod 1907 in seiner Heimatstadt Bergen an der Klavierstimme gefeilt hatte.

Norwegische Ehrensache

Zu den früheren Schallplatten-Interpreten gehören auch der junge Arturo Benedetti Michelangeli sowie Artur Rubinstein und Walter Gieseking, der bei einer seiner Aufnahmen von Herbert von Karajan begleitet wurde – der wiederum das Konzert in seinen späten Jahren nochmals mit dem jungen Krystian Zimerman aufnahm. Besonders gründliche Interpreten hat das Werk heute in Pianisten wie Lars Vogt und Leif Ove Andsnes gefunden, der – Ehrensache für einen norwegischen Musiker – das Konzert seines Landsmannes inzwischen auch nach Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis spielt.

Unser Studiogast Tomi Mäkelä ist Professor für Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Experte für nordeuropäische Musik. Als ausgebildeter Pianist hat er auch eine direkte Beziehung zu diesem Werk, das er selbst im Konzert gespielt und mit dessen Komponisten er sich als Gastprofessor des Grieg-Zentrums Bergen intensiv beschäftigt hat.

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