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Konzert / Archiv | Beitrag vom 10.06.2015

Das junge orchester NRW in EssenOh Mensch!

Musik des Komponisten Oskar Fried

Der Dirigent Ingo Ernst Reihl (Universität Witten-Herdecke)
Der Dirigent Ingo Ernst Reihl (Universität Witten-Herdecke)

Unvorstellbar, was dieser Mann alles gemacht hat: Er begegnet uns nicht nur als Musiker, sondern auch als Clown, Vagabund und Hundezüchter. 1871 in Berlin geboren, 1941 unter bis heute ungeklärten Umständen in der Sowjetunion gestorben, war der Komponist und Dirigent Oskar Fried eine ungewöhnliche Künstlerpersönlichkeit des frühen 20. Jahrhunderts – eine Figur, die noch heute zu irritieren vermag.

Deutschlandradio Kultur setzt sich seit etlichen Jahren, gemeinsam mit einigen wenigen Experten und Enthusiasten, für die Dokumentation des verstreut hinterlassenen Werkes von Oskar Fried ein. Einer Einspielung der Orchesterlieder folgt nun eine Studioproduktion der Klavierlieder sowie ein Konzertmitschnitt von Frieds großer Kantate „Das trunkne Lied" nach dem „Zarathustra" Friedrich Nietzsches. Zu Pfingsten sorgte „das junge orchester NRW" für die erste Aufführung dieser Musik seit einem Jahrhundert.

Zu Lebzeiten war Fried zumindest phasenweise berühmt – das „Trunkne Lied" stimmten bei der Uraufführung 1904 die Berliner Philharmoniker unter Carl Muck an, und bereits 1907 erschien das erste Buch über Oskar Fried. Geschrieben hatte es Paul Bekker, einer der renommiertesten Musikpublizisten dieser Epoche. Vor der Zeit des Nationalsozialismus dirigierte Fried die Berliner Philharmoniker regelmäßig, bei seinem letzten Auftritt war Sergej Prokofjew der Klaviersolist. Fried emigrierte in die Sowjetunion – aus einem Grund, den schon Gustav Mahler 1906 in einem Brief an seinen Bewunderer benannt hatte: „Und – vergessen Sie nicht – unseren Hauptfehler die Race, können wir nicht ändern."

Mehrfach erscheint Fried in Mahlers Umfeld, das Verhältnis beider scheint vertraut gewesen zu sein, und einmal bezeichnete sich Fried sogar als Mahlers Schüler. Nachdem er um 1914 das Komponieren aufgegeben hatte, profilierte sich Fried neben Willem Mengelberg und Bruno Walter als führender Mahler-Interpret. Fried war es auch, der 1924 mit der Staatskapelle Berlin die erste Gesamtaufnahme einer Mahler-Sinfonie leitete. Der damals kaum gespielte Gustav Mahler wurde inzwischen wiederentdeckt, um nicht zu sagen zu einem Star des Repertoires. Sein Freund und Kollege, der damals regelmäßig gespielte Oskar Fried, leider vergessen...

 

Philharmonie Essen

Aufzeichnung vom 25. Mai 2015

Oskar Fried

„Das trunkne Lied" nach „Zarathustra" von Friedrich Nietzsche für Soli, Chor und großes Orchester op. 11

Tina Scherer, Sopran
Dagmar Linde, Alt
Jens Hamann, Bariton
Chöre der Universitäten Dortmund, Köln und Witten
das junge orchester NRW
Leitung: Ingo Ernst Reihl

anschließend:

Oskar Fried

Lieder

Katharina Kammerloher, Mezzosopran
Stephan Rügamer, Tenor
Urs Liska, Klavier

Produktion: Deutschlandradio Kultur 2012

 

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