Das große Versprechen

Von Alexander Göbel und Marc Dugge |
Früher kamen die Hippies. Heute entdecken Wohlhabende und Mittelständler Marrakesch. Sie steigen in luxuriösen Hotels ab oder lassen sich gleich ganz in der roten Stadt nieder. Dennoch hat die Stadt ihre Magie nicht verloren.
Eine Reise nach Marrakesch muss einfach hier anfangen. Auf dem Platz "Djemaa El Fna", dem Marktplatz von Marrakesch. Wo seit Jahrhunderten angepriesen, angedient, angeschrien wird. Der Djemaa El Fna ist nicht nur ein Marktplatz, er ist ein Universum. Alles wird hier gehandelt: Teppiche, Lederschlappen, Datteln. Geschichten, Wahrsagungen, Heilsversprechen.

"Ich heile Ihren Zahn – ohne ihn zu ziehen. Wenn Sie möchten, können Sie mir dafür etwas bezahlen, wenn nicht, dann ist das auch okay. Ich verspreche Ihnen, nach meiner Behandlung können Sie nicht nur Nüsse kauen, Sie können Steine zerbeißen!"

Der selbst ernannte Zahnarzt deutet auf sein angebliches Wundermittel - ein undefinierbares Pülverchen. Es liegt auf einem schmuddeligen Lappen. Daneben ein Haufen Zähne. Der Zahndoktor steht in einem Kreis von Menschen, genannt "Halqua". Rund 20 Männer hören ihm aufmerksam zu. Ein Blick auf die Zähne der Männer verrät, dass sie allen Grund dazu haben.

Der Djemaa El Fna war immer auch der Ort, an dem sich zeigt, wer sich leicht übers Ohr hauen lässt. Und wer wirklich verhandeln kann. Geräusche, Gerüche, Farben, Haut in allen Schattierungen. Ein einziger Reiz der Sinne: der Djemaa El Fna. Der Platz der Gehenkten, wo man früher die Köpfe getöteter Sträflinge auszustellen pflegte. Heute der Nabel der Welt. Besuchermagnet. Babylon. Ein gewolltes Gewirr von Sprachen. Denn davon lebt der Platz.

Längst ist der Djemaa El Fna ein durchkalkuliertes Marketingprodukt. Jeder Stand hat seine Lizenz, seinen Platz. Videokameras und Dutzende Agenten in Zivil sorgen für die Sicherheit der Touristen, halten lästige Bettler ab. Jede Nacht reinigen moderne Kehrmaschinen den Platz. Der Djemaa El Fna: inszenierter Orient, in der perfekten Dosis für urlaubsreife Europäer. Dennoch: Mit einem marokkanischen Disneyland habe das Ganze nichts zu tun, sagt Jamal Saadi:

"Nein, auf keinen Fall! Hier ist alles ganz natürlich, spontan. Das ist lebendiges Theater! Wie im Alten Rom, wo Plätze Orte der Unterhaltung waren, wo es noch Gladiatoren gab. Heute ist der Djemaa El Fna ein UNESCO-Weltkulturerbe, und für uns gilt es, diesen Reichtum des Platzes zu bewahren."

Die Logenplätze dieses Theaters sind die Balkone rund um den Platz, im Café Argana, im Café de France oder im Restaurant Chegrouni. Heiß begehrt am Abend, wenn die Störche durch den blauen Abendhimmel schweben. Wenn aus den Garküchen der Dampf aufsteigt und der Platz im Schein der Lampen in ein tiefgoldenes Licht getaucht wird, als stünde er in Flammen.

Der Boden ist aus Marmor, die Decke aus Zedernholz, ausladende aber nicht überladene Kronleuchter spenden gedämpftes Licht. Das Mamounia gehört zu den besten Hotels am Platz – und gilt als eines der schönsten Marokkos. Ein Symbol für das reiche Marrakesch, den Hedonismus, den überbordenden Luxus, den man in dieser Stadt finden kann. Jacques Picquot, Direktor des Mamounia:

"Seit das Mamounia in den 20er Jahren seine Türen geöffnet hat, war es ein fester Bestandteil von Marrakesch und von Marokko. Die Gäste, die hier waren, trugen große Namen, wie zum Beispiel Sir Winston Churchill. Er nannte das Mamounia den schönsten Platz auf der Welt. Und er überzeugte seine Freunde, auch herzukommen. Es kamen Prominente aus dem Showbiz, der Politik oder der Finanzwelt – sie haben den Mythos Mamounia geschaffen. Ob in London, Tokio, New York oder Rio: Wenn der Name Mamounia fällt, denkt man automatisch an Marrakesch und an Marokko."

Eines wurde unverändert gelassen: Die Gärten des Mamounia, sie sind mehr als acht Hektar groß. Riesige Palmen strecken sich elegant in den Himmel, dahinter, am Horizont zeichnet sich im Winter das schneebedeckte Atlasgebirge ab. Der Garten ist der ganze Stolz des Hotels, so Direktor Picqout:

"Da gibt es Olivenbäume, die mehr als 400 Jahre alt sind. Wir züchten Rosen, Orangen oder Zitronen. Und dann darf man die Vögel nicht vergessen. Ja, Marrakesch ist eine Insel des Jetset – aber sehr diskret. Es ist hier nicht wie in Ibiza, St. Tropez oder Marbella. Man präsentiert sich hier nicht so sehr. Man kümmert sich um sein Haus, veranstaltet Partys, lädt Freunde ein. Man mietet ein Flugzeug, fliegt mit Freunden in die Wüste, um den Abend dort zu verbringen und kehrt am nächsten Morgen zurück. Ja, der Jetset ist hier – aber er gibt sich eher diskret."

Es sind längst nicht mehr nur die Franzosen, die Briten und die Amerikaner, die Marrakesch erobern. Zum Wochenende fallen auch die gut betuchten Marokkaner aus Casablanca ein. Für Cyrill Durant eine wichtige Kundschaft:

"Das Bo Zin habe ich nicht für die Touristen gemacht, sondern eher für die Marokkaner und die Ausländer, die hier leben."

Und wenn am späten Abend dann der DJ die Musik langsam lauter und schneller macht, wenn das Bo Zin zur Tanzfläche der Schönen und Reichen wird, spätestens dann wird klar: Dieser Ort könnte mit der Welt hinter dem Bambuszaun nicht weniger zu tun haben. Hinter dem Zaun liegt eine der bettelarmen Vorstadtsiedlungen von Marrakesch. Deren Einwohner mit 20 Euro eine Woche lang auskommen müssen.

Haj Mohamed. Ein alter Mann in schwarzem Gewand, vom Leben gezeichnet - fast ohne Zähne, mit zerfurchtem Gesicht, schneeweißem Bart. Seit seiner Jugend ist er blind. Abgemagert und gebrechlich stützt er sich auf einen Gehstock, kommt nur in kleinen Schritten voran. Einer der unzähligen Mittellosen der Stadt.

"Allah hat entschieden, dass ich so lebe. Und ich habe dieses Los angenommen – ich akzeptiere es, weil es Gottes Wille ist."

Aber völlig auf sich allein gestellt sind sie nicht, die Ärmsten von Marrakesch. Haj Mohamed hat Zuflucht gefunden in der Zaouia Sidi Bel Abbes, am nördlichen Rand der Medina, hinter dem mächtigen Tor Bab Taghzout. Schon seit mehr als 40 Jahren kommt Haj Mohamed jeden Tag hierher. Im Schatten der Kolonnaden gibt man ihm zu essen, schenkt ihm ein Glas zuckersüßen Minztee ein. Und vor allem trifft Haj Mohamed in der Zaouia viele seiner Leidensgenossen – die Blinden, die Versehrten, die Verlierer.

Die Zaouia: Ein spiritueller Ort der Begegnung, des Gebets, versteckt hinter einer Moschee und einem meterhohen weißen Stucktor. Benannt ist die Zaouia nach dem Mystiker Sidi Bel Abbes, dem berühmtesten der Sieben Heiligen von Marrakesch. Selbstlos lebte der Geistliche aus Ceuta im 12. Jahrhundert nach den Regeln der Nächstenliebe, kämpfte für Gerechtigkeit, geißelte in seinen Predigten den Geiz der Reichen – und kümmerte sich um die Armen und Blinden. Bis heute ist der Heiligenkult tief verankert im islamischen Volksglauben und in der Zaouia beten die Menschen für das, was sie "Baraka" nennen – die religiöse Segenskraft.

"Bei Sidi Bel Abbes drehte sich das ganze Leben ums Teilen, ums Geben. Mit Herz und Seele. Er musste geben, um zu existieren. Er war ein begnadeter Mathematiker, er wusste, was er tat. Er gab immer neun Zehntel von dem, was er besaß. Ihm selbst reichte das letzte Zehntel zum Leben aus."

Mehr als 800 Jahre später hat er die Nachfolge von Sidi Bel Abbes angetreten: Kamel Tebaa. Er wacht über ein uraltes Wohltätigkeitssystem, das mit Spenden von Besuchern die Ärmsten der Armen unterstützt – die Behinderten, die Not leiden. Es werden immer mehr, rund 2000 Menschen sind von Kamel Tebaas gesammeltem Geld abhängig, und deshalb muss das Geben organisiert sein. Die Bedürftigen tragen einen Ausweis bei sich. Darauf werden jeden Monat die Beträge vermerkt.

Für die Betroffenen oft nichts sind als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Kamel Tebaa kennt den Vorwurf, seine Einrichtung sei nichts anderes als ein Feigenblatt des dekadenten Marrakesch. Trotzdem ist die Zaouia für ihn der beste Beweis, dass es in seiner Stadt noch immer so etwas gibt wie Solidarität.

Und dann, beim Abschied am Tor der Zaouia, bricht es aus ihm heraus, als er dem alten Haj Mohamed auf die Stirn küsst und ihn zu seinen Freunden führt.

"Es sind die Menschen ... die Menschen berühren mich. Was ist stärker, beeindruckender, als das Zusammentreffen mit anderen Menschen? Diese Arbeit ist ein Erlebnis für mich. Ich sehe viel klarer. Zum Beispiel, was das Materielle betrifft, den Konsum. Den halte ich für eine Katastrophe, für ein schleichendes Gift in unserer Gesellschaft, wo Schnelligkeit vorherrscht, der Drang, immer noch mehr besitzen zu müssen. Das betrachtet man alles mit mehr Distanz, wenn man sieht, wie manche Menschen aus zehn Kilometer entfernten Vierteln kommen, um sich sieben Euro abzuholen. Sieben Euro, für die sie uns auch noch sehr dankbar sind."

Die Armen – sie leben immer noch hier. In der Medina, der Altstadt. In den Riads, den Stadtpalästen – von denen weiß Gott nicht alle Paläste sind. Ein Riad ist ein Haus, das nach außen abgeschlossen ist. Es besitzt selten Fenster, dafür aber einen Innenhof. Und zwei Stockwerke. Meist sind es alte Häuser, Hunderte von Jahre alt, oft aus Lehm gebaut – und meist in schlechtem Zustand. In Marrakesch galt bis vor zehn Jahren die Devise: Wer es zu Geld bringt, zieht weg aus der Medina. Und kauft sich ein Haus, außerhalb. Alban Pamart, Immobilienmakler aus Marrakesch:

"Die Marokkaner haben so die Medina komplett verfallen lassen. Die Armen vom Land sind in die Riads der Medina gezogen, ohne sie zu unterhalten. Die Häuser sind total baufällig, sie müssen ja gut gepflegt werden."

Es ist um das Jahr 2000, als Frankreich auf die alten Schätze der Medina aufmerksam wird. Zaghaft kommen die ersten Europäer, um sich umzusehen. Sie suchen die Sonne – und das Leben unter freiem Himmel. Kein Wunder, dass sie von den Riads so begeistert sind, mit ihrem Innenhof und der Dachterrasse. Manche gründen Gästehäuser. Das hilft, den orientalischen Traum zu finanzieren – und ist außerdem ein gutes Mittel gegen Langeweile.

"Am Anfang waren es erst 10, dann 20, dann 50 Häuser, die verkauft wurden. Das Geschäft lief sehr gut. In der ganzen Welt waren ja auf einmal Gästehäuser gefragt. Viele Touristen wollten einfach nicht mehr im Hotel absteigen, sondern sich in die hiesige Kultur integrieren. Die ersten Riads waren spottbillig. Für 20.000 Euro bekam man ein Haus mit 200 Quadratmetern Grundfläche, mitten in der Medina. Dann stiegen die Preise, drei Jahre später mussten man schon 100.000 auf den Tisch legen. Dann sind die Preise explodiert."

Die Spekulation blüht. Viele machen sich selbst ans Renovieren. Sie kaufen alte Riads, um dort zu investieren. Nicht wenige sind daran gescheitert. Weil sie sich bei den Baukosten verschätzt hatten. Oder von windigen Maklern mit gefälschten Papieren übers Ohr gehauen wurden. Die, die es schaffen, ein Riad zu renovieren, machen einen guten Schnitt.

Aber nicht nur in der Medina kaufen die Ausländer, sondern auch in den Außenbezirken. Dort wurden in den vergangenen zehn Jahren Apartmentkomplexe, Luxusvillen, Hotels und Golfanlagen aus dem Boden gestampft. Marrakesch hört nicht auf zu wachsen. Die Finanzkrise hat dem Immobilien-Boom zwar einen Dämpfer versetzt - aber nur einen leichten. Pamart sieht sehr gelassen in die Zukunft. Denn von den 20.000 Riads dürften bisher nur gut 1300 von Europäern bewohnt sein, sagt er.

"Ich weiß, dass es immer mehr Senioren geben wird, die im Ausland leben wollen. Ihr Leben in der Heimat wird immer schwieriger werden. In Europa sind die Renten immer bedrohter, einige Menschen werden sich künftig nicht mehr viel leisten können. Die fragen sich doch: Warum soll ich hier im Regen sitzen, wo alles ein Vermögen kostet? Auch wenn nur fünf bis zehn Prozent der Menschen sich dafür entscheiden sollten, ihren Ruhestand im Ausland zu verbringen: Das sind immer noch Millionen!"

Sie gehören ganz klar zur Zielgruppe der Immobilienagenten: Christiane und Christian Pegeot, Rentner aus dem Elsass. Seit sechs Jahren leben sie in Marrakesch. In einem eigenen Riad, versteckt am Derb Moulay Abdelkader. Nur zwei Minuten entfernt vom magischen Platz Djemaa El Fna.

"Marrakesch – für mich sind es die Souks, die die Stadt ausmachen - und die Medina, das ist für mich Marrakesch!"

Das Haus der Pegeots – ein Traum vom Orient, 300 Quadratmeter groß, mehr als 400 Jahre alt. Der typische Innenhof mit vier Bäumen und dem Brunnen in der Mitte. Drumherum die Kolonnaden mit den gemütlichen Sitzecken. Die großen Zimmer mit Zedernholzdecke, die Bädern mit Tadelakt-Verputz – und natürlich die Sonnenterrasse über den Dächern der Medina, mit Blick auf die mächtige Koutoubia-Moschee. Leben wie Gott in Frankreich – für das Rentnerpaar viel zu teuer. In der Medina von Marrakesch locker bezahlbar.

"Die Lebensqualität hier ist einfach unvergleichlich. Deswegen sind wir ja aus Frankreich weg – auch wegen des guten Wetters hier, klar, die längste Zeit des Jahres ist es schön warm. Und dann – die Kaufkraft - die verzehnfacht sich hier mal eben. Wir leben hier sehr, sehr gut. Wir haben hervorragendes Gemüse und Obst, das so schmeckt, wie es schmecken soll – anders als in der EU. Und klar – als gute Franzosen sind wir froh über den marokkanischen Wein, denn der ist gar nicht mal so schlecht!"

Christiane lächelt. Sie weiß, dass sie und ihr Mann nie echte Marrakchi sein werden – aber hier sind sie zu Hause, sie sind beliebt, als gute Nachbarn. Hier wollen sie bleiben.

"Wir hatten einfach Glück, dass wir damals zu einem sehr guten Preis das Haus verkaufen konnten, in dem wir selbst 30 Jahre gewohnt haben. Und jetzt … naja, inch’allah, Gott sei mit uns, wie man hier sagt – jetzt würden wir gerne noch lange hier in Marrakesch leben, und irgendwann auf dem Europäischen Friedhof der Stadt beerdigt werden."

Und dann murmelt Christian noch: "On n’est pas pressé ... wir haben’s nicht eilig ..." und schenkt sich noch ein Glas Rotwein ein.

Auf dem Platz ist es Abend geworden. Der Dampf der Garküchen zieht über den Platz. Auf den Auslagen: buntes Gemüse, leuchtend rote Merguez-Würstchen, dicke Bündel von Koriander und Petersilie. Es duftet verführerisch.

Ein paar Meter weiter: die Halquas. Die Kreise aus Menschen, die die Magie dieses Platzes ausmachen. Wir drängen uns in einen Kreis. Sehen Gaukler gaukeln, hören Geschichtenerzähler erzählen und verschleierte Frauen tanzen. Die sich bei näherem Hinsehen als Jungen entpuppen. Kein Wunder – denn so eine Art von Entertainment ist Frauen verboten.

Hans-Werner Geerdts steigt die enge Wendeltreppe hinab, gebückt, auf seinen Stock gestützt. Seit Jahren lebt er hier, in dem alten weiß-gelb getünchten Haus im Viertel "Derb el Hammam", mit blauen Fensterläden und einem Brunnen im Innenhof. Er setzt er sich an den alten, dunklen Holztisch in der Küche. Es ist still. Vom Lärm des Platzes ist nichts zu hören. Dabei ist er so nah. Der Platz, der für fast 50 Jahre sein Leben bestimmt hat. Marrakesch ist seine Heimat geworden. Und doch – er ist immer nur Beobachter geblieben:

"Also ehrlich gesagt: Ich habe keine marokkanischen Freunde. Habe ich nicht. Naja, es ist halt so. Aber damit kann ich leben. Es war insofern schwer, weil man immer nur betrogen wurde. Ich konnte kein Vertrauen haben. War alles schmerzhaft, aber erträglich."

Viel Geld hat Geerdts verloren. An falsche Freunde, die seine Großzügigkeit ausgenutzt haben. Und davon gab es viele. Doch Marokko ein für alle Mal zu verlassen – das kam nie infrage.

"Das ist das Licht … das krieg ich nicht in Kiel. Hier sind die Sinne gefordert. Und das ist das, was so viele umwirft. Und dieser Platz – der ist einmalig in der ganzen Welt … gewesen!. Das ist Kornelius!"

Kornelius ist ein Freund von Hans-Werner Geerdts. Ein Islamwissenschaftler und Reiseführer, der Marrakesch seit vielen Jahren kennt. Er sitzt sich auf die Holzbank dazu, bekommt einen Rotwein eingeschenkt.

Kornelius: "Marrakesch ist eine ... einige sagen: eine Hure geworden."

Geerdts: "Das kann man wohl sagen!"

Kornelius: "Es kommen hier die Reichen. Hier macht man Party. Und diese Party ist sehr kostspielig und dümmlich. Geld, Frauen, Essen gehen. Und trotzdem hat diese Stadt was Faszinierendes. Die Geräusche. Die Geräusche haben sich, glaube ich, nicht so sehr geändert. Es ist immer noch das Trommeln, die Gnaua, die Menschen ... es ist eine Geräuschkulisse, die toll ist. Die Erotik auch, die diese Stadt hat. Die Frauen ... Es ist so ein Spiel, ein Spiel mit dem Feuer. Und auf der Ebene wird auch von vorne bis hinten betrogen."

Marrakesch. Eine Stadt, die Menschen in sich hineinzieht, vereinnahmt, gefangen nimmt. Eine Stadt, die brutal ist und sanft, hart und sinnlich, warm und sehr, sehr kalt. Eine Stadt, die sich dagegen wehrt, verstanden zu werden.