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Freitag, 14.12.2018
 
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Konzert / Archiv | Beitrag vom 01.12.2018

Das Bernd-Alois-Zimmermann-Jahr geht zu EndeDen Klischees entrissen

Eine Sendung von Ruth Jarre und Rainer Pöllmann

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(Bernd-Alois-Zimmermann-Gesellschaft)
Jubiläumsjahr zum 100. Geburtstag: Bernd Alois Zimmermann wurde am 20. März 1918 geboren. (Bernd-Alois-Zimmermann-Gesellschaft)

Mit der Oper "Die Soldaten" kam 1965 der Durchbruch. 2018 wäre der Komponist Bernd Alois Zimmermann 100 Jahre alt geworden. Das Jubiläumsjahr ermöglichte nun noch mal eine neue Einordnung seines Werks – und auch weniger Bekanntes war zu sehen.

Ist Bernd Alois Zimmermann unser neuer Lieblingsavantgardist? Mit der Oper "Die Soldaten", uraufgeführt 1965 in Köln, kam der Durchbruch für den Komponisten, der sich zu einer zentralen Figur der Avantgarde des 20. Jahrhunderts entwickelte.

Doch die Bekanntheit führte auch dazu, dass man ihn auf drei Schlagworte festgenagelte. Wer sich mit Zimmermann beschäftigt, wird schnell über seinen "pluralistischen Stil" lesen, auf seine Beschreibung zur "Kugelgestalt der Zeit" stoßen und auf die Kategorisierung seiner Person, die sich zwischen den Polen "Mönch und Dionysos" bewegt haben soll. 

Jubiläum ermöglichte neue Einordnung

Die Bilanz des Zimmermann-Festjahres zu seinem 100. Geburtstag zeigt, dass dieses Jubiläum nicht als Strohfeuer endete, sondern eine neue Einordnung und Aufmerksamkeit möglich gemacht hat. Zum Beispiel mit der Aufführung der weniger bekannten Funkoper "Des Menschen Unterhaltsprozess gegen Gott" durch die Sing-Akademie zu Berlin in der Volksbühne Berlin – die im Deutschlandfunk Kultur zu hören sein wird. Hier richtet nicht Gott – das Prinzip wird umgedreht – er selbst muss sich verantworten.

Der Komponist Bernd Alois Zimmermann (1918-1970, l.) unterhält sich mit dem Dirigenten Michael Gielen (picture alliance / dpa / Otto Noecker)Der Komponist Bernd Alois Zimmermann (1918-1970, l.) unterhält sich mit dem Dirigenten Michael Gielen (picture alliance / dpa / Otto Noecker)

Über Radiooper und -oratorium im Allgemeinen und über die Übertragung des Abends im Besonderen spricht Carola Malter mit dem Regisseur Christian Filips und dem musikalischen Leiter Kai-Uwe Jirka:

Der Dirigent hebt die Arme, im Hintergrund steht auf der Bühne ein hölzernes Trojanisches Pferd (Volksbühne Berlin / Kay Sievers)Kai-Uwe Jirka dirigierte die Funkoper von Bernd Alois Zimmermann. (Volksbühne Berlin / Kay Sievers)

Zum Themenabend "Unser neuer Lieblingsavantgardist? 100 Jahre Bernd Alois Zimmermann – eine Bilanz des Jubiläumsjahres" im Deutschlandfunk Kultur ist auch die Tochter des Komponisten, Bettina Zimmermann, eingeladen, die im März ein Buch herausgebracht hat: "con tutta forza" – gegen übermächtige Widerstände. Es ist eine Collage aus Texten und Bildern, die den Komopnisten von einer ganz persönlichen Seite zeigt, und dabei seine Musik zugänglich macht.

Ebenso wird der Musikwissenschaflter Jörn Peter Hiekel über seine bald erscheinende Zimmermann-Veröffentlichung berichten. Im Laufe des Abends werden wertvolle Archivaufnahmen zu hören sein sowie die Deutschlandfunk Kultur-Produktionen, die in diesem Jahr entstanden sind und "den anderen" Bernd Alois Zimmermann vorstellen – weit weg von alten Kategorisierungen.

Eine Aufzeichnung der Aufführung vom 25. und 26. November in der Volksbühne Berlin

Bernd Alois Zimmermann
"Des Menschen Unterhaltsprozess gegen Gott"
Funkoper in drei Akten für Sprecher, Soli, Frauenchor, Männerchor, großen gemischten Chor und Orchester
Libretto: Hubert Rüttger in freier Gestaltung nach Pedro Calderón de la Barca

Singakademie zu Berlin
Ensemble PHØNIX16
Kammersymphonie Berlin
Leitung: Kai-Uwe Jirka

Bernd Alois Zimmermann
"Présence. Ballet blanc en cinq scènes" für Violine, Violoncello und Klavier

Trio Gaspard:
Jonian Ilias Kadesha, Violine
Vashti Hunter, Violoncello
Nicholas Rimmer, Klavier

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