Seit 20:03 Uhr Konzert

Mittwoch, 23.10.2019
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Musikfeuilleton | Beitrag vom 30.05.2019

Das Archiv für populäre Musik in Eisenach700 Quadratmeter Jazz-Geschichte

Von Michael Groth

Beitrag hören
Reinhard Lorenz, Gründer des Internationalen Jazz Archivs Eisenach, zieht eine Platte von Louis Armstrong aus der Schallplattensammlung. (Picture Alliance / dpa / Michael Reichel)
Ein Archiv, auch zum Hören: Reinhard Lorenz hat das Jazz-Archiv in Eisenach gegründet. (Picture Alliance / dpa / Michael Reichel)

Eine Mälzerei im thüringischen Eisenach ist zu einem wichtigen Ort für die Geschichte des Rock, Jazz und Blues geworden. Auch Objekte von Benny Goodman befinden sich hier. Ein Besuch im "Internationalen Archiv für Jazz und populäre Musik".

Wenn über die großen Jazz-Konzerte in der Bundesrepublik berichtet wird, tauchen immer wieder zwei Namen auf – Lippmann und Rau. Horst Lippmann und Fritz Rau schrieben ein wichtiges Kapitel der europäischen und amerikanischen populären Musik. Die legendären Veranstalter entdeckten nicht nur Eric Clapton. Sie holten auch die Rolling Stones nach Deutschland.

Vor allem machten sie den Blues bekannt. Zwischen 1962 und 1985 brachten sie das "American Folk Blues Festival" nach Europa. Die Bluesmusiker wurden zum Vorbild der jungen Rockszene, vor allem in England – zu einer Zeit, in der sie in ihrer Heimat wenig Anerkennung fanden. Heute liegt der Nachlass von Lippmann, Rau und anderen Musiksammlern in Eisenach.

Die Heimat der Nachlässe

Reinhard Lorenz, Sammler und heute Kurator des beeindruckenden Musikarchivs, lernt Mitte der 1970er-Jahre in einem Eisenacher Jazzklub den westdeutschen Musiker und Sammler Günter Boas kennen. In den 1990er-Jahren – die Mauer ist gefallen – überredet Lorenz, der inzwischen Leiter des städtischen Kulturamtes ist, Boas und Lippmann, ihre Nachlässe nach Thüringen zu geben.

Das Musikarchiv der Lippmann + Rau-Stiftung wird 1999 gegründet. Eine mehr als 100 Jahre alte Malzkaffeefabrik, zu DDR-Zeiten Veranstaltungsort von Jazzkonzerten, ist fortan die neue Heimat musikalischer Nachlässe – das Equipment der Fabrik bleibt dabei unangetastet. In den denkmalgeschützten Räumen kann der Besucher die Kaffeetechnologie des ausgehenden 19. Jahrhunderts ebenso bewundern wie den von Lorenz zusammengetragenen Musikschatz. 2006 wird die Lippmann + Rau-Stiftung offiziell gegründet.

Trevor Richards schickt Ausstellungsobjekte

2007 erreicht Lorenz eine umfangreiche Lieferung aus New Orleans. Der Schlagzeuger Trevor Richards hatte sein Haus geräumt, nachdem der Hurricane "Kathrina" es weitgehend vernichtet hatte. Ramponierte Schlagzeugsets, aufgequollene Bücher und 8.000 Platten in verschlammten Hüllen kamen nach Eisenach. 

Im Archiv in der alten Mälzerei befinden sich heute um die 180.000 Platten, rund 80.000 Zeitungsartikel, mehrere 10.000 Bücher, über 60.000 Zeitschriften, ungefähr 100 Kunstwerke – Filme, Tonbänder. Darunter sind das Vibraphon Hazy Osterwalds, eine Handschrift Mick Jaggers, ein Skizzenbuch von Joan Baez, ein Notenblatt Willie Dixons sowie eine persönlich ergänzte Diskographie Benny Goodmans.

Mehr zum Thema

Erinnerung an Fritz Rau - "Jazz war Entnazifizierung an Leib und Seele"
(Deutschlandfunk Kultur, Aus den Archiven, 09.03.2019)

Legendäre Jazz-Alben von "Blue Note" - Musik mit glühendem Kern
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 09.01.2019)

Eine Lange Nacht über das Schlagzeug - Rhythmus ist Leben
(Deutschlandfunk Kultur, Lange Nacht, 05.01.2019)

Konzert

Iveta Apkalna in BerlinStimmen des Orgelozeans
Die Organistin Iveta Apkalna (Nils Vilnis/RSB)

Sie ist "die" Organistin in Europa derzeit - Iveta Apkalna. Die Künstlerin ist Titularorganistin der Hamburger Elbphilharmonie. Sie spielte jetzt mit der Kremerata Baltica eine Matinee im Berliner Konzerthaus, Schwerpunkt war Musik aus Lettland.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur